Kirche kommt zu den Menschen
Hansjörg EbertIm Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal nimmt ein Segensteam die Arbeit auf und will Mutmacher an den Schnittstellen des Lebens sein
Der Segen nimmt im kirchlichen Portfolio eine zentrale Rolle ein. Am Ende eines jeden Gottesdienstes steht der Segen, und auch bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen spielt der Zuspruch von Gottes Nähe und Beistand für evangelische Christinnen und Christen eine wichtige Rolle. Im evangelischen Kirchenbezirk Bretten Bruchsal hat sich vor geraumer Zeit ein Segensteam auf den Weg gemacht, das Angebot des Segens auch an anderen Schnittstellen des Lebens und außerhalb der Kirchenräume zu machen.
Der Kirchenbezirk hat dafür zwei halbe Stellen geschaffen. Beim Gottesdienst zu Beginn der Bezirkssynode in der Brettener Stiftskirche sind Pfarrerin Antje Pollack aus Karlsdorf und Sabrina Holzer aus Unteröwisheim in diese neue Aufgabe eingeführt worden. „Ich habe als Gemeindepfarrerin erlebt, dass Menschen an den Schnittstellen ihres Lebens auf irgendeine Weise Ausschau halten und sich öffnen“, beschreibt Gemeindepfarrerin Antje Pollack ihre Motivation für die neue Aufgabe. Und genau da will sie als Seelsorgerin allen Menschen Hilfe und Unterstützung durch den Segen bieten.
Seit August lebt die 57-jährige Theologin mit ihrem Mann in Karlsdorf, er arbeitet als Gefängnisseelsorger in der JVA Bruchsal. Die drei Kinder befinden sich bereits im Studium. Antje Pollack möchte, dass der Segen Gottes für Menschen auch außerhalb kirchlicher Räume spürbar und erfahrbar wird. Dass sie den Zuspruch hören: „Dein Leben steht unter einem guten Stern!“
Sabrina Holzer aus Unteröwisheim hat lange Jahre für ein großes Industrieunternehmen im Bereich Marketing gearbeitet und ist seit vielen Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit ihrer Gemeinde engagiert. „Jeder Mensch ist empfänglich für ein gutes Wort und den Zuspruch, dass er nicht alleine ist“, erklärt die Mutter zweier Töchter, die im Musikverein Tenorsaxofon spielt und wie ihre neue Kollegin von der neuen Aufgabe überaus begeistert ist.
Wie genau die Arbeit des Segensteams laufen soll, wird gerade entwickelt. Zunächst besuchen Pollack und Holzer die Dienstgruppen im Bezirk und tragen zusammen, welche Segensangebote es bereits gibt und was ergänzt werden kann. Im Blick sind dabei beispielsweise Angebote zur Verlobung, bei Eintritt in die Rente, aber auch bei anstehenden Trennungen und anderen Lebenskrisen. „Das Anliegen dabei ist, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und individuelle Momente des Zuspruchs und der Ermutigung zu schaffen“, sagt Sabrina Holzer. Denkbar sind über individuelle Segnungen hinaus auch besondere Events, etwa Hochzeiten an besonderen Orten oder Tauffeste auf Kinderspielplätzen oder am Baggersee.
Als zentrale Anlaufstelle wird im Pfarramt der Luthergemeinde in der Bruchsaler Luisenstraße ein „Segensbüro“ mit eigener E-Mail-Adresse eingerichtet. Im Andachtsraum der gegenüberliegenden Lutherkirche könnten auch spontane Segnungen erfolgen. „Solche Segensbüros gibt es übrigens bereits bundesweit, etwa in Hamburg oder Berlin, wir haben das nicht erfunden“, erklärt Pollack. An diesen Vorbildern wolle man sich orientieren und dann ein Profil für die eigene Arbeit entwickeln.
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