Frohe Botschaft hallt über das Wasser
Hafen: Weihnachtliche Bootsfahrt soll Mut in schwierigerer Zeit machen
Von Peter W. Ragge
Mannheim. „Es kommt ein Schiff geladen, bis an sein höchsten Bord“, spielt der Posaunenchor Feudenheim, aber „an sein höchsten Bord“ – der Passus stimmt nicht mehr ganz. Auch bei der traditionellen weihnachtlichen Fahrt der Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim (HGM) mit Vertretern der Kirche durch den Hafen, um den Schiffern zum Jahresende den Segen zu bringen, ist an Bord der „MS Oberrhein“ die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung greifbar.
„Wir spüren, dass es schwieriger wird“, sagt Hafendirektor Uwe Köhn. Der Güterumschlag werde Ende 2024 gegenüber dem Vorjahr „leicht drunter“ liegen. Im Vergleich des Zeitraums bis Ende November sind es 5,24 Millionen Tonnen und damit 8,37 Prozent weniger. Da ist Schüttgut, vor allem Kohle, mit eingerechnet, deren Verbrauch deutlich sinkt. Aber auch nur auf die Container bezogen gibt es ein Minus von 4,25 Prozent auf 675 299 Tonnen. Die Zahl der Güterschiffe, die in Mannheim angelegt haben, ist in den ersten elf Monaten von 5489 auf 4780 gesunken – da beträgt das Minus sogar 12,9 Prozent. Auch bei den Fahrgastschiffen sind es nur 537 gewesen – nach 634 im Vorjahr.
Posaunenchor und gemeinsames Vaterunser
„Die wirtschaftliche Entwicklung geht an uns natürlich nicht vorbei“, so Uwe Köhn. Mit 420 ansässigen Unternehmen, die auf über 1100 Hektar rund 13 000 Menschen beschäftigen, stellt der Hafen immerhin einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in Mannheim dar. Und mancher Vertreter von Unternehmen an Bord nennt leise noch viel deutlicher Zahlen, was sinkende Auftragseingänge und geringere Umsätze betrifft. Aber Köhn betont, er habe den Eindruck, dass die im Hafen ansässigen Betriebe „sich bereits auf die Suche nach Lösungen gemacht haben, und das macht mir Mut!“
Mut machen, aufmuntern, den Segen spenden – das wollen auch der katholische Stadtdekan Karl Jung und Maximilian Heßlein von der Evangelischen Schifferseelsorge. Das ist ja der Ursprung der weihnachtlichen Fahrt auf der „MS Oberrhein“. Damit es besonders stimmungsvoll wird, hat Bogdan Luchkiv, einer der Schiffsführer der Hafengesellschaft, sogar Schneemänner, einen Weihnachtsbaum, Sterne und ein Lebkuchenhäuschen mit Schneepulver an die Fenster vom Dienstschiff gesprüht. Er und Adrian Siebert unterstützen Jörg Stolte, der die von zwei je 345 Kw starken Motoren angetriebene „MS Oberrhein“ trotz teils heftigem Wind sicher durch die Hafenbecken, auf dem Rhein und auf dem Neckar steuert. Die Feuerwehr mit dem Löschboot „Metropolregion 1“ eskortiert das am Heck mit einem Weihnachtsbaum geschmückte Dienstschiff.
29 Binnenschiffe haben an diesem Abend an den Kaimauern festgemacht. Dass über die Feiertage viele Schiffer im Hafen liegen, sei kaum mehr üblich, sagt Uwe Köhn. Und wenn, sind die Frachter teilweise dunkel, sehen aus wie verwaist. Auf anderen wird erkennbar gearbeitet, teils winken die Besatzungen, denn die vom Posaunenchor gespielten adventlichen Choräle hallen weithin hörbar über das Wasser – trotz der Geräusche von Kränen und unveränderter Geschäftigkeit auf hell erleuchteten Firmengeländen.
Aber dazwischen sorgen Karl Jung und Maximilian Heßlein in guter ökumenischer Gemeinschaft doch für einen Moment des Innehaltens. Heßlein schafft das mit der anrührenden Geschichte von einem der unzähligen kleinen Sterne, der gerne auch mal so hell wäre, so beachtet würde wie der berühmte Stern von Bethlehem. Und vor dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser, dem gemeinsamen Segen durch beide Geistliche zitiert Karl Jung dann nicht nur aus der Weihnachtsgeschichte. Er formuliert auch nachdenklich, dass ihm das „Klima unter den Menschen, auf der Straße und im Netz“ Sorgen macht, der Hang zu Hetze und Gewalt. Da bedürfte es einer „gesunden Abkühlung“, findet der Dekan, ehe er den Menschen Mut zuspricht: „Weihnachten ist die frohe Botschaft, die Botschaft von Freude, Mut und Hoffnung!“
Vereinbarung mit der Stadt als „wichtiger Meilenstein“
Und auch Hafendirektor Uwe Köhn spricht mehrfach von Mut und Hoffnung. Schließlich sei es im ablaufenden Jahr gelungen, die Mühlauhubbrücke zu sanieren. „Damit ist eine lange und herausfordernde Situation für den Schwerverkehr, der sehr eingeschränkt war, beendet“, so der Chef der Hafengesellschaft. Mit dem Anwesen in der Rheinkaistraße 15 habe die HGM gezeigt, dass sie auch ein denkmalgeschütztes Gebäude energetisch sanieren könne. Zudem habe man weitere Elektroladestationen eingerichtet und arbeite am Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur. Dadurch bewege sich der Hafen „irgendwann in Richtung Klimaneutralität“, so Köhn: „Wir machen, was wir können, aber es muss wirtschaftlich bleiben und praktikabel“, betonte der Hafendirektor.
Zufrieden blickt Köhn schließlich auf die in diesem Jahr unterzeichnete Vereinbarung vom Land als dem Eigentümer des viertgrößten Binnenhafens Europas und der Stadt mit dem Ziel, die Interessen des Hafens und der Wirtschaft sowie der Stadtplanung für die Zukunft besser auszutarieren. Dass dies mit dem Verkehrsminister einerseits und Oberbürgermeister Specht andererseits auf hoher Ebene verabredet worden sei, stelle „einen wichtigen Meilenstein“ für den Hafen dar.