Badische Zeitung Lörrach, Weil am Rhein, 31.10.2024

 

Die Zusammenarbeit wird intensiver

Die ersten Schritte hin zum Kooperationsraum Dreiland sind gemacht. Trotz aller Einsparungen will die evangelische Kirche verlässliche Ansprechpartner für alle Mitglieder bieten.

Weil am Rhein
Über die Zukunft der Kirchengemeinde Weil am Rhein, vor allem die Nutzung der verschiedenen Gebäude, ist noch nicht abschließend entschieden. Aber in einem ist sich Pfarrer Michael Hoffmann sicher: „ Wir werden die Präsenz auch in Friedlingen aufrechterhalten“.

Allerdings macht er eine gewichtige Einschränkung: Die Kirche müsse nämlich auch nachgefragt sein. Die Gemeindemitglieder müssten von sich aus signalisieren, dass ihnen die Angebote, etwa auch die in Friedlingen 14-tägig abhaltenden Gottesdienste, wichtig sind. „Doch da gibt es derzeit keinen Anlass zur Sorge“, ergänzt Hoffmann mit Verweis auf die gute Besucherfrequenz.

Hintergrund ist, dass die Landeskirche bei der Bewertung ihrer Gebäude die Friedlinger Kirche rot markiert hat. Das bedeutet, dass die Kirchengemeinde beim Unterhalt nicht mehr weiter mit Zuschüssen der Landeskirche rechnen kann und damit notwendige Sanierungen aus eigenen Mitteln bestreiten muss. Dies gilt auch für die Gemeinderäume die sich unter der Kirche befinden. Das ehemalige Gemeindehaus und das Pfarrhaus sind bekanntlich längst anderweitig genutzt.

Sich auf die uneingeschränkte Unterstützung der Landeskirche verlassen kann sich in Weil am Rhein nur die YChurch, das umgebaute Gemeindezentrum der früheren Johannesgemeinde. Die dort etablierte Jugendkirche, die in Zusammenarbeit mit dem CVJM vor fünf Jahren aufgebaut wurde, gilt als modellhaft. Das beachtliche Interesse an der moderneren Form der Gottesdienstgestaltung und des Zusammenwirkens macht sich etwa darin bemerkbar, dass die YChurch einen großen Teil des Konfirmandenunterrichts abdeckt – für evangelische Christen aus allen Stadtteilen.
Denn darin hat sich die künftige Zusammenarbeit im Kooperationsraum Dreiland, zu dem neben den Weiler Kirchengemeinden auch die aus Haltingen, Ötlingen, Märkt-Eimeldingen sowie Binzen und Rümmingen gehören, bereits niedergeschlagen. Die früher klar räumlich getrennte Zuordnung zu einer Gemeinde ist aufgehoben. Die Mitglieder können sich frei zwischen den verschiedenen Angeboten entscheiden. Viele ehemalige Mitglieder der Johannesgemeinde, die eher traditionelle Gottesdienste wollen, hätten davon Gebrauch gemacht und fühlten sich heute in Altweil oder eben in Friedlingen gut aufgenommen.

Die Altweiler Kirche mit dem Gemeindehaus, in dem sich auch das zentrale Pfarramt für die gesamte Kirchengemeinde befindet, ist nach dem Ampelmodell der Landeskirche mit gelb gekennzeichnet. Allerdings, so rückt Hoffmann zurecht, stelle das nichts in Frage. Die Farbe gelb habe in Altweil eher strategische Bedeutung, „weil wir sonst kein Geld für die anderen Kirchen hätten“.

Solche Überlegungen, die die Grenzen der früheren Pfarreien zu überschreiten, seien auch das Markenzeichen der Zusammenarbeit im künftigen Kooperationsbereich. „Wir machen viel mehr Dingen gemeinsam, als das noch vor Jahren der Fall war“, schildert Hoffmann die Entwicklung. Greifbar für die Gemeindemitglieder werde das etwa dann, wenn an besonderen Feiertagen Gottesdienste nicht mehr in jeder Gemeinde angeboten werden, sondern man übergreifende Veranstaltungen plane. Die hätten dann eine entsprechend größere Außenwirkung.
Bei allen Einsparungen und den damit zusammenhängenden strukturellen Veränderungen könnten sich die Kirchenmitglieder aber auf eines immer verlassen: Die Kirche vor Ort werde ihnen stets Ansprechpartner für jede Lebenslage sein. Dies bedeute auch, dass man dafür sorgen werde, dass die Personalstärke in der Seelsorge oder bei den Kasualien so groß sein werde, dass man alle Aufgaben erfüllen könne, unterstreicht Hoffmann. Im Unterschied zum Ist-Zustand bedeute die Konzeption des Kooperationsbereichs keine personelle Schwächung, sondern sogar eine Stärkung - aktuell sei nämlich eine halbe Personalstelle zu wenig besetzt. Ulrich Senf