Ein besonderes Geschenk
Pfarrer Jochen Kunath von der Evangelischen Akademie Baden und Jürgen Mäder, Vorstand Edeka Südwest, waren bei einem Gesprächsabend auf den Spuren der Hoffnung in schwierigen Zeiten. VON BARBARA PUPPEOffenburg. Kriege, Klimawandel, Umweltkatastrophen, Wirtschaftskrise, Inflation, der politische Rechtsruck – wenn gesellschaftliche Ängste und Unsicherheiten zunehmen, schwinden leicht Hoffnung und Zuversicht. Die Initiatoren des Evangelischen Bezirkskantorats Offenburg und der Evangelischen Akademie Baden in Kooperation mit dem Künstlerkreis Ortenau hatten sich vorgenommen, die Hoffnung zu stärken. Unter dem Motto „Was mir Hoffnung macht“ moderierte Jochen Kunath, Leiter Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Baden, das Gespräch mit Jürgen Mäder, Vorstand von Edeka Südwest. Dazu erklangen Töne des Friedens von Kirchenmusikdirektor Traugott Fünfgeld.
Für kirchliche Veranstaltungen eher außergewöhnlich, aber sehr anregend war die Location: Die Galerie im Artforum mit der aktuellen Ausstellung der drei Förderpreisträgerinnen „Kunst und Kultur Offenburg“, Julla Kroner, Hojeong Lee und Janika Kungl. Mit diesem neuen Format will der Kunstverein seine Galerie in der Okenstraße zusätzlich für Gruppen und Veranstaltungen öffnen.
Hoffnung sei ein besonderes Geschenk, sagte Kunath einleitend. Er zitierte Immanuel Kant, der einst erklärt hatte, neben Schlaf und Lachen gehöre Hoffnung zu den drei Dingen, die helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen. Im deutlichen Rechtsruck in der Gesellschaft drücke sich die Hoffnungslosigkeit aus. Sie bringe Menschen dazu, schnelle und fundamentalistische Antworten zu suchen. Hoffen heiße sich ausrichten auf etwas, was über den Alltag hinausgeht, sei die Vision vom guten Leben, die man bewahre, ohne sich irre machen zu lassen vom Negativen. Für ihn als Christ sei Gott die Quelle der Hoffnung, so Kunath. Mutig davon zu erzählen, dass Liebe entscheidend ist und nicht Hass, das könne ermutigen zur Hoffnung. Wichtig sei ihm gewesen, mit Jürgen Mäder jemanden aus der Wirtschaft einzuladen, um zu erfahren, wie er die Hoffnung behalte für sich und seine Mitarbeiter.
Dass Jürgen Mäder, Vorstand von Edeka Südwest, einem der größten Arbeitgeber im Südwesten, mit Leib und Seele Teil der Edeka-Familie ist, war sofort deutlich. Zunächst Polizeibeamter, entschied er sich dann für den Beruf des Fleischers, die Meisterprüfung Betriebswirt im Handwerk folgte, schließlich wurde er Chef bei Edeka.
Glaube immer Thema
Im Rückblick auch auf schwierige Zeiten könne er über 30 Jahre Arbeit im Handel sagen, dass Hoffnung und Glaube für ihn immer Themen gewesen seien, die auch im Unternehmen ein Stück weit platziert werden konnten. Edeka engagiere sich stark im sozialen Bereich, unter anderem wird in diesem Jahr die Aktion „Unsere Orgel öffnet Herzen“ zur Renovierung der Steinmeyer-Orgel der evangelischen Stadtkirche unterstützt.
In eine gläubige Familie hineingeboren, sei er selbst diesbezüglich nicht streng erzogen worden, habe aber immer gespürt, dass eine Kraft da sei. „Ich beende jede harte Arbeitswoche mit einem stillen Gebet“, verriet er. Auch stünde am Ende von Vorträgen des von ihm angeregten Edeka-Ethikrates oft das Zitat von Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ Ein großes Vorbild sei Albert Schweitzer, dessen Bild und Zitate in seinem Büro hingen. Er habe versucht, Dinge immer positiv zu sehen, obwohl er oft Angst gehabt habe in seinem beruflichen Leben. Und er wolle keinen Hehl daraus machen, dass er im Gebet und im Glauben viel Hoffnung generiert habe. Das kommuniziere er insbesondere auch an junge Mitarbeiter. „Die finden das cool und zeigen mir, dass eine gewisse Empfänglichkeit für das Thema da ist.“
Mit einer Zusammenfassung von Friedensliedern aus Palästina, Israel, dem Lied einer syrischen Sängerin und einem vertonten Text von Martin Luther, umrahmte Kirchenmusikdirektor Traugott Fünfgeld den Abend am E-Piano. Das Musikstück zum Schluss, „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ verwies noch einmal auf die Hoffnung als stärkste Kraft im Leben.
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