Carsten Klomp ist neuer Bezirkskantor
Gottesdienst: Am Reformationstag ist der Wertheimer in der Stiftskirche unter Applaus eingeführt worden
WERTHEIM. Einen besonderen Reformationsgottesdienst haben Besucher aus Nah und Fern am Freitagabend in der voll besetzten Wertheimer Stiftskirche erlebt. Dabei wurde Kirchenmusikdirektor Carsten Klomp in sein Amt als Bezirkskantor des Kirchenbezirks Wertheim eingeführt.
Besonders war der fast zweistündige Gottesdienst in mehrfacher Hinsicht: Die Predigt oblag Dekanin Wibke Klomp. Der stellvertretende Dekan, der Wenkheimer Pfarrer Oliver C. Habiger, übernahm die Amtseinführung. Als Vertrauenspfarrer für Kirchenmusik war auch der Kembacher Pfarrer Bernhard Ziegler dabei.
Auf Rensch-Orgel gespielt
Mit einer gehörigen Portion Musik kamen der Bezirksbläserchor unter der Leitung von Frank Wolz, Stiftschor und Jugendchor zum Einsatz. Abwechselnd mit Carsten Klomp spielte Organist Gerhard Maier von der katholischen Kirche Sankt Venantius auf der Rensch-Orgel.
Martin Luther war nicht nur als Statue im festlich geschmückten Altarraum zugegen: »Ein feste Burg ist unser Gott« ließ der Bläserchor instrumental und zusammen mit dem Chor erklingen. Wibke Klomp erinnerte eingangs an den Anschlag der Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg vor über 500 Jahren, der am 31. Oktober gefeiert wird.
»Im besten Sinne befangen«
Bei der Vorstellung des neuen Bezirkskantors wies Oliver C. Habiger daraufhin, dass die Dekanin ja im besten Sinne »befangen« sei und er deshalb die Einführung vornehme. Unter dem Applaus der Anwesenden betonte er, dass ja nur der Titel »neu« sei. Wibke Klomp sei seit 2020 Dekanin des Kirchenbezirks, seitdem lebe die Familie in Wertheim und seitdem sei Carsten Klomp nicht nur musikalisch auch in Wertheim aktiv.
In einem von Habiger durchaus witzig gestalteten Interview bestand der gebürtige Westfale Klomp den anhand des Badner-Lieds durchgeführten Badner-Test. Die Entscheidung über die zu singenden Lieder falle nicht daheim im Boxring, aber er würde einschreiten, wenn es gar nicht passe, verriet Klomp. »Ich kann machen, was ich will«, sagte er auf die Frage worauf er sich besonders freue. Solange es kein Weihnachtsoratorium zu Ostern sei, schob er nach.
Die Besucher erfuhren auch Persönliches über den Wertheimer Bezirkskantor: In seiner Freizeit liest er gerne - etwa Geschichtsträchtiges und Science Fiction, was dann doch erstaunte.
Pfarrer Bernhard Ziegler erinnerte in seiner Einführungsrede an Hermann Hesse, der bei Orgelmusik »Sehnsucht und rauschende Hingabe« empfunden habe und wünschte »viele Erfahrungen mit dem Wunderbaren«.
Gemeinsam etwas wagen
Mit den Worten »Ja, mit Gottes Hilfe« bestätigte der neue Bezirkskantor die Amtsübertragung. In ihrer Predigt betonte Wibke Klomp, dass »Ein feste Burg« zusammen zu singen für sie ein Stück Identität sei. »Da weiß man, wo man wurzelt.« Zwanzigminütige, verkopfte Predigten seien out. Luther habe dem Volk »aufs Maul« geschaut. Für sie bedeute das, gemeinsam etwas zu wagen, auch im Blick auf die anderen Konfessionen.
In ihren Grußworten brachten Martina Wenzel, Stefan Blido, Wolfram Spott und Erwin Röhrig ein herzliches Willkommen, Wertschätzung und Freude über den »Glücksfall Klomp« zum Ausdruck. Dieser zeigte sich bei seinen Schluss- und Dankesworten »bewegt und berührt«. Zwei Wünsche seien jedenfalls schon in Erfüllung gegangen: er könne nun zu Fuß zur Arbeit gehen und seine Frau wollte schon immer mal seine Chefin sein. Humor hat der neue Bezirkskantor also auch.