Rhein-Neckar-Zeitung - Heidelberger Nachrichten, 27.11.2024

 

Bürgermeister hat Hoffnung für Kirchengemeinde

Bald fusionieren fünf Orte – Kooperation trägt Früchte

lesa

Wilhelmsfeld. (lesa) Mit dem Beginn des kommenden Jahres beginnt eine neue Ära im Steinachtal. Zum 1. Januar werden die bisher fünf eigenständigen Kirchengemeinden Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach, Heddesbach, Altneudorf und Schönau zu der evangelischen Kirchengemeinde Steinachtal fusionieren. Der Grund sind Sparmaßnahmen der Landeskirche. Damit wird offiziell, was im Steinachtal seit Ende der Pandemie wie mehrfach berichtet bereits langsam aber sicher auf den Weg gebracht wurde. In Wilhelmsfeld, wo es bereits seit vergangenem Jahr keinen Ortspfarrer mehr gibt und wo nun auch das Pfarrhaus verkauft wird, endet damit eine 150-jährige Ära der Selbstständigkeit als Kirchengemeinde (siehe weiterer Artikel). Was bedeutet das? Bürgermeister Tobias Dangel schätzt die Lage ein.

„Natürlich verändert sich durch die Fusion das kirchliche Leben am Ort, aber das hat sich natürlich auch in den letzten zehn, 20 Jahren stark verändert: durch den Bedeutungsverlust des Religiösen für viele Menschen, durch zahlreiche Kirchenaustritte, durch zurückgehendes ehrenamtliches Engagement und vieles dergleichen mehr“, so der Rathauschef, der mit der letzten Wilhelmsfelder Pfarrerin, Silke Dangel, verheiratet und so quasi doppelt nah dran an der Gemeinde ist. „Die Fusion hat die Kirchengemeinderäte und Pfarrpersonen nach meinem Kenntnisstand sehr viel Organisation und Arbeit gekostet und ich wünsche mir, dass sie sich nach der Fusion wieder verstärkt dem Gemeindeaufbau zuwenden können.“ Während die Anzahl der Gottesdienste in den fünf Gemeinden reduziert wurde, kooperieren die Kirchgemeinderäte Dangels Einschätzung nach sehr gut und die Gottesdienste werden an den wechselnden Orten auch gut besucht.

Und noch eine positive Beobachtung hat der Bürgermeister gemacht. „Während der Kirchenchor in Wilhelmsfeld sich aus Altersgründen vor einem Jahr aufgelöst hat, haben wir heute eine regional stark aufgestellte kirchliche Jugendarbeit, woran vor fünf Jahren noch keiner gedacht hat“, so Dangel, der die Entwicklung ausdrücklich begrüßt. „Ich glaube, die Kirche durchlebt eine ähnliche Entwicklung, wie wir sie an vielen Stellen in unserem Land erleben“, sagt der Bürgermeister weiter. Vieles verändere sich, Altbekanntes und Vertrautes werde aufgegeben und nicht zuletzt fehle das Geld. „Aber man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Und weil das auch keiner macht, entsteht in der Veränderung auch wieder Neues – manchmal an Stellen, mit denen keiner zuvor gerechnet hätte.“

Die Bürger in Wilhelmsfeld erlebten den Transformationsprozess der Kirchengemeinden hautnah mit. „Da ist nicht jeder mit allem einverstanden, da ist, wie mir scheint, auch noch nicht alles fertig gedacht und geplant“, sagt der Bürgermeister. „Aber der Prozess läuft und setzt neue Dynamiken frei.“ Er sei gespannt, wie sich die Kirchengemeinde Steinachtal entwickeln wird. „Ich bin voll Zuversicht, dass sie eine Gute sein wird.“