Denkmal von regionaler Bedeutung
Alexander WernerIm September fiel der Startschuss für die auf ein Jahr konzipierte Bauphase zur umfassenden Außensanierung der Evangelischen Kirche in Eggenstein. Die Vorbereitungen mit ersten Gutachten, Schadenssondierungen, Förderanträgen, Planungen und Instandsetzungskonzept beanspruchten bis dahin einige Jahre. Die ersten Arbeiten betrafen nun Schadstoffsanierungen im Dachraum. Als das Gerüst stand, folgten weitere Untersuchungen mit einer Schadenskartierung.
Im Endeffekt ergab sich ein größeres Ausmaß an Schäden, was noch umfangreichere Arbeiten erforderlich macht. Damit kletterte das ursprünglich veranschlagte Kostenvolumen von 610.000 Euro auf jetzt über 1,2 Millionen Euro. Rund die Hälfte davon beanspruchen die Dachdecker- und Zimmererarbeiten. „Im Zuge der Instandsetzung der aktuell massiven Schäden an Konstruktionshölzern der mittelalterlichen Dächer von Turm, Chor und Landhaus sind Neueindeckungen sowie die Sanierung der kompletten Außenfassade geplant“, erklärt Architekt Dirk Schmidtke.
Ziel bei der Dachsanierung sei der maximale Erhalt historischer Substanz, betont er. Das habe Probleme bei der bereits zweimal erfolglosen Ausschreibung der beiden in einer Hand zu vergebenden Gewerke bedingt. Er ist jetzt allerdings zuversichtlich, dass es im dritten Anlauf gelingt, die Gewerke an ein Unternehmen mit den nötigen spezifischen Fachkenntnissen zu vergeben und im Februar mit den Dacharbeiten zu beginnen.
Die Pfarrkirche ist ein historisches Kleinod und zählt zu den ältesten Gotteshäusern der Region. Der Name des unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmals „St. Vitus und Modestus“ verweist auf vorreformatorische Zeiten. Der Kirchturm westlich des Langhauses wurde um 1480, der Chor im Osten um 1500 einbezüglich von Teilen der 1160 erstmals urkundlich erwähnten Vorgängerkirche erbaut.
Das Langhaus wurde beim Umbau 1781 in barockem Stil erweitert. Nach der Innenrenovierung 2004 erfolgte 1984 eine Außensanierung. Die vergangenen 40 Jahre hinterließen ihre Spuren an Putz, Natursteinen und Dachgebälk. „Die Dächer wurde nach Sturmschäden immer mal wieder ausgebessert. Zurückliegend beobachteten wir etwa Risse am Turm“, berichtet der bei der Kirchengemeinde tätige Jens Bernotat, der bei dem Vorhaben als Fachbetreuer agiert.
Gemeindepfarrerin Andrea Schweizer ist die Sanierung des Gotteshauses ein ganz besonderes Anliegen. „Die Eggensteiner Kirche ist ein wertvolles regionales Wahrzeichen für alle Evangelischen und Christen. Im Ort bietet sie den Menschen seit Jahrhunderten die Möglichkeit, Gott zu begegnen, Gemeinschaft zu erleben und zu gestalten“, hebt sie hervor. Das Gotteshaus verbinde viele Menschen.
Es werde vielfältig genutzt auch von Vereinen, die zum Erhalt beitragen würden. Es sei sehr wichtig, dass das beeindruckende Kulturdenkmal in seinem Aussehen und seinem Ansehen erhalten bleibe. Dafür wolle man auch eine große Summe in die Hand nehmen, betont die Pfarrerin. Die kirchengemeindliche Arbeit werde darüber in keiner Weise eingeschränkt. Die Kirchengemeinde bestreite ihren Anteil über die regelmäßigen gebäudegebundenen Rücklagen sowie über Darlehen und Spenden.
Grundsätzlich trägt die Evangelische Landeskirche in Baden 50 Prozent der Kosten. „Wir arbeiten bei dem Projekt sehr gut mit der Landeskirche zusammen“, streicht Andrea Schweizer heraus. Kirchlich unabhängige Förderungen ergeben sich über Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), Landes- und Bundesförderprogramme. Die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen hatte einen Zuschuss von 87.500 Euro bewilligt und unlängst zusätzlich 14.600 Euro für die Instandsetzung der Kirchenuhr.
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