Badische Zeitung Hochschwarzwald, 06.12.2024

 

226 Jahre alte Kapelle zerstört

Am vergangenen Dienstag ist die mehr als 200 Jahre alte Thomaskapelle in Schluchsee-Blasiwald vollständig ausgebrannt. Die Polizei vermutet einen technischen Defekt als Ursache.

Schluchsee-Blasiwald
Das Feuer in der 1798 gebauten Hofkapelle brach nach Mitteilung der Polizei um 11.45 Uhr aus. Die Polizei kann die Uhrzeit deshalb so genau angeben, weil eine ehrenamtliche Helferin der evangelischen Kirche zu dieser Zeit in der Kapelle mit der Reinigung beschäftigt war. Die Frau bemerkte Brandgeruch in dem kleinen Gotteshaus mit rund 20 Plätzen und verständigte sofort die Polizei und anschließend die für Schluchsee zuständige evangelische Pfarrerin Gabriele Heuß.
Zu retten war die Kapelle beim Eintreffen der Feuerwehr nicht mehr, sie brannte vollständig aus. Die Polizei schätzt den entstandenen Schaden auf einen niedrigen sechsstelligen Euro-Betrag. Die ehrenamtliche Helferin konnte sich unverletzt ins Freie retten. Wie Pfarrerin Heuß mitteilt, hat die Frau noch die Bibel aus dem Gebäude mitgenommen. Den Brand überstanden hat auch das Metallkreuz vom Dach, das Schild mit dem Namen der Kirche und „ein Rest der Glocke“, berichtet Heuß. „Wir werden diese Gegenstände in unsere Petruskirche in Schluchsee integrieren“, kündigt sie an.
Die Polizei geht von keiner strafbaren Handlung, sondern von einem technischen Defekt aus. Ein Brandermittler der Polizei werde die Spurenbilder in den verbrannten Resten der Kapelle näher ansehen und seine Eindrücke mit den Schilderungen der Zeugin abgleichen, teilt ein Polizeisprecher mit.
Pfarrerin Gabriele Heuß traf gegen 12.20 Uhr bei dem brennenden Gebäude ein und sah noch wie die Feuerwehr die Flammen bekämpfte. „Das war unwirklich“, sagt sie, „ich wusste nicht was ich denken soll.“ Sie sei aber sehr erleichtert gewesen, dass die ehrenamtliche Helferin unverletzt geblieben sei. Erst vor einem Jahr hatte die Gemeinde in einem Artikel im Gemeindebrief die Geschichte der Kapelle beschrieben.
Die Thomaskapelle hat für die evangelische Gemeinde in Schluchsee eine besondere Bedeutung. Sie war 1798 als Hofkapelle eines Bauernhofs errichtet worden. Nachdem sich nach dem Zweiten Weltkrieg erste evangelische Christen durch kriegsbedingte Vertreibung und Flucht in Schluchsee eine neue Heimat gefunden hatten, schenkten drei Schluchseer Hofbauern und eine Hofbäurin der evangelische Gemeinde die Kapelle. Bis dahin hatten die Protestanten ihre Gottesdienste im Schulhaus gefeiert. 1993 und 1994 wurde die Kapelle aufwändig saniert und neu eingeweiht und diente in der Folge als geistlicher Einkehrort für Wanderer und für die wöchentlichen Abendandachten. Wie sich Pfarrerin Heuß erinnert, wurde das Gotteshaus auch für Hochzeiten genutzt. Bis zuletzt war die Kapelle für jedermann und zu jederzeit geöffnet.
Kaum hatte sich die Nachricht über den Brand verbreitet, hätte es erste Gerüchte über mögliche Verursacher in den Sozialen Netzwerken gegeben, schildert Heuß. Sie habe sich darüber sehr geärgert, sagt sie. Da es für die Kapelle und weitere Kirchen seit etwa einem Jahr kein Geld von der Landeskirche mehr gibt, hat die Gemeinde beschlossen, sich selbst um die alte Kapelle zu kümmern. „Grund zur Sorge besteht nicht“, hieß es im Gemeindebrief vor einem Jahr.Klaus Riexinger