„Ein Haus, das Herberge und Schutz für ältere Menschen bietet“
Rund 16 Millionen Euro kostet das neue Gebäude für Servicewohnen beim Elisabethenheim in Müllheim. Jetzt wurde das „Haus Blankenhorn“ mit Pflegewohnungen sowie Plätzen für eine Pflegegruppe und Kurzzeitpflege eingeweiht.
Müllheim Die ersten Bewohner sind bereits zum 1. Juni dieses Jahres eingezogen. Seither hat sich das Haus, das zur neuen konzeptionellen Ausrichtung des Elisabethenheims gehört, mit Leben gefüllt. Am Donnerstag war die offizielle Einweihung.
Seit mehr als zehn Jahren haben sich Aufsichtsrat und Vorstand des Evangelischen Sozialwerks mit Ergänzungsmöglichkeiten, mit Veränderungen gemäß der Heimbauverordnung und mit einer veränderten Nachfrage beschäftigt, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Freund. „Das Elisabethenheim im Herzen der Stadt ist unsere wichtigste Zentrale.“ Nachfragen zum selbstbestimmten Wohnen, wie sie nun mit dem neuen „Haus Blankenhorn“ und den 39 Pflegewohnungen realisiert worden seien, nähmen deutlich zu. Um dem gerecht zu werden, habe das Evangelische Sozialwerk einen eigenen ambulanten Pflegedienst gegründet.
Freund hob das ehrenamtliche Engagement von Rudi Saumer, früherer Stadtbaumeister in Müllheim, und Detlef Stachel hervor, die sich in das Konzept, in die Planung und die Ausgestaltung des neuen Gebäudes engagiert eingebracht hätten. Kritisch ging der Aufsichtsratsvorsitzende auf die allgemeine Entwicklung im Pflegebereich ein. Lange schon zeichne sich ein stetiger Anstieg der Pflegebedürftigen ab. Deshalb werden laut Freund in den kommenden Jahren allein im Landkreis rund 400 bis 500 Pflegeplätze fehlen.
Mitverantwortlich seien auch die hohen Anforderungen der geltenden Heimbauverordnung des Landes, die heute Einzelzimmer vorschreibe, und der massive Fachkräftemangel, so Freund weiter. „Die Wartezeiten werden immer länger“, bedauerte er. Freund fordert die lang angekündigten Reformen der Pflegekassen und flexiblere Wohnformen.
„Wir beschäftigen heute fast 500 Mitarbeitende“, stellte Vorstand Holger Karg fest. Dabei greift das Sozialwerk auf Kräfte aus 40 Nationen zurück, um ausreichend Personal stellen zu können. Karg sprach beim Elisabethenheim mit dem neuen Haus Blankenhorn „vom Flaggschiff des Sozialwerks“.
Die historische Villa und das Gelände stammen aus der Erbmasse der Blankenhorn-Dynastie. Die bestehenden Gebäude, die teils in den vergangenen Jahrzehnten entstanden, sollen nun Zug um Zug umgebaut, modernisiert und an die Heimbauverordnung angeglichen werden. Ziel sei es, mit den Umbauten das Servicewohnen im Elisabethenheim auszubauen, nachdem die vollstationäre Pflege im Haus am Köhlgarten mit seinen 78 Plätzen konzentriert werde. „Die Einweihung ist das Zeichen für den Start in eine konzeptionelle Neuausrichtung“, bekräftigte der Vorstand.
Bewusst sei das Gelände zwischen Neubau und Bestand mit der Verlegung des städtischen Fußweges öffentlich gemacht worden, um Begegnungen ermöglichen zu können, erklärte Karg. Seit Beschluss des Aufsichtsrates zugunsten der Erweiterung seien nur knapp fünf Jahre vergangen. Ohne die Unterstützung der Stadt wäre das Projekt nicht möglich gewesen, hieß es weiter. Entstanden sind laut Karg 39 Wohnungen – Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen – mit Flächen von 40 bis 88 Quadratmetern. Kargs Fazit: „Hier ist ein Haus entstanden, das Schutz und Herberge für ältere Menschen bietet.“
Auf vielfältige Verflechtungen zwischen Stadt und Sozialwerk verwies Müllheims Bürgermeister Martin Löffler. Bedenke man den Aufwand, angefangen von Grundstücksverhandlungen – die Stadt steuerte ein Grundstück bei – über das Aufstellen eines maßgeschneiderten Bebauungsplans, die Klärung der Leitungsrechte und die Bauphase, dann seien fünf Jahre von der ersten Idee bis heute eigentlich recht kurz, stellte Löffler fest. Es sei ein tolles Projekt, das die bestehenden Angebote ergänze und die Heimbauverordnung nun erfülle.
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