rnz.de (Rhein-Neckar-Zeitung), 21.11.2024

 

Pfarrer versteht "roten Punkt" für Edinger Kirche nicht

Edingen-Neckarhausen. "

Die Lutherkirche in Neckrhausen wird dagegen weiter gefördert. Edda Nieber

Ein trauriger Tag für die evangelischen Christen in Edingen-Neckarhausen." So fasst es Bernd Kreissig, evangelischer Pfarrer aus Edingen, zusammen. Vergangenen Freitag erhielten die evangelischen Kirchengemeinden Edingen und Neckarhausen vom Bezirkskirchenrat die Nachricht, welches Gotteshaus als grün eingestuft wurde und damit weiterhin von der Badischen Landeskirche bezuschusst wird: die Lutherkirche in Neckarhausen. Die Edinger Kirche hingegen erhielt einen roten Punkt und wird nicht weiter gefördert.

Mit dem Ergebnis habe er nicht gerechnet, gibt Kreissig im Gespräch mit der RNZ zu: "Aus meiner Sicht ist die Faktenlage eigentlich mehr als eindeutig, deshalb hatten der Gemeinderat und ich eine Entscheidung zu Gunsten der Edinger Kirche erwartet".
Die Trauer, die bei der Verkündung in der Gemeindeversammlung allgegenwärtig gewesen war, habe auch vor ihm nicht Halt gemacht.

Die Entscheidung sei nicht mehr anfechtbar, stellt Kreissig fest, und doch gebe es bei ihm und dem Kirchengemeinderat Edingen ein großes Fragezeichen, weil es ihnen nicht gelinge, nachvollziehbare Gründe zu erkennen, warum es so ausgegangen ist.

Als geschäftsführender Pfarrer Neckarhausens wolle er sagen, wie unendlich dankbar und erleichtert die Gemeinde sei, dass "ihre mit so viel Einsatz und Herzblut erkämpfte Geschichte der Lutherkirche nicht hier am roten Punkt zu einem Ende gekommen ist". Als Edinger Pfarrer betont er, dass es nicht ersichtlich sei, warum der grüne Punkt nach Neckarhausen und nicht nach Edingen vergeben wurde.

Durch den Strategieprozess und dadurch, dass die Edinger Kirchengemeinde schon vor Jahren ein Liegenschaftsprojekt umgesetzt und sich von zahlreichen Gebäuden getrennt habe, sei ein Ungleichgewicht entstanden. Nehme man die zwei rot eingestuften Gebäude heraus, verfüge Neckarhausen mit rund 1450 Quadratmetern über vier Mal so viel Gebäudefläche wie die deutlich größere Gemeinde in Edingen. "Auch Aspekte wie der ortsbildprägende Charakter der weithin sichtbaren Edinger Kirche und ihr Denkmalschutz waren keine Argumente für ihren Erhalt", bedauert Kreissig.

"Schön findet die Entscheidung niemand. Und keiner will dem anderen schaden", betont er. "Beide Ortsteile haben für ihre Kirche gekämpft". Sich für eine der beiden Kirchen entscheiden zu müssen, findet Kreissig nicht nachvollziehbar, ebenso wie die Begründungen des Bezirkskirchenrats.

Dieser habe immer wieder verdeutlich, man dürfe nicht mehr in Dimensionen der Ortsgemeinden, sondern in Kooperationsräumen denken. Ob diese geplanten Räume auch funktionierten, sei jedoch noch nicht erwiesen.

Besonders wenig Verständnis habe er dafür, dass die Lösung, mit der beiden Ortsteile hätten leben können, nämlich die grünen Punkte an die Kirchen zu vergeben, von den Entscheidungsträgern ausgeschlossen wurde. Diese Idee entstand, nachdem der Bezirkskirchenrat im vergangenen Jahr an die Gemeinden in der Region herangetreten war mit einem Entwurf, der vorsah, sowohl das Edinger Gemeindehaus, als auch die Edinger Kirche als grün einzustufen. Das hieße auch, dass Gemeindehaus und Kirche in Neckarhausen einen roten Punkt bekommen hätten.

Die fünf Kirchengemeinden der Region – Ilvesheim, Heddesheim, Ladenburg, Neckarhausen und Edingen – hatten daraufhin einen Brief geschrieben, in dem stand, dass es nicht gut sei, wenn es in Neckarhausen keinen kirchlichen Ort mehr gibt. Der Vorschlag: die beiden Gemeindehäuser als rot einzustufen und stattdessen zwei grüne Kirchen zu bekommen.

"Wir hätten unser Gemeindehaus dafür zur Disposition gestellt. Denn das geistliche Zentrum der Gemeinden ist nun mal die Kirche", so der Pfarrer. Dagegen habe jedoch eine Regelung der Landeskirche gesprochen, die vorgibt, dass neue Gebäude, wie das im vergangenen Jahr eingeweihte Gemeindehaus in Edingen, keinen roten Punkt bekommen dürfen.

Es sei bedauerlich, dass die "verträglichste Lösung" nicht zulässig sei und die Regeln von Menschen gesetzt würden, die weit weg sind und die Lage vor Ort nicht kennen, findet Kreissig. "Wenn wir nicht alles halten können, dann ist die Kirche das wichtigere Gebäude", habe es in beiden Ortsteilen geheißen. Dass das Gemeindehaus in Neckarhausen einen roten Punkt bekommt, habe schon relativ früh festgestanden.

Wichtig ist Kreissig auch zu betonen, dass ein roter Punkt zwar bedeutet, dass das Gebäude keine Zuschüsse mehr bekommt, aber gleichzeitig nicht heißt, dass es baldmöglichst geschlossen wird. Das gelte sowohl für das Gemeindehaus in Neckarhausen als auch für die Edinger Kirche. Umgekehrt bedeute ein grüner Punkt nicht unendlichen Geldregen, sondern die Gebäude "auf einfachstem Standard zu erhalten".

Kreissig fühlt sich mitverantwortlich dafür, dass die deutlich stärkeren Gründe für den Erhalt der Edinger Kirche nicht an den Bezirkskirchenrat vermittelt werden konnten und sagt mit Blick auf die Zukunft dazu: "Ich muss mich dem Umstand stellen, die Gründe nicht erfolgreich kommuniziert zu haben." Welche Konsequenzen das für ihn habe, darüber denke er im Moment nach.