Rücktritt und Fortbestand
Nach dem Zerwürfnis innerhalb der Bergkirche Schönau tritt der Kirchengemeinderat geschlossen zurück. Pfarrerin Christine Würzberg entscheidet sich indes zu bleiben.
Schönau
In der evangelischen Kirchengemeinde Schönau gibt es seit Monaten Unruhe. Wie berichtet, gab es Unstimmigkeiten zwischen Pfarrerin Christine Würzberg und dem Kirchengemeinderat der Bergkirche Schönau. Dieser ist nun am Sonntag geschlossen zurückgetreten. Die Pfarrerin zeigt sich überrascht ob dieser Entscheidung, macht aber am Mittwoch im Gespräch mit der BZ deutlich: Sie möchte Pfarrerin in Schönau bleiben – und hofft nun auf einen Neustart.
Ende Oktober noch hatte Würzberg gegenüber der BZ gesagt, dass sie in Schönau nicht weiterarbeiten möchte. Die öffentliche Konfliktaustragung und das Zerwürfnis mit dem Kirchengemeinderat habe sie viel Kraft gekostet. Sie überlegte, in den Schuldienst zurückkehren, wo sie bereits entsprechende Angebote hatte. Ein Gespräch mit der Kirchenleitung in Karlsruhe am Dienstag habe sie dann überzeugt: „Ich bleibe Pfarrerin in Schönau“, sagte sie am Mittwochmorgen auf BZ-Anfrage. Es sei „ein gutes Gespräch in angenehmer Atmosphäre“ in Karlsruhe gewesen, sie spüre den Rückhalt der Kirchenleitung, aber auch von der Gemeinde, was ihr wieder Energie und Motivation gebe.
In jüngster Zeit habe sie einige Veranstaltungen absagen müssen, „weil ich nicht die Energie hatte“, so Würzberg. Diese sollen nun nachgeholt werden. Etwa der Punk-Rock-Gottesdienst. Würzberg, die seit Herbst 2021 Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinden Schönau und Todtnau ist, ist bekannt für innovative Gottesdienstformate. „Ich hoffe, dass ich bald wieder 120 Prozent geben kann.“ Vom Rücktritt des Kirchengemeinderats der Bergkirche Schönau sei sie überrascht: „Damit hatte ich nicht gerechnet.“
Der Kirchengemeinderat begründet seine Entscheidung wie folgt: „Um die Gemeinde vor weiterem Schaden zu bewahren, die Strukturentwicklungen nicht zu verzögern, und um eine weitere öffentliche Austragung der Konflikte zu vermeiden, treten wir schweren Herzens zurück“, heißt es in einem Schreiben, das am Montag an Nachbargemeinden und Pfarrpersonen verschickt wurde. Die Zusammenarbeit mit Pfarrerin Würzberg habe sich „nach den anfänglich positiven Erfahrungen als zunehmend schwierig gestaltet“. Es sei leider nicht gelungen, in Krisensitzungen – intern oder mit Hilfe der Dekanin –, die Konflikte aufzuarbeiten.
In dem Schreiben kommt abermals der Konflikt mit den Gästen der niederländischen protestantischen Kirche zur Sprache, die im vergangenen Sommer in Schönau zu Besuch waren. Dieser Vorfall scheint das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben – auf beiden Seiten. Der holländischen Reisegruppe hatte Pfarrerin Würzberg im Sommer die Nutzung der Bergkirche verweigert, indem sie von ihrem Kanzelrecht Gebrauch machte. Ihren Recherchen nach handele es sich bei dieser Gruppe um einen „intoleranten, konservativen Zweig, der Rechte von Homosexuellen ablehnt sowie die Todesstrafe befürwortet, gegen die Emanzipation der Frauen wettert und einen Gottesstaat anstrebt“.
„Einiges konnten wir mit der Pfarrerin klären, das mit den Holländern nicht – da sind wir komplett anderer Meinung“, betont Kirchengemeinderatsvorsitzender Ronald Kaminsky auf BZ-Anfrage. Die Gruppe komme bereits seit 2007 regelmäßig nach Schönau. „Und jetzt auf einmal ist sie nicht mehr gewünscht“, so Kaminsky. Er empfinde den Schritt der Pfarrerin als „Ausgrenzung“. Sowohl der Reiseleiter, als auch die Prediger seien Mitglieder der „Protestantse Kerk in Nederland“, mit der die badische Landeskirche eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft pflege. Kaminsky habe den Vorfall zur Klärung an den Oberkirchenrat nach Karlsruhe weitergeleitet.
Und wie geht es nun in der Bergkirche weiter? Der Kirchengemeinderat wird seinen Dienst über die Weihnachtstage bis zum 12. Januar 2025 weiter ausüben. Am 12. Januar 2025 wird Dekanin Bärbel Schäfer die zurückgetretenen Mitglieder in einem Gottesdienst verabschieden. „Danach werde ich Menschen aus dem Bezirkskirchenrat beauftragen, zusammen mit Pfarrer Rathgeber die Gemeinde zu leiten“, schreibt Dekanin Schäfer auf BZ-Anfrage. Bereits Anfang Oktober hatte Schäfer verkündet, dass der Kirchengemeinderat nicht mehr von Würzberg, sondern fortan von Pfarrer Martin Rathgeber geleitet werden soll, der zum 1. November die evangelische Gemeinde in Zell übernommen hat. Pfarrerin Würzberg sei in Schönau weiterhin für Gottesdienste, Beerdigungen und den Konfirmanden-Unterricht zuständig. Mit einer Suspendierung – wie es öffentlich genannt wurde – habe dies nichts zu tun. An dieser Aufteilung werde sich auch nach dem Rücktritt des Schönauer Kirchengemeinderats nichts ändern, so Schäfer.Sarah Trinler
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