bnn.de (BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN), 04.11.2024

 

Junge Talente präsentieren in Bretten selbstgeschriebene Titel

Konzerte zeitgleich in Bretten und in Straßburg: Beim „Europe Spirit Songwriting“ geht es um Kooperation, nicht um Wettbewerb. Hansjörg Ebert

Ein Hauch von European Song Contest liegt in der Brettener Stiftskirche in der Luft. Musiker aus ganz unterschiedlichen Ländern und Regionen präsentieren stimmungsvolle Songs zu nachdenklichen Themen. Die Moderation wechselt ständig die Sprache, die Technik springt von einem Übertragungsort zum anderen. Und doch ist der Konzertabend eine runde Sache, die das Publikum nicht nur am Ende mit lang anhaltendem Beifall belohnt.

Konzertabend in Brettener Stiftskirche

Nur diesmal geht es ganz und gar nicht um Punkte und nicht ums Gewinnen. „Das ist kein Wettbewerb, es gibt keine Jury und keine Sessel mit Promis, die sich umdrehen“, bekundet Gunter Hauser, der den Konzertabend in Bretten moderiert. Hauser, im Hauptberuf lange Jahre Beauftragter für Flucht und Migration im evangelischen Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal, stellt an diesem Abend sein zweites Lebensstandbein vor: die Liebe zur Musik und deren verbindende Kraft.

Hauser ist Mitinitiator und Impulsgeber des Projekts „Europe Spirit Songwriting“, dessen Früchte das Publikum erleben kann: Junge Musikerinnen und Musiker präsentieren selbst geschriebene Songs in einem hybriden Konzert, das in Bretten und Straßburg zeitgleich läuft und mit Liveübertragungen verbunden ist.

Lieder sind bei Seminar entstanden

Die Lieder sind im Sommer bei einem Songwriter-Seminar entstanden, das Hauser zusammen mit seinem musikalischen Partner Paul Douglas aus Birmingham seit mehr als 20 Jahren anbietet. Die Idee: Junge Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Ländern und kulturellen Milieus treffen sich ohne Konkurrenzdruck zu einem Kreativ-Workshop, arbeiten zusammen und inspirieren sich gegenseitig. Die Songs, die entstehen, werden aufgenommen, professionell gemischt und gemastert und im Internet und bei Konzerten gespielt. Wie jetzt in Bretten.

Die Brettener Schülerin Carla Ligotino macht mit ihrer kräftigen, klaren Stimme und ihrem gefühlvollen Lovesong „September“ den Anfang. Sie wird auch mit Peppino, in dessen Pizzeria in Dürrenbüchig vor Jahrzehnten die Idee zu diesem Musikprojekt geboren wurde, mit einem imposanten Duett den Schlusspunkt eines stimmungsvollen Abends setzen.

150 Gäste bei Konzert in Bretten

Rund 150 Besucher sind gekommen und werden vom Brettener Oberbürgermeister Nico Morast freundlich begrüßt. Gunter Hauser setzt dies vielsprachig für die zugeschalteten Partner und Freunde aus Frankreich, England, der Schweiz, Italien und weiteren europäischen Ländern fort.

Übertragungstechnik hakt nur kurz

Nur kurz hakt die Übertragungstechnik, bis dann auch der Ton zur Eingangsmelodie „la musica“ zu vernehmen ist. Ab dann geht es reibungslos durch den Abend. So vielfältig die Musiker und ihre Stile, so unterschiedlich die Inhalte, die allerdings als roten Faden das Thema „Dialog“ haben.

Lionel Perrin, fingerfertiger Gitarrist aus Lyon, führt diesen Dialog zunächst mit seiner Gitarre und dann mit sich selbst. Beeindruckend, wie er widerstreitende Gedanken und Gefühle mit schwindelerregenden Akkordfolgen zum Ausdruck bringt.

Serge Kuhm, im echten Leben Buchautor und Bankangestellter, erzählt im klassischen Chansonstil die Geschichte eines obdachlosen Mädchens aus Straßburg. Und auch die Kinder aus Kalkutta liegen dem Liedermacher schwer auf dem Herzen. Ivo Hrnjkas, Student aus Pforzheim, beschreibt in seinem Song das schwierige Gespräch mit alten Freunden, die sich in eine schräge Richtung entwickeln.

Unterstützt wird er von einer kleinen Combo, die das auch mit schrägen Klängen gut zum Ausdruck bringen: Noah Gerlach aus Straubenhardt am Schlagzeug, Luca Wölk aus Straubenhardt am Bass und Gregor von Keudell aus Gaggenau am Flügel, der später auch eigene Lieder spielt, sorgen im Verlauf des Abends für den musikalischen Background. Mit dabei ist auch das musikalische Multitalent Ujjol Teichmann, der einen virtuosen Dialog mit seiner Violine pflegt

Aus Birmingham werden zwei Titel von Rory Douglas eingespielt, ein „Gute-Laune-Song“ vom Eintauchen in die Stadt und ein Lied, das unterstreicht, wie wichtig das ehrliche Gespräch in einer Beziehung ist. Für gute Laune sorgt auch die charmante Liedermacherin Isabelle, die den Abend im Centre Culturel St. Thomas in Straßburg abwechselnd in Französisch, Deutsch und Elsässisch moderiert. Mit einem fröhlichen elsässischen Lied animiert sie die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Mitsingen.

Mit einem „Friedenslied“ bringt Michael Princip aus Stettfeld das Publikum zum Nachdenken. „Lovely words make a better day“ – liebevolle Worte machen den Tag besser – so lautet seine Botschaft.

Bei einer Japanreise war Philipp Doerner aus Ubstadt von einer elf Meter hohen Buddha-Statue so beeindruckt, dass er ein Lied zum interreligiösen Dialog geschrieben hat. Der Song „Tocho-ji“ nimmt das Publikum mit Querflöte, dunklen Trommeln und fernöstlichen Klangfolgen mit auf eine besondere musikalische Reise.