Rhein-Neckar-Zeitung - Heidelberger Nachrichten, 31.10.2024

 

Kirche sollte mehr für die Jugend tun

Zukunft der Kirche: Debatte in evangelischer Gemeinde

Amir Murati

Sandhausen. (amir) Unter der Frage „Die Kirche sollte doch mal...“ wurde in Sandhausen über die gegenwärtige Rolle der evangelischen Kirche diskutiert. Die Kirche steht vor ernsthaften Herausforderungen, dessen sie sich auch bewusst ist. Es fällt ihr zunehmend schwer, mit der Zeit Schritt zu halten und die junge Generation zu erreichen. Wie passt die Tradition der evangelischen Kirche noch in die moderne Welt?

Um den gegenwärtigen Entwicklungen zu begegnen, lud die evangelische Kirchengemeinde in Sandhausen zu einer öffentlichen Diskussion ein: „Was sollte die Kirche mal?“ war die zentrale Frage des Abends. Eingeladen waren Menschen aller Konfessionen und jeden Alters – neun Teilnehmer erschienen.

Wie kann man also mehr Menschen erreichen? Klar war den Teilnehmenden, dass sie Grenzen aufheben, den Kontakt zwischen den Menschen stärken und Vernetzungen mit anderen Konfessionen ausbauen wollen.

Das leuchtende Vorbild für diese Richtung stellt das Café Licht dar, ein nicht profitorientiertes Café in der Südstadt, das als freier Begegnungsort dient. Es ist unverbindlich und offen und soll deswegen auch Menschen erreichen können, die der Kirche bisher nie nahe standen.

Jedoch könnte diese Offenheit die Kirche entfremden. Der Rückgang an Bibelstunden wurde von einem älteren Teilnehmer bemängelt, der den Verlust traditioneller Angebote als problematisch empfand.

Da stellte sich die Frage, wie offen und unverbindlich Veranstaltungen gestaltet werden sollten, bevor sie gar nichts mehr mit der Kirche zu tun haben. Sollte man nicht versuchen, gerade diese engen Gemeinschaft zu betonen, die die Kirche zu bieten hat?

Besonders die Jugendlichen und jungen Erwachsenen scheinen in dieser Diskussion zu kurz zu kommen. Zwar wurde am Tisch erkannt, dass diese Gruppe oft unter Einsamkeit leidet und Halt braucht, doch konkrete Ansätze, um ihnen zu helfen, blieben aus.

Die Initiatoren räumten ein, in der Vergangenheit wenig Konkretes unternommen zu haben, um junge Menschen anzusprechen. Es deutet also alles darauf hin, dass die Kirche offenbar nicht in der Lage ist, auf die Fragen und Herausforderungen einzugehen, die für die heutige Jugend nun mal besonders relevant sind.

Vieles wurde am Tisch vorgeschlagen und diskutiert, doch konkrete Maßnahmen wurden nicht beschlossen. So bleibt die Richtung, welche die evangelische Kirche für die Zukunft einschlagen will, weiterhin unbestimmt.

Eine weitere Sitzung wurde für daher für Montag, 4. November, um 18.30 Uhr im Wichernhaus in Sandhausen angesetzt.

Jeder, der über die zukünftige Richtung der Kirche mit diskutieren möchte, ist herzlich dazu eingeladen.