Wertheimer Zeitung, 31.10.2024

 

»Kirche soll positiven Einfluss nehmen«

Evangelische Gemeinde: Pfarrerin Sophia Weber will gesellschaftliches Leben in Wertheim aktiv mitgestalten

WERTHEIM. Sophia Weber ist es wichtig, die Zukunft der Kirche und ihren Einsatz für die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Die Pfarrerin ist vor allem für Bestenheid und Grünenwört zuständig, ist aber auch Teil des Teams, das für die gesamte evangelische Kirchengemeinde Wertheim verantwortlich ist. Am 13. Oktober wurde sie offiziell in ihr Amt eingeführt. Die 32-Jährige stammt aus Schwabhausen bei Boxberg. »Ich war schon immer in der Kirche engagiert«, berichtet sie aus ihrer Jugendzeit.

Sie habe in ihrer Heimatgemeinde unter anderem Jugendgottesdienste organisiert und in der Konfirmandenarbeit mitgewirkt. Eine weitere ihrer Leidenschaften ist die Musik. In der Oberstufe habe sie überlegt, Blockflöte zu studieren. »Aber ich kann gut reden, und die Kirche war neben der Musik mein größtes Engagement«, sagt sie. So habe sich dann Theologie herauskristallisiert. Nach dem Abitur am Gymnasium in Bad Mergentheim absolvierte Sophia Weber ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland, in Indonesien. Dort arbeitete sie in einer evangelisch-reformierten Gemeinde von niederländischen Missionaren für Kirchengemeinde, Schule und Kindergarten.

Ein Jahr in Jerusalem

Ihr Theologie-Studium begann Weber in Tübingen, weitere Stationen waren ein Jahr Jerusalem, ein Jahr Greifswald an der Ostsee und 2,5 Jahre Heidelberg. 2020 legte sie ihr kirchliches Examen beim Oberkirchenrat Karlsruhe ab. Ihr anschließende Vikariatszeit verbrachte die Schwabhausenerin in Dertingen, Dietenhan und Kembach. »Ich wollte Richtung Heimat, aber nicht direkt in meinen Heimatkirchenbezirk«, erzählt sie.

Nach dem zweiten kirchlichen Examen begann Sophia Weber den »Probedienst« in ihrer jetzigen Gemeinde. Diese wird den angehenden Pfarrern von der Landeskirche zugeordnet. Ihr Wunsch sei dabei aber berücksichtigt worden, berichtet Weber. In dieser Zeit war die Seelsorgerin bereits an der Neustrukturierung in der Kirchengemeinde Wertheim beteiligt und hielt Gottesdienste an vielen Orten der Kirchengemeinde, zu der auch Freudenberg gehört. Außerdem war sie für die Konfirmanden der gesamten Kirchengemeinde zuständig.

Nach dem Ende des Probedienstes wurde sie gefragt, ob sie bleiben möchte. Auch der Ältestenkreis sprach sich dafür aus. Sophia Weber entschied, das Angebot anzunehmen. »Im Studium bin ich alle ein bis zwei Jahre umgezogen«, erzählt sie. »Jetzt möchte ich bleiben und Fuß fassen.« In den zwei Jahren in der Gemeinde habe sie bereits viel kennenlernen dürfen. Sie habe Beziehungen knüpfen können und sei mit offenen Armen empfangen worden. Deswegen fühlt sie sich wohl in Wertheim.

Corona-Pandemie prägend

Die insgesamt vier Jahre dort seien eine besondere Zeit gewesen, in der sie viel gelernt habe, meint Weber. Stark geprägt gewesen seien diese Jahre von der Corona-Pandemie, deren Ausbruch in etwa mit dem Beginn ihres Vikariats zusammenfiel. Die Zeit ihres Beginns in Bestenheid 2022 hat Sophia Weber als besondere Phase wahrgenommen. »Alle wollten wieder voll durchstarten, es gab aber noch immer diese angezogene Handbremse«, erinnert sie sich.

Gleichzeitig habe es in dieser Zeit Veränderungen in der Struktur der Gemeinde gegeben. »Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich gerne begeistern lassen«, freut sie sich. Sehr gut im Gedächtnis blieben ihr beispielsweise die lange Nacht rund um das Reformationsfest und das Pop-Up-Trauercafé am Waldfriedhof in Bestenheid, bei dem sie spontan mit den Menschen ins Gespräch kam. Auch die Taufgottesdienste am Mondfelder See waren etwas Besonderes für Sophia Weber: «Es ist schön, dass es immer wieder Leute gibt, die solche Ideen mittragen.« In diesem Zusammenhang erwähnt sie auch das neue Geburtstagscafé, zu dem die Kirchengemeinde Wertheim alle Menschen ab 75 Jahren aus ihrem Gebiet einlädt, die im jeweiligen Monat Geburtstag haben.

Sophia Weber hat ein großes Aufgabenspektrum: Sie hält Gottesdienste, macht religionspädagogische Angebote in den evangelischen Kindergärten Bestenheid und Grünenwört, unterrichtet Religion in den Grundschulen Bestenheid und Nassig, ist für die Konfirmanden zuständig, feiert Kindergottesdienste, Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten. Ganz neu hat sie die Leitung des Kinderchors der Stiftskirche übernommen. »Die Arbeit mit Kindern und Familien gehört zu meinen Lieblingsaufgaben«, sagt die Pfarrerin. »Ich singe auch super gerne.« Auch Gremiumsarbeit gehört zu den Aufgaben der 32-Jährigen, und nun kommen auch Verwaltungsaufgaben dazu.

Vielfältige Erwartungen

Zu den Herausforderungen des Berufs zählt sie die vielfältigen Erwartungen, die an sie herangetragen werden. Da seien beispielsweise die langen und verdienten Kirchenmitglieder, die jeden Sonntag einen Gottesdienst erwarten, und auf der anderen Seite Leute, die besondere Formate mögen. Das alles müsse man unter einen Hut bringen.

Die evangelische Kirche verzeichnet bundesweit schon seit Jahren ein Problem mit der Besetzung von Pfarrerstellen. Als Gründe nennt Sophia Weber aus ihrer Sicht die lange Ausbildungszeit und ein sehr theorielastiges Studium, in dem die Studierenden neben vielem anderen gleich drei alte Sprachen lernen müssen: Latein, Griechisch und Hebräisch. Zudem hätten Pfarrer keine geregelten Arbeitszeiten, seien ständig ansprechbar und auch ein Stück weit öffentliche Personen. »Und generell begeistern sich weniger Menschen für Gott und Kirche«, sagt sie.

Weiter zusammenwachsen

Für die Zukunft in ihrer Gemeinde wünscht sich die 32-Jährige, dass diese die Schritte weitergeht, die sie in den letzten zwei Jahren begonnen hat und als Kirchengemeinde Wertheim weiter zusammenwächst. Weber möchte gemeinsam mit anderen Gläubigen neue Ideen entwickeln, die für die Stadt gut sind. Die Kirchengemeinde wolle sich auch stärker in die städtische Gemeinde einbringen. »Kirche soll einen positiven Einfluss nehmen«, wünscht sie sich. »Wir wollen Verbindung sein, Brücken bauen und einen Ort schaffen, wo sich alle wohlfühlen.« Bearbeitung: bal