Protestanten begrüßen neuen Pfarrer
Michael Wurster übernimmt Luthergemeinde Er wechselt von Engen nach Gottmadingen VON ELMAR VEESER SINGEN.REDAKTION@SUEDKURIER.DEGottmadingen – Dass eben auch ein Pfarrer nur Mensch sei, hat Gottmadingens neuer evangelischer Pfarrer der Luthergemeinde zu seinem Start bekundet. Zwar sei der Wechsel von Engen nach Gottmadingen für Michael Wurster keine Weltreise, aber dennoch gelte es auch für den Geistlichen ganz pragmatisch zunächst herauszufinden, wo sich Supermarkt, Bäcker oder auch die nächstgelegene Tankstelle befinden. „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“, zitierte Wurster einen Gedanken des Literaten Hermann Hesse, um gleich mit dem ersten Nebensatz Lacher zu ernten, als er sich fragte: „Stimmt das auch nach der US-Wahl?“
Er beschrieb seine Gefühlslage, einerseits die Neugier und Vorfreude auf die kommenden seelsorgerischen Aufgaben, andererseits auch die unterschwelligen Ängste vor dem Unbekannten, denn nicht immer sei der Mut größer als die Angst. Doch die Gewissheit, dass Gott an seiner Seite sei, ihn leite, gebe ihm die Kraft, Gottes Wort zu verkünden. Und damit könne er den Menschen Mut zusprechen, ihnen Trost spenden und zukünftig pragmatische, gangbare Wege zusammen mit dem Kirchengemeinderat zum Wohle Gottmadingens aufzeigen und zu beschreiten. Gemeinsam wolle man die Ziele für die evangelische Kirchengemeinde erreichen, aufrichtig, mit Leidenschaft und Intensität.
Dass dies gelingen dürfte, machten viele Wegbegleiter beim Festgottesdienst zur Amtseinführung in der Lutherkirche deutlich. Aus den Händen von Dekan Markus Weimer erhielt Wurster die Berufungsurkunde. Beim anschließenden Empfang wünschten ihm die Anwesenden eine glückliche Hand und Gottes Segen. Wobei die Erleichterung spürbar war, dass nach längerer Vakanz die Pfarrstelle mit einem Mann besetzt wird, den man nach dessen 14-jährigem seelsorgerischem Dienst in Engen kennt und schätzt – so beispielsweise Pfarrer Michael Weber, der für die evangelischen Kirchengemeinden in Hilzingen und Tengen zuständig ist. Wenn es darum gehe, etwas Neues anzupacken, sei Pfarrer Michael Wurster genau der Richtige. Posaunenchor, Vokalensemble und der Pop- und Gospelchor untermalten den Festgottesdienst musikalisch. Hebelschul-Konrektorin Anja Jedelhauser berichtete bereits von ersten Erfahrungen der Grundschüler. Die Kinder würden ihn mögen, „weil er auch mal Quatsch macht und wie ein Bär lachen kann“. Claudia Hänsler von der katholischen Seelsorgeeinheit überreichte Pfarrer Wurster eine Grünpflanze, die hoffentlich so wachse und gedeihe, wie sie es für die zukünftige Zusammenarbeit erhoffe.
Und Martina Stockburger von der Freien Evangelischen Gemeinde Gottmadingen hatte einen Gutschein fürs Café Horizont zum gemeinsamen Plausch vor Ort dabei. Kirchengemeinderatsvorsitzender Andreas Christ begrüßte die vielen Gläubigen, bevor Dekan Weimer der evangelischen Gemeinde ihren neuen Pfarrer näher vorstellte: Humorvoll sei er, und die Mutter habe sein Leben geprägt. Weimer beschrieb ihn als passionierten Hobbygärtner und temperamentvollen Autofahrer. Der Glaube habe sein Dasein geprägt, seit dem Theologiestudium habe er eine Leidenschaft für Kirchengeschichte und Dogmatik entwickelt.
Michael Wurster sei ein nahbarer Pfarrer, wie er in den vergangenen 14 Jahren in Engen bewiesen habe, und ein leidenschaftlicher Prediger. Seinen besonderen Draht zur Jugend habe er seit 2014 in seiner Funktion als Bezirksjugendpfarrer immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Kirche sei im Umbruch, und wichtige Reformprozesse stünden an, so der Dekan. In der Gesellschaft sei eine Verhärtung und Polarisierung der Meinungen festzustellen. Doch die Nähe zu Christus gebe Mut, neue Wege zu gehen. Er wünsche Pfarrer Wurster eine glückliche Hand und Gottes Segen.
„Dass die Pfarrstelle nach längerer Vakanz nun wieder gut und kraftvoll besetzt ist, erleichtert uns in Gottmadingen.“
Michael Klinger, Bürgermeister
Pfarrer und Dogmatik
Dogmatiker werden eher als Person angesehen, die sich stur weigern, von bestimmten Grundsätzen abzulassen. Das Fach Dogmatik im kirchlichen Sinne reflektiert laut dem Theologen Horst Georg Pöhlmann hingegen die Inhalte des christlichen Glaubens in seinen biblischen Bezeugungen und geschichtlichen Ausprägungen und reflektiert diese in der Gegenwart. (ev)
![]() |
![]() |