BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Karlsruhe, 16.12.2024

 

Wer kauft das Kirchenensemble?

Im Ringen um die Zukunft der Lukasgemeinde fällt jetzt eine Vorentscheidung

Klaus Müller

Karlsruhe. Wer erhält nun den Zuschlag für das Gesamtensemble der evangelischen Lukasgemeinde in Karlsruhe? Dazu gehören eine Kirche, ein Gemeindesaal und ein Kindergarten. Ums etwas plakativ auszudrücken: Das unter Denkmalschutz stehende Ensemble soll, sinnbildlich gesprochen, unter den Hammer fallen. Den schwingt der Stadtkirchenrat der Evangelischen Kirche in Karlsruhe.

Nach einigen Vorberatungen und Präsentationen potenzieller Käufer soll an diesem Montag bei einer nicht öffentlichen Sitzung des Stadtkirchenrates eine Vorentscheidung fallen. In seiner Sitzung werde der Stadtkirchenrat beraten, mit welchem Bewerber er weiter verhandeln möchte, teilte auf Nachfrage dieser Redaktion die Pressestelle der Stadtkirche mit.

Ansonsten, hieß es weiter, wolle man zu laufenden Verfahren keine Auskunft geben. Doch diese Redaktion nannte bereits vor wenigen Wochen teilweise Ross und Reiter, also potenzielle Kaufinteressenten respektive Interessenten an dem Objekt.

Interesse an dem kirchlichen Gesamtensemble zeigt die Johann König GmbH, bekannt unter dem Namen „König Galerie“. In Berlin hat der Galerist in der Kirche St. Agnes bereits ein ähnliches Projekt, wie er es in Karlsruhe vorhat, umgesetzt: ein offener künstlerischer Begegnungsort.

Ebenfalls Kaufinteresse bekunden zwei weitere Bewerber, darunter eine gemeinnützige Stiftung und ein neuer Bewerber, der kürzlich dem Stadtkirchenrat ein Angebot unterbreitete. Aus dem Rennen scheint ein Bewerber zu sein, der früh seinen Hut in den Kaufring warf: Björn Wirtjes, der in der Kirche ein Planetarium einrichten wollte.

Nach wie vor im Rennen ist „Wir für Lukas“. Der über 200 Mitglieder zählende Verein setzt sich für den Erhalt der Lukasgemeinde als Kirchengemeinde ein. „Kirche, Kindergarten und Gemeindehaus sollen langfristig für die Nutzung in der Regio West erhalten bleiben“, betont der Vereinsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Möller. Stichwort Regio West: Zu dem Kirchenbezirk gehören neben der Lukasgemeinde unter anderem die Markusgemeinde und die Karl-Friedrich-Gemeinde.

Wie es scheint, das jedenfalls teilt Anne von Rudloff („Wir für Lukas“) auf Nachfrage mit, erfährt der Verein für sein Konzept Unterstützung vom Regio-West-Ältestenkreis und vom Ältestenkreis der Lukasgemeinde.

Zusammengefasst geht es in dem Konzept um den „Dreiklang Kirche-Kultur-Quartier“. Federführend könnte dies ein Trägerverein übernehmen, der etwa als voll verantwortlicher Pächter oder Käufer das Lukasensemble übernimmt.

Zuspruch erhielt das Konzept von der Badischen Landeskirche. Und das könnte sich in barer Münze bemerkbar machen. Mit knapp 400.000 Euro Fördermittel zeichnete die Landeskirche unlängst vier Projekte aus, die eine Jury mit Blick auf die Kirche der Zukunft als besonders innovativ bewerteten – darunter pikanterweise der Verein „Wir für Lukas“, dem 95.000 Euro Fördermittel in Aussicht gestellt wurden. Pikanterweise deswegen, weil die Lukasgemeinde auf der „roten Liste“ der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe steht.

Was bedeutet: Rund 30 Prozent der Liegenschaften im Besitz der Stadtkirche „müssen dauerhaft aus der zentralen Finanzierung der Stadtkirche herausgenommen werden“. Und dies geht im Grunde fast nur über einen Verkauf.

Die Sparauflagen hat sich übrigens nicht die Stadtkirche auferlegt. Nein, so will es die Badische Landeskirche – die „nebenbei“ in ihrem derzeitigen Doppelhaushalt eine Million Euro pro Jahr an Fördermittel für innovative Ideen eingestellt hat.

Im Falle der Lukasgemeinde teilt die Pressestelle der Landeskirche mit: „Dennoch war und ist klar, dass die Entscheidung über die Lukaskirche allein beim Stadtkirchenrat liegt. Die Innovationsförderung ist nicht darauf ausgelegt, solche Entscheidungsbefugnisse zu übernehmen.“

Nun sind Beobachter und Beteiligte gespannt, wie der Stadtkirchenrat die Auslobung des Innovationspreises für die Ideen von „Wir für Lukas“ in seine Entscheidungsfindung einfließen lässt. Denn eins ist völlig klar: Fällt der Verein aus dem Bewerberpool, sind die 95.000 Euro futsch.

Makulatur wäre dann auch das Votum der Jury: „Eure Vision aus dem denkmalgeschützten Raum einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration zu machen, zeigt, wie kreativ, leidenschaftlich und zukunftsorientiert ihr Kirche darstellt.“