Palliativstation am Salem-Krankenhaus wird aufgelöst
Nach Kündigungen fehlt Pflegepersonal für den Betrieb – Doch auch weiterhin werden unheilbar kranke Patienten dort in Kooperation mit dem Uniklinikum versorgt
Von Julia LauerDie Palliativstation am Salem-Krankenhaus steht vor dem Aus. Zum 15. Dezember wird die Station geschlossen, auf der unheilbar kranke Menschen versorgt werden und die die Stadtmission gemeinsam mit dem Uniklinikum betreibt. Damit verliert die Uniklinik ihre Palliativstation, sie hat keine andere im Neuenheimer Feld.
Nach langer Zitterpartie war die Station erst im Sommer mit acht Betten im Salem eingerichtet worden. „Der Betrieb ist nicht mehr möglich, weil wir nicht genügend Pflegekräfte haben“, sagt Karl Heinz Weiss, ärztlicher Direktor des Salem-Krankenhauses, auf Nachfrage der RNZ. Mediziner der Uniklinik werden aber weiterhin schwerkranke Menschen am Salem-Krankenhaus palliativmedizinisch versorgen. Parallel sucht das Uniklinikum nach einer neuen Lösung für die Station.
> Die Vorgeschichte: Bis zum Sommer betrieb das Universitätsklinikum seine Palliativstation am Vincentius-Krankenhaus in der Altstadt mit zehn Betten. Als Vincentius schließen musste, zog die Palliativstation ans Salem-Krankenhaus, an das andere der beiden Krankenhäuser in Trägerschaft der evangelischen Stadtmission. Leiter der Station blieb der Palliativmediziner Prof. Bernd Alt-Epping vom Uniklinikum.
> Was geht verloren? Die Palliativstation besteht als räumliche und personelle Einheit: Acht Betten sind im ersten Stock untergebracht, sie sind fast durchweg belegt. „Idealerweise versorgt man Palliativpatienten gebündelt auf einer Station“, sagt Alt-Epping. Er kümmert sich dort mit einem Pflegeteam, das größtenteils von Vincentius mitkam, um die Patienten. Dieses Team bricht auseinander. „Wir haben nicht genug Pflegekräfte, um eine personell abgeschlossene Einheit zu bilden“, sagt Weiss. „Es ist für uns ein harter Schlag zu sehen, dass wir das nicht stemmen.“
> Was bleibt? Menschen mit unheilbaren Krankheiten werden am Salem-Krankenhaus auch weiterhin palliativmedizinisch betreut – zwar nicht auf einer zusammenhängenden Station, aber dezentral an verschiedenen Stellen im Haus, etwa auf der Inneren Medizin, der Hämatologie oder der Gynäkologie. Das Salem-Krankenhaus will weiterhin Anlaufstelle sein für Patienten, die bisher zu Hause von den mobilen Palliativteams betreut werden und nun mehr Unterstützung brauchen. „Uns ist wichtig, dass das kein Ausstieg aus der Palliativmedizin ist“, sagt Weiss. Alt-Epping werde auch weiterhin die Palliativmedizin am Salem-Krankenhaus vertreten.
> Was bedeutet das für die Kapazität? Die Betten der Palliativstation fallen künftig als feste Größe weg: Sind sie anderweitig belegt, ist kein Platz. In Heidelberg verfügen ansonsten die Thorax-Klinik und das Bethanien-Krankenhaus über Palliativstationen, außerdem gibt es das Hospiz Louise. Alt-Epping hat jedoch vor, mit seinem Oberarzt an verschiedenen Stellen im Salem-Krankenhaus Menschen palliativmedizinisch zu betreuen – und das könnten dann theoretisch auch 20, 30 Patienten sein. „Wenn man versucht, an der Situation etwas Gutes zu erkennen, ist das, dass hier keine Zahl vorgegeben ist“, sagt Alt-Epping. Schwerkranke Patienten würden so mit Hilfe der Uniklinik substanziell versorgt und unterstützt – eine Leistung, für die das Krankenhaus bei den Kassen auch mehr Geld abrechnen könne.
> Was bedeutet das für die Qualität? Mit dem Einzug von Alt-Epping habe sich das Niveau der palliativmedizinischen Versorgung am Salem-Krankenhaus verbessert, betont Weiss. Mitarbeiter sorgen sich aber um die künftige Versorgung. „Die Arbeit auf einer Palliativstation machen vor allem die Pflegekräfte. Sie sind diejenigen, die auch mal länger am Bett eines Patienten sitzen“, sagt eine Beschäftigte des Salem-Krankenhauses, die anonym bleiben will. „Die Pflegekräfte mit Palliativ-Weiterbildung haben fast alle gekündigt.“
> Warum fehlt Personal? In der Branche herrscht Fachkräftemangel. „Die Vincentius-Pflegekräfte sind zum Teil nicht lange geblieben. Das konnten wir mit neuem Personal nicht ausreichend kompensieren“, erklärt Weiss den Engpass. Warum ist es nicht gelungen, das Team zu halten? „Die Rahmenbedingungen am Salem-Krankenhaus sind aus Sicht der Pflegekräfte nicht gut. Dazu kommt eine Traurigkeit über das, was mit Sankt Vincentius verloren ist“, sagt Alt-Epping.
Neun Pflegekräfte von Vincentius zogen mit an die Palliativstation des Salem-Krankenhauses; sieben von ihnen haben gekündigt, wie vonseiten der Mitarbeiter zu hören ist. Die Integration der neuen Abteilung am Salem-Krankenhaus ist offenbar nicht gut gelungen. „Die Räumlichkeiten passen nicht, es fehlt an Möglichkeiten, gute Arbeit zu machen. Am Salem-Krankenhaus ist zum Beispiel keine Musiktherapie möglich“, sagt die Beschäftigte. „Wenn man die Kollegen anschaut, sieht man nur traurige Gesichter.“
> Wie geht es weiter? Weiss hofft, doch noch Fachpersonal für die Station zu finden. „Ziel ist, sie räumlich und personell zusammenhängend wiederzueröffnen“, sagt er. Und auch Alt-Epping will sich mit der Situation nicht zufriedengeben: „Ich arbeite mit Hochdruck an Plan C“, sagt er.