Zwölf neue Fälle
Bad Herrenalb (dpa). Zwölf weitere Betroffene von sexualisierter Gewalt haben sich in diesem Jahr bei der evangelischen Landeskirche in Baden gemeldet. Für die im Januar vorgestellte Studie zu sexualisierter Gewalt und Missbrauch in der evangelischen Kirche hatte die badische Landeskirche 88 Beschuldigte und 178 betroffene Personen anonymisiert gemeldet. „Man kann dieses erlittene Leid nicht entschädigen“, sagte Landesbischöfin Heike Springhart nun am Rande der Herbstsynode in Bad Herrenalb (Landkreis Calw).
Klar sei aber, dass die Anerkennung des Leids auch in finanzieller Form passieren solle. Damit das Vorgehen in den Landeskirchen möglichst einheitlich sei, werde derzeit ein Vorschlag für eine Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) diskutiert, sagte sie. Die Landeskirchen sollten diese nach der Verabschiedung übernehmen und umsetzen.
Missbrauchsbetroffene melden sich bei Landeskirche
Die beiden Landeskirchen in Baden und der Pfalz sowie die Diakonischen Werke planen eine gemeinsame Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission. Diese solle im Frühjahr starten, sagte Bernd Lange von der Stabsstelle Schutz vor sexualisierter Gewalt. Ende September hatten sich Betroffene in Mannheim mit Kirchenvertretern getroffen. Aus ihrem Kreis sollen laut Lange Ende Januar zwei Menschen für die Kommission bestimmt werden.
Landesbischöfin Springhart sprach von einer „Dauerbaustelle“. Es gehe zum Beispiel um betroffenensensible Sprache und den Umgang mit dem Thema im Schulunterricht Und wenn nach den Kirchenwahlen Ende 2025 die neuen Kirchenältesten feststehen, müssen diese laut Lange ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, in dem kinderschutzrelevante Verurteilungen erfasst werden. Zudem würden sie zum Thema sexualisierte Gewalt und den Umgang damit geschult.