Missbrauchsopfer aus Löffingen wendet sich an Kirche
Ein ehemaliger Organist soll im Rheinland Minderjährige missbraucht haben. Die evangelische Landeskirche Baden sucht auch in der Region Freiburg Betroffene und Zeitzeugen. Zwei Personen haben sich jetzt gemeldet.
Region Freiburg
Im September wurden Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Kirchenmusiker D.L. in der Region bekannt. Der bereits Verstorbene soll im Rheinland zwei Minderjährige in der evangelischen Luther-Kirchengemeinde in Düsseldorf in den 1960er- und 1970er-Jahren sexuell missbraucht haben. Außerdem soll er wegen sexualisierter Gewalt an Schulkindern in den frühen 1960er Jahren vorbestraft gewesen sein.
Die evangelische Landeskirche in Baden hatte im September mögliche Betroffene und Zeitzeugen aufgerufen, sich zu melden. Dabei legte sie ein besonderes Augenmerk auf Löffingen im Hochschwarzwald und Bickensohl, Ortsteil von Vogtsburg im Kaiserstuhl. Denn in den dortigen Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald war der Mann, der Orgel gespielt hat, tätig: Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre nebenamtlich in der Kirchengemeinde Löffingen, von 1997 bis 2012 ehrenamtlich als Organist in der Kirchengemeinde Bickensohl.
Nun habe sich eine von sexualisierter Gewalt betroffene Person aus Löffingen gemeldet, erklärt Stefan Herholz, Pressesprecher der Landeskirche auf BZ-Anfrage. Außerdem habe sich auch eine Zeitzeugin aufgrund des Aufrufs an die Kirche gewendet. Diese sei nicht selbst von Missbrauch betroffen, könne aber etwas zu der betreffenden Zeit sagen. „Wir wollen ein möglichst umfassendes Bild bekommen“, so Herholz. Daher sei es genauso wichtig, dass sich Zeitzeugen melden, wie auch tatsächlich Betroffene.
Weiterhin ruft die Landeskirche daher dazu auf, dass sich mögliche weitere Betroffene und Zeitzeugen bei der landeskirchlichen Ansprechstelle melden. Die Gespräche mit der Ansprechstelle sind vertraulich, die Mitarbeitenden sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
„Das Interventionsteam der Evangelischen Landeskirche in Baden hat seine Recherche zu den Vorfällen in den Archiven der Evangelischen Landeskirche und der Gemeinde noch einmal intensiviert und darüber hinaus das Gespräch mit Zeitzeugen gesucht“, heißt es in der Mitteilung der Landeskirche. Dafür stehe seit Anfang Oktober eine zusätzliche neue Mitarbeiterin zur Verfügung, die sich auf die Recherche und Aufarbeitung fokussiere.Sophia Ungerland und Sophia Hesser Die Ansprechstelle der Landeskirche ist unter ansprechstelle@ekiba.de oder 0721 9175 626 erreichbar.