Südkurier Bad Säckingen, 24.10.2024

 

Schmuckanhänger als Honorar

Pfarrfrau Namensgeberin für neue Vortragsreihe Wibrandis Rosenblatt spielt in Reformation Rolle Sabine Waßmer kreiert für Referentinnen Unikate

VON MICHAEL GOTTSTEIN

Bad Säckingen – Bad Säckingen ist der Geburtsort von Wibrandis Rosenblatt, die in der Geschichte der Reformation eine bedeutende Rolle gespielt hat. Nach ihr wird eine Vortragsreihe benannt, in der die evangelische Gemeinde neue und innovative theologische Ansätze würdigen wird. Um die Referentinnen zu entlohnen und gleichzeitig an eine der ersten Pfarrfrauen zu erinnern, hat die Bad Säckinger Goldschmiedemeisterin Sabine Waßmer ein silbernes Rosenblatt kreiert.

„Unsere Gemeinde ist in den Kirchenbezirk Hochrhein eingebunden, aber jede Gemeinde darf ihr eigenes Profil entwickeln“, erklärte der evangelische Stadtpfarrer Hans-Georg Ulrichs. Die Bad Säckinger Pfarrgemeinde definiert sich als weltoffen sowie kulturell interessiert und möchte Theologinnen und Kirchenmitarbeiterinnen, die innovative Ansätze vertreten, zu Wort kommen lassen. Die Vorträge finden immer am 1. November statt, dem Todestag Wibrandis Rosenblatts. „Unsere neue Vortragsreihe soll im Idealfall über die Gemeindegrenzen hinausstrahlen“, so Pfarrer Hans-Georg Ulrichs. Die Themen sind frei wählbar, aber bei den Vortragenden sollte es sich um junge Frauen handeln.

Zum Auftakt der Vorträge wird die Theologin Elisabeth Maikranz, die zurzeit in Heidelberg an ihrer Habilitationsschrift arbeitet, ab 16.30 Uhr im Gemeindehaus zum Thema „Wer Ohren hat zu hören, der höre – vom Hören und Gehörtwerden in theologischer Perspektive“ referieren. Anstelle eines Honorars erhalten die Referentinnen einen Anhänger in Form eines silbernen Rosenblatts. „Die Gestaltung ist eher schlicht gehalten, daher ist dieser Anhänger auch im Alltag tragbar“, so Sabine Waßmer. Das Rosenblatt aus Feinsilber ist leicht gewellt. Die Inschrift „Säckinger Rosenblatt“ und das Übergabejahr werden auf der Rückseite eingefräst. Es handelt sich stets um Unikate, die einzig und allein anlässlich der Vorträge hergestellt werden.

Wibrandis Rosenblatt eignet sich hervorragend als Namensgeberin einer Vortragsreihe, die sich aktueller Theologie aus weiblicher Perspektive widmet, denn sie repräsentierte idealtypisch den damals neuen Typus der protestantischen Pfarrfrau. Sie stammte aus Basel, wurde aber 1504 in Säckingen geboren, weil ihr Vater als Amtmann in die Stadt versetzt worden war. Sie war mit vier Reformatoren verheiratet. Urichs: „Für die oberdeutsche Reformation ist sie ähnlich wichtig wie Katharina Bora, die Ehefrau Martin Luthers, für die mitteldeutsche protestantische Theologie.“

Zur Person

Wibrandis Rosenblatt war eine bedeutende Persönlichkeit der Reformation. Sie war Mutter und Haushälterin ebenso wie Managerin und Inspiratorin. Wibrandis Rosenblatt wurde 1504 in Säckingen geboren und zog nach dem frühen Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter nach Basel. Dort heiratete sie mit 20 den Humanisten Ludwig Keller, der zwei Jahre später 1526 verstarb. In der Folge war Rosenblatt noch dreimal verheiratet und zwar mit bedeutenden Reformatoren: 1528 bis 1531 mit Hans Husschyn, besser bekannt als Johannes Oekolampad, 1531 bis 1541 mit Wolfgang Capito, 1542 bis 1551 mit Martin Bucer. Insgesamt hatte Wibrandis Rosenblatt mit ihren vier Ehemännern elf Kinder. Sie lebte in Basel, Straßburg sowie Cambridge und starb 1564 in Basel an der Pest.