Alternativen zum Krieg als Konfliktlöser aufzeigen
„Erzähl mir vom Frieden“ ist das Motto der bundesweiten Ökumenischen Friedensdekade vom 10. bis 20. November. Auch in Offenburg wollen die Veranstalter Alternativen zum Krieg als Konfliktlösung aufzeigen.
OFFENBURG
Die Initiatoren haben nicht die Illusion, die Weltpolitik ändern zu können. „Wir sind uns der begrenzten Wirkmöglichkeiten bewusst, manchmal deswegen verzagt, aber dann kommt die Nachfrage: Ihr macht doch wieder was?“, erzählt Ernst Rattinger von der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK) Mittelbaden. „Ich will meinem Enkel einmal sagen können, dass wir es wenigstens versucht haben“, fügt Wolfgang Eberhardt, ebenfalls DFG-VK, hinzu. Mehr als 200 Interessierte hätten 2023 die Veranstaltungen besucht. Das Motto der Friedensbewegung der 1980er Jahre, „Frieden schaffen ohne Waffen“, habe nicht ausgedient. Es gehe darum, Alternativen zum Krieg als Konfliktlösung und die Entwicklung dahin aufzuzeigen und „friedenstüchtig“ zu werden, wie der ehemalige evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh formuliert hat.
Seit 40 Jahren engagiert sich die Ökumenische Friedensdekade für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Auch in Offenburg hat die sogenannte Friedenswoche eine lange Geschichte. Nach einer längeren Pause hat Eberhardt sie neu installiert. In diesem Jahr findet die Friedenswoche zum fünften Mal statt unter der Mitwirkung der Auferstehungsgemeinde, der evangelischen Stadtkirchengemeinde, der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde, der deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK) Mittelbaden, des Arbeitskreises Interreligiöser Dialog, der Evangelischen Erwachsenenbildung, des Katholischen Bildungszentrums und der VHS Offenburg. Die Friedenswoche ist laut Rattinger ein geeignetes Forum für Gespräch und Diskussion von Mensch zu Mensch, etwas, was in der Gesellschaft allmählich zu verschwinden drohe.
Peter Michael Kuhn engagiert sich im Vorstand der katholischen Friedensbewegung Pax Christi in der Erzdiözese Freiburg. Die konfliktreiche Situation in Israel und Palästina ist seit Jahren sein Thema. Seit dem Gaza-Krieg sei in Deutschland der Diskurs über Israel-Palästina ins Stocken geraten, wie er bedauert. Die Situation sei vergiftet, kritische Stimmen zum Vorgehen der israelischen Regierung fände man kaum noch. Im Vortrag „Was ist Antisemitismus – und was hat die Politik des Staates Israel damit zu tun?“ gehe es um Versachlichung der Diskussion. Wie Pfarrerin Claudia Roloff von der Evangelischen Erwachsenenbildung ergänzt, sei die Evangelische Landeskirche in Baden seit einigen Jahren auf einem sogenannten Dialogweg Israel-Palästina unterwegs. Die verschiedenen Dialogformate ermöglichten ökumenische Begegnungen, Diskussionen, Vorträge, Studienreisen sowie Austauschbesuche. Angesprochen werden sollen Menschen, die auf der Suche nach Lösungen sind.
So erzählt etwa das Filmgespräch „Die Bildkriegerin“, von einer Fotojournalistin, die mit ihren Bildern dazu beitragen will, Kriege zu beenden. 2014 wird sie in Afghanistan selber Opfer eines Anschlages. Beim Vortrag mit Gespräch zum Thema „Frieden? Sichern! Anleitung zur Belebung pazifistischen Denkens“ mit dem Autor Heinz Klippert kann man sich austauschen. Die Friedenswoche sei auch ein Format um junge Leute anzusprechen, so fände im schulischen Kontext an der Freien Waldorfschule ein Workshop zum Thema statt. Die ganze Woche über ist die Ausstellung „Friedensmenschen“ im Katholischen Zentrum St. Fidelis zu sehen. Menschen unter anderem aus Polen, Bosnien und der Ukraine erzählen von ihrem Einsatz für den Frieden aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt Clemens Bühler, Leiter des Bildungszentrums, vor.
Die einzelnen Programmpunkte stehe in der Infobox nebenan. Die Flyer zu allen Veranstaltungen liegen in den Kirchen, im Weltladen Regentropfen und in öffentlichen Einrichtungen aus.
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