Zwei Kirchen im Biet sind schon geschlossen
Heinz RichterIn den evangelischen Kirchen in Hohenwart und Schellbronn fanden die letzten Gottesdienste statt
Für Gottesdienste werden in der evangelischen Hoffnungsgemeinde Pforzheim nur noch die Kirchen in Huchenfeld und Würm genutzt. Die Hoffnungsgemeinde umfasst die Pforzheimer Stadtteile Huchenfeld, Hohenwart und Würm sowie den Neuhausener Ortsteil Schellbronn und hat 3.341 Mitglieder.
Für die evangelische Kirche in Würm ist schon ein Ende abzusehen. Der evangelische Stadtkirchenrat hat das bereits entschieden. Da die Kirche das Ortsbild von Würm prägt, ist man auf der Suche nach einer Lösung. In einem Gemeindebrief schreibt Gregor Bergdolt, der Pfarrer im Vertretungsdienst der Hoffnungsgemeinde, dass die großen Veränderungen damit zusammenhängen, dass sich die Mitgliederzahlen der evangelischen Kirche in Baden dramatisch verkleinert haben. Deshalb müssten viele Gebäude aufgegeben werden. Innerhalb der Hoffnungsgemeinde sind das neben den beiden Kirchen in Hohenwart und Schellbronn auch das Gemeindehaus in Würm. „Einen anderen Weg sehen wir für diese drei Gebäude unter Berücksichtigung aller Aspekte nicht“, heißt es in dem Brief.
Für Hohenwart gibt es die Möglichkeit, auch die Kapelle des Forums Hohenwart für Gottesdienste zu nutzen. Verwiesen wird auch auf die katholische Wallfahrtskapelle „Zum heiligen Kreuz“ mitten im Ort. In Schellbronn werden Gespräche mit der katholischen Kirche geführt, um für einzelne Sonntagsgottesdienste die katholische Kirche „Sankt Nikolaus“ zu nutzen. Auch für die weitere Nutzung der Kirche in Würm gibt es Gespräche mit der katholischen Kirche und den Ortschaftsräten. Eine der Ideen: Die Kirche für die Öffentlichkeit nutzen, wenn ein Verein dazu gegründet werden könnte.
In Huchenfeld wurde das Gemeindehaus vor einigen Jahren neu gebaut und die umfangreiche Sanierung der Kirche liegt auch noch nicht lange zurück. Da in absehbarer Zeit kein höherer Investitionsbedarf vorhanden ist, sollen die Huchenfelder Einrichtungen weiter genutzt werden. Aber auch dort werden Gespräche geführt, wie es Pfarrer Bergdolt darstellt, um Kirche und Gemeindehaus der Öffentlichkeit mehr zugänglich zu machen. Gespräche mit der katholischen Kirche und den politischen Amtsträgern laufen.
In Hohenwart hat Ortsvorsteher Siegbert Morlock die Idee entwickelt, die evangelische Kirche als Aussegnungshalle für den Friedhof gegenüber zu nutzen. Das Problem: Die Landesstraße trennt Kirche und Friedhof. Zunächst wurde ein Erwerb vom zuständigen städtischen Dezernat abgelehnt. Ortsvorsteher Morlock hat sich deshalb direkt an Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) gewandt, aber noch keine Antwort erhalten. Wenn Baubürgermeister Tobias Volle (parteilos) in die Dezembersitzung des Ortschaftsrats kommt, soll das ein Thema sein.
Pfarrer Gregor Bergdolt bezeichnet das Ende der Gottesdienste in den beiden Kirchen in Schellbronn und Hohenwart als „tiefen Einschnitt“ und ein öffentliches Zeichen: „Der Wandel in der Gemeinde und Gesellschaft wird für viele sichtbar.“ Für ihn wäre eine gute Lösung, wenn die Kirchen in den Besitz der jeweiligen Kommune übergehen könnten, um dort einen Begegnungsort für die Menschen entstehen zu lassen.
Für die Jesus Christus Kirche in Hohenwart gab es bereits in den 1930er Jahren erste Planungen. Die Kirche sollte eine Filiale der Kirchengemeinde Huchenfeld werden. Nach zweijähriger Bauzeit und viel Engagement wurde die Jesus Christus Kirche am 13. Oktober 1957 eingeweiht. Seit April 2019 ist die evangelische Gemeinde Hohenwart Teil der Hoffnungsgemeinde Huchenfeld und damit Teil der evangelischen Kirchengemeinde Pforzheim.
Die Verklärung-Christi-Kirche in Schellbronn wurde 1966 eingeweiht. Die Orgel wurde 2015 gebraucht gekauft und eingebaut. Die Glocke wurde 2018 generalüberholt.
„Vor der Sommerpause im Juli 2025 löst sich der Ältestenkreis auf“, sagt Gabriele Schellhammer, Vorsitzende des Ältestenkreises. Die Wahlzeit wäre noch ein Jahr länger gegangen. Schellhammer hat Verständnis für die Reform: „Wir haben keine Pfarrer und die Kirchenmitglieder fehlen“. Ab September soll es nur noch ein Gottesdienstangebot sonntags im Kirchenbezirk Pforzheim geben.
Schellhammer berichtet von den zukunftsweisenden Gegebenheiten im evangelischen Kirchenbezirk Pforzheim, die in ganz Deutschland Beachtung finden und schon zu vielen Anfragen und Besuchen anderer Pfarrer und Kirchenbediensteter geführt haben.
Bereits im Dezember 2023 wurde entschieden, dass die neue Struktur im Kirchenbezirk ab 1. September 2025 nach Themenbereichen geordnet wird. Fünf übergeordnete Themen gibt es: Leben gestalten, ins Leben wachsen, Leben feiern, Herausforderungen angehen und Glauben vertiefen.
Dem Kirchenbezirk werden in Zukunft deutlich weniger Pfarrstellen zur Verfügung stehen. So sind für 2026 15 Pfarrstellen inklusive des Dekanats vorgesehen, eine halbe Stelle für den Schuldekan und 1,5 Krankenhauspfarrstellen. Dazu kommen 6,5 Stellen für Diakone, ein Stadtjugendreferent und 2,8 Stellen für Kantore.
Im Bereich der evangelischen Kirche Pforzheim ändert sich für die bisherige Pfarrgemeinde Mühlhausen wenig. Das Wasserschloss bleibt erhalten. Für die Burgkapelle Steinegg und die Tiefenbronner evangelische Kirche sollen Konzepte für eine Nutzung außerhalb der Kirchengemeinde entwickelt werden.
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