„Man kann nicht nur warten“
Dekan Frank Wellhöner verabschiedet sich am morgigen Sonntag, 8. Dezember, in den Ruhestand. Im Gespann mit seiner Frau Jutta war der Dekan Vorreiter in der Evangelischen Kirche in Baden. VON INES REINHARDT UND CHRISTIAN WAGNEROffenburg. Reden und zuhören: Beides muss ein Pfarrer können. Mit seinen 66 Jahren beherrscht Frank Wellhöner diese Disziplinen wie ein Profi. Ein ermutigendes Lächeln, ein paar bedachte Worte – dem Dekan fällt es nicht schwer, ins Gespräch zu kommen. Nicht um die Bibel, nicht um Gott soll es dieses Mal gehen, sondern um ihn, der nach Jahrzehnten im Dienst der Kirche am Sonntag in den Ruhestand gehen wird.
Geboren wurde Frank Wellhöner 1958 in Frankenthal in der Pfalz, „wobei ich zugeben muss, dass ich an diesen Ort kaum Erinnerungen habe“, bemerkt der Dekan. Kindheit und Jugend waren von Umzügen geprägt. Sein Vater, von Beruf Diplomingenieur, war viel unterwegs. In Hamburg und Frankfurt lebte die Familie, wozu auch der vier Jahre jüngere Bruder zählt, eine Zeit lang. Oft war die Familie auch in Freiburg, wo alle vier Großeltern zu Hause waren. „Offenburg kannte ich anfangs nur vom Vorbeifahren.“
Der Beruf des Pfarrers sei seinerzeit stark im Trend gewesen. „Es gab eine richtige Pfarrerschwemme“, berichtet der Dekan. Erstmals vorstellen konnte sich Frank Wellhöner diese Richtung beim Konfirmandenunterricht. Der junge Pfarrer seiner Gemeinde habe neue Wege und modernes Liedgut gewählt. „Das fand ich wirklich spannend!“
Manifestiert hat sich der Wunsch, Pfarrer zu werden, in der Bundeswehr. In seinem 18-monatigen Dienst bildete sich Wellhöner zum Sanitäter weiter. „In die Kaserne kamen viele gestrandete Menschen, viele hatten ein Alkoholproblem“, erinnert sich Wellhöner. Die Arbeit mit Menschen, die Hilfe und Zuspruch brauchen, habe ihn erfüllt. „Mir war es wichtig, würdevoll mit den Menschen umzugehen und nicht im Befehlston“, sagt er. Zwar habe er noch zwei Semester Pharmazie studiert, „aber das war nichts für mich. Also ging ich für das Theologie-Studium nach Heidelberg“.
Eine Entscheidung, die sein Leben bestimmen sollte: Denn im Studium traf er seine Frau Jutta, mit der er noch heute ein erfolgreiches Gespann bildet. „Wir haben geheiratet, dann aber berufsbedingt eine Fernbeziehung geführt“, erinnert sich Wellhöner. Um näher beieinander zu sein, gingen die beiden auf die Suche nach einer neuen Wirkungsstätte und landeten in Offenburg. „Meine Frau fand 1990 eine Stelle in der Auferstehungsgemeinde und ich in der Erlösergemeinde in Albersbösch“, erzählt Frank Wellhöner. In der ganzen Ortenau sei er danach im Einsatz gewesen, bevor es nochmal nach Heidelberg zurückging.
Als 1993 die Anfrage kam, wieder nach Offenburg zu wechseln, sagte das junge Pfarrerpaar spontan zu. „So kamen wir an unsere erste gemeinsame Pfarrstelle in Rammersweier bei der Johannes-Brenz-Gemeinde.“ Und 2002 begann dann etwas, das der Dekan schmunzelnd als das „Wellhöner’sche Erbe“ bezeichnet. Denn die Wellhöners wurden zum Dekanatsehepaar gewählt. „In Baden sind wir bis heute die ersten und die letzten“, erzählt er. Die Wahl hatte Folgen: „Wegen des Personalmangels gab es irgendwann nicht mehr genug Theologen, also wurden nun Stellen auch öfters geteilt.“ Seit 2014 sind die Wellhöners für das riesige Dekanat Ortenau zuständig.
Für die Kirche brennen
Weil jetzt neue Veränderungen anstehen, sei es eine gute Zeit, um aufzuhören, sagt Wellhöner. Seine Frau, die er weiterhin unterstützen will, macht noch bis 2026 weiter. „Ich bin dankbar für die Begegnungen mit vielen Menschen und finde es toll, dass es noch Ehrenamtliche gibt, die so für die Kirche brennen“, zieht er Bilanz. Auch mit der katholischen Kirche habe er immer gut zusammenarbeiten können.
In der Ökumene sieht er auch die Zukunft der Kirche: „Schon in den 90er-Jahren hat man gemerkt, dass sich etwas ändert. Aber Kirche ist mehr als die sonntäglichen Gottesdienste!“, sagt Wellhöner. Die Kirche müsse sich so aufstellen, dass sie die Menschen erreicht und dorthin kommen, wo die Menschen sind. Neue Formen seien gefragt. „Die Gesellschaft wandelt sich und ist mehr unterwegs. Man muss auf die Menschen zugehen und kann nicht einfach nur in der Kirche warten!“, findet er.
Wellhöner schaut auf viele schöne Momente zurück: Auf die Städtepartnerschaften, bei denen er als Evangelischer bei Besuchen in Italien und Frankreich oft in der Minderheit war, wie er lachend anmerkt. Die Musik erfüllte den passionierten Opern-Fan ebenfalls. Den Kammerkonzerten an der Kinzig in Weier, wo übrigens mit der Matthäuskirche seine Lieblingskirche steht, wird er weiterhin treu bleiben. „Aber ich will mich auch mal in den Zug setzen können und zu einer Oper in einem kleinen Stadttheater in Deutschland fahren können“, hofft er auf die Zukunft. Aber dennoch: „Ich habe meine Aufgabe immer gerne gemacht“, fasst Wellhöner die letzten 21 Jahre zusammen.
INFO: Die Verabschiedung von Dekan Frank Wellhöner mit Landesbischöfin Heike Springhar t ist am Sonntag, 8. Dezember, um 16 Uhr in der evangelische Stadtkirche.
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