Landesbischöfin spürt Aufbruchstimmung
Mit kleinen und großen Initiativen stemmt sich der evangelische Kirchenbezirk Markgräflerland dem Mitgliederschwund entgegen. Anlässlich der Visitation der Landeskirche steckt er sich Ziele für die künftige Arbeit.
Kreis Lörrach „Ich habe hier ganz viel Aufbruch gesehen“, zieht die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart in einer Pressemitteilung Bilanz über ihren Besuch im evangelischen Kirchenbezirk Markgräflerland. „Es wächst was ...“, das Motto der dreitägigen Visitation der Kommission der Landeskirche in Baden im Kreis Lörrach, sei bereits spürbar. „An vielen Stellen im Bezirk keimen kleine oder wachsen bereits größere Initiativen“, heißt es denn auch in der Präambel der Zielvereinbarungen, die zusammenfassen, was sich der Bezirk in den kommenden Jahren vornimmt.
Der Bezirkskirchenrat, das mit Haupt- und Ehrenamtlichen besetzte und von der Bezirkssynode gewählte Leitungsgremium, setzt sich dafür ein, diese Initiativen wahrzunehmen und weiterzuentwickeln. Er stelle sich damit auch dem starken Mitgliederschwund im Bezirk entgegen: „Hoffnung gegen den Trend“, heißt es wörtlich in der Einleitung.
Ihr folgen sieben Ziele, auf die sich das Gremium mit der Landesbischöfin verständigt hat und für die es sich mit seiner künftigen Arbeit einsetzen will. Der Rat nimmt sich vor, die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Diakonie im Bezirk weiter zu intensivieren und so vor allem Menschen in schwierigen Lebenslagen verstärkt in den Blick zu nehmen und zu unterstützen. Weiter soll das von Ehrenamtlichen ausgehende Engagement gefördert werden, indem diese in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden und der Kirchenbezirk bei Bedarf professionelle Begleitung, Qualifikation und Koordination ermöglicht.
Um die christliche Stimme in der Gesellschaft zu stärken, hat sich der Rat vorgenommen, sich den Chancen der konfessionellen Vielfalt zu öffnen, sich aber auch den darin liegenden Schwierigkeiten zu stellen. „Wir bauen weiter am Netzwerk mit anderen christlichen Kirchen“, heißt es. Verstärkt werden sollen zudem die Kontakte zwischen den Religionen.
Um noch mehr Menschen einen unkomplizierten Zugang zu Kasualien – also zu Taufen, Trauungen und Bestattungen – zu ermöglichen, will der Kirchenrat prüfen, wie sich die Lörracher Kasualialienagentur „Segensstelle Schlüsselmoment“ als serviceorientierte Anlaufstelle für Schlüsselmomente des Lebens - etwa Geburt, Hochzeit oder Todesfall - auf den gesamten Kirchenbezirk ausweiten lässt. In den Blick genommen werden dabei auch mögliche neue kirchliche Orte, besonders im ländlichen Raum, sowie neue Kasualien.
Vorgenommen hat sich der Bezirkskirchenrat, die Konfirmanden-Arbeit mit den Angeboten der Bezirksjugend, der YChurch in Weil am Rhein und weiterer Partner vor Ort zu vernetzen. Schließlich will der Bezirkskirchenrat klären, welche Chancen eine abgestimmte Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure auf dem Burghof-Ensemble bei der Lörracher Stadtkirche bieten könnte.
Beim Empfang anlässlich der Bezirksvisitation sicherte die Lörracher Landrätin Marion Dammann zu, den Reformprozess der Kirche zu unterstützen, den ein Mitgliederschwund, neue Vorstellungen über die Rolle der Kirche in der Bevölkerung und ein Mangel an kirchlichem Personal notwendig gemacht haben. Sie werde den Dialog mit Dekanin Bärbel Schäfer und Karin Racke, der Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Landkreis, suchen, kündigte sie an. Sie wünschte den evangelischen Gemeinden, dass ihnen der Transformationsprozess gelingt. „Die Menschen sehnen sich gerade jetzt, in Zeiten von Krieg, Hass und politischer Polarisierung danach, ihrem eigenen Leben Ziel und Sinn zu geben“, sagte Dammann laut der Mitteilung.
Die Landesbischöfin betonte, wie wichtig eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Land sei, um neue Orte schaffen zu können, an denen Gemeinschaft und Nächstenliebe wachsen können: „Orte, wo die Präsenz Gottes erfahrbar wird, weitergetragen werden kann und wo jeder Mensch ein zu Hause findet.“ Dafür spiele das Ehrenamt eine zentrale Rolle. Zusammen mit dem Land trage die Kirche die Verantwortung für den sozialen Frieden. Daniel Gramespacher
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