BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Karlsruhe, 19.11.2024

 

Schöpf-Aus hat Folgen für die Innenstadt

Wolfgang Voigt

Experten rechnen mit Umbau und Öffnung der denkmalgeschützten Immobilie zum Marktplatz

Karlsruhe. Erst einige Stunden, bevor das Diakonische Werk die Öffentlichkeit per Pressemitteilung über die nahende Schließung des Modehauses Schöpf informiert hatte, war auch die Stadtverwaltung ins Bild gesetzt worden. Das berichtet das städtische Presse- und Informationsamt auf Nachfrage.

Bis zuletzt ging man demnach im Rathaus davon aus, dass das Modehaus Schöpf auch über den anstehenden Umbau der Traditionsimmobilie an der Ostseite des Marktplatzes hinaus Bestand haben würde. Die frühere Inhaberin des Modehauses, Melitta Büchner-Schöpf, hatte die Diakonie als Alleinerbin eingesetzt.

Für weite Teile der Öffentlichkeit kam die Ankündigung der Schließung überraschend; dagegen hatten Handels- und Innenstadt-Kenner die Situation des Modehauses schon länger als prekär eingeschätzt. Meist ging man jedoch davon aus, dass sich das Geschäft würde halten lassen, wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht.

Als der evangelische Wohlfahrtsverband im Dezember vor drei Jahren den Nachlass von Melitta Büchner-Schöpf antrat, teilte Diakonie-Direktor Wolfgang Stoll mit, man werde sich Gedanken machen, in welcher Form das Modehaus in die Zukunft starte. Man wolle seinen Beitrag leisten, um der prominenten Lage der Immobilie am Marktplatz gerecht zu werden. Jetzt folgte für das Modehaus das Aus.

In der Zwischenzeit hatte es hinter den Kulissen vielfältige Überlegungen zum Modehaus und seiner möglichen Zukunft gegeben. So organisierte die Diakonie vorübergehend einen sogenannten Pop-up-Store ihres Second-Hand-Ladens „Déjà-vu“, es gab die nicht weiter verfolgte Idee, das Café Böckeler als Magnet dort unterzubringen, und letztlich reduzierte sich die Verkaufsfläche nurmehr aufs Parterre.

Auch die Zahl der Mitarbeitenden schnurrte zusammen – von rund 40 in früheren guten Zeiten auf zuletzt nur noch eine Handvoll. Ihnen obliegt jetzt der Abverkauf der noch verbliebenen Ware.

Über Jahrzehnte hatte sich das Modehaus einen Namen für sein Sortiment gemacht: Festliche Bekleidung für Bälle und Familienfeste wie Hochzeit, Kommunion und Konfirmation nebst individueller Beratung und persönlichem Service – dafür stand der Name Carl Schöpf. Aus weitem Umkreis kamen die Kunden; das Alleinstellungsmerkmal des Modehauses ist nun Geschichte.

Als die Diakonie das Erbe antrat, zeigte sich OB Frank Mentrup (SPD) darüber erfreut. Das Stadtoberhaupt sprach von einer sehr guten und verantwortungsvollen Lösung, „um die Arbeitsplätze der Bediensteten und den Standort des Modehauses Carl Schöpf weiterzuentwickeln“.

Nach der Nachricht des Endes spricht das Rathaus von einem „Verlust für die Karlsruher Innenstadt“. Inhabergeführte Geschäfte seien wichtige Bausteine eines attraktiven und unverwechselbaren innerstädtischen Nutzungsmixes. Inwieweit sich das Aus abgezeichnet hat, kann im Rathaus niemand sagen: „Die Stadt Karlsruhe hatte zu keinem Zeitpunkt Einblicke in die Geschäftsführung des Modehauses.“

Die Diakonie will „erhebliche finanzielle Investitionen“ in das Modehaus getätigt haben. Doch die „Belastungen durch strukturelle Versäumnisse der Vergangenheit“ seien zu groß gewesen. Auf weitergehende Nachfragen dieser Redaktion gab die Diakonie keine Antworten.

Handelskenner gehen davon aus, dass die unter Denkmalschutz stehende Weinbrenner-Immobilie in den kommenden zwei bis drei Jahren erst einmal leer steht und umgestaltet wird. Möglicherweise auch länger. Entkernung, Schadstoffsanierung, Umbau und Erneuerung der Bautechnik sind mögliche Themen.

Nach Einschätzung von Experten wird die West-Fassade im Parterre baulich zum Marktplatz hin geöffnet. Dies würde unter anderem eine gastronomische Nutzung möglich machen.

Eine interessante und qualitätvolle Gastronomie im Erdgeschoss des Hauses, gern auch um die Ecke Richtung der östlichen Kaiserstraße, wäre etwa aus Sicht von Quartiersmanager Dirk Siebels wünschenswert. Sie brächte eine Belebung bis in die Abendstunden, und die täte dem Marktplatz-Karree gut.

Als weitere Nutzung der Schlüsselimmobilie kann sich Siebels Einzelhandel mit Themen wie Einrichtung oder Design gut vorstellen. Geschäfte also, die eine echte Zielkundschaft ansprächen. Textil eher nicht.

Begrüßenswert wäre zudem die Etablierung eines Wochen- respektive Genussmarkts auf dem Marktplatz. „Das würde für eine Grundfrequenz an Kunden sorgen“, sagt der Experte.

Unabhängig von der künftigen Nutzung – der Name Schöpf wird auch nach dem Aus für das Modehaus wahrscheinlich noch lange im Bewusstsein vieler Karlsruher bleiben. Er könne sich vorstellen, sagt Quartiersmanager Siebels, dass man die Immobilie künftig „Carl-Schöpf-Haus“ nennt.