Pforzheimer Kurier, 11.11.2024

 

Stadtsynode setzt auf fünf Themenkreise

Jürgen Peche

So soll der Kirchenbezirk Pforzheim künftig aussehen / Prozess soll Ende 2025 abgeschlossen sein

Angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen wird die Evangelische Kirche mit weniger Personal, weniger Gebäuden und weniger Finanzmitteln auskommen müssen. Darauf reagiert auch die badische Landeskirche mit einem Strategieprozess. So suchen seit rund zwei Jahren die Stadtsynode und der evangelische Kirchenbezirk Pforzheim mit der „ekiba 2032“ nach Lösungen, um die Zukunft der Kirche zu gestalten.

Wesentlicher Teil der Verschlankung ist der Wegfall der Kirchengemeinden und in der Folge eine neue Struktur der Leitung und der Verteilung der Aufgaben im Kirchenbezirk. So werden an die Stelle der Kirchengemeinden neue Themenkreise treten, die von Pfarrern und Ehrenamtlichen besetzt sind und die sich auch gegenüber Nicht-Kirchenmitgliedern öffnen werden.

In dem langen und komplexen Prozess der Umstellung, der bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein soll, befasste sich die Stadtsynode in ihrer Sitzung am Freitagabend vor allem mit dem Bedarf an geänderten rechtlichen Regelungen für die neue Struktur. Dazu hatten der Vorsitzende der Stadtsynode, Dietrich Pilz, und Dekanin Christiane Quincke aus der Rechtsabteilung der Landeskirche Kai Tröger-Methling in den Gemeindesaal der Eutinger Kirchengemeinde eingeladen.

Der bezeichnete die bisher geleistete Vorarbeit zur Neuorganisation als „Modell Pforzheim“, mit der Aussicht, in die neue Kirchenverfassung der Landeskirche Eingang zu finden. Durch die Ablösung der bisherigen amtlich-körperschaftlichen Struktur der Kirche durch eine themenzentrierte Haltung gelinge es, dass Menschen direkter und einfacher Kirche mitgestalten können, ist Tröger-Methling überzeugt.

Der Kirchenjurist lieferte Denkanstöße für den Aufbau der neuen Leitungsgremien, die im Wesentlichen aus der Stadtsynode, dem Stadtkirchenrat und den Leitungsteams der Themenkreise bestehen. Die Themengruppen haben dann Mitwirkende vor Ort und eine Vollversammlung. Darüber hinaus gibt es örtliche Beauftragte im Wohnumfeld als Ansprechpartner. Geregelt werden muss in der Übergangszeit die Zuordnung des Kirchenpersonals aus den dann aufgelösten Gemeinden durch einen Personalausschuss, dem unter anderem die Dekanin, ihr Stellvertreter und ehrenamtliche Mitarbeiter angehören sollen.

Im Dezember noch soll der Stadtkirchenrat den Beschluss zur Aufhebung der Gemeinden fassen, dann die neue Struktur ab 1. September 2025 in Kraft treten und nach einer Erprobungszeit zum 31. Dezember 2025 die Kirchengemeinden aufgehoben werden. Bis dahin steht auch das Feld von bislang fünf Themenkreisen: „Leben feiern“, „Glauben vertiefen“, „Herausforderungen angehen“, „Ins Leben wachsen“ und „Leben gestalten“.

Anstelle der Gemeinden treten als Anlaufstelle die örtlichen Beauftragten, bei denen etwa Fragen zu Taufe, Trauung und Beerdigungen angebracht werden können. Zur Absprache dieser besonderen Gottesdienste wird eine Telefonsprechstunde und eine Homepage im Internet eingerichtet.

Im ersten Schritt werden zunächst Beerdigungen neu organisiert, für die ein Pool von Pfarrern jeweils an bestimmten Tagen bereitstehen und dazu einen digitalen Kalender führen. Für Notfälle wie etwa eine gewünschte Sterbebegleitung soll eine Erreichbarkeit rund um die Uhr geschaffen und auch für diese oder andere Krisensituationen ein Wunschpfarrer für eine kontinuierliche Begleitung ausgesucht werden können.