Nur ein- statt dreimal im Fernsehen
Arne OestKarlsruhe. Ein Millionenpublikum an den Fernsehgeräten schaute am Ostersonntag in die kleine Waldenserkirche nach Palmbach. Anne Helene Kratzert predigte beim ZDF-Fernsehgottesdienst live zum Thema „Aufstehen“. Und das an diesem für Christen so wichtigen Sonntag. Nicht das erste Mal, dass Kratzert vor großem Publikum aus kleiner Kirche auf den TV-Schirmen flimmerte. Bereits 2022 wurde der Gottesdienst am vierten Advent aus Palmbach gesendet.
Eigentlich waren für das Jahr 2024 zwei weitere Gottesdienste geplant. Beide aus Palmbach, beide mit Anne Helene Kratzert. Doch der für 28. Juli geplante Gottesdienst fand nicht statt. Und auch der für den 20. Oktober geplante wird nicht aus Karlsruhe, sondern aus Heidelberg gesendet, wie beim ZDF zu lesen ist. Dass dies mit dem Abgang von Anne Helene Kratzert zu tun hat, scheint auf der Hand zu liegen. Die Pfarrerin ist im April in Palmbach verabschiedet worden. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht, weiß Simone Hahn. Sie ist Senderbeauftragte beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main. Dort ist sie für die Erstellung eines Fernsehgottesdienstplans zuständig. Dieser wird dann vom Rat der Kirche beschlossen und dem ZDF als ausführende Sendeanstalt übermittelt, wo der Plan nochmal abgestimmt wird. „Der geplante Gottesdienst im Sommer ist wegen Olympia ausgefallen“, so Hahn.
„Im Moment gibt es keine weiteren Planungen für Gottesdienste in Karlsruhe“, so Hahn weiter. Eine Aufstellung mit Orten, Pfarrern und Themen werde rund anderthalb Jahre im Vorfeld gemacht. Dabei müssen verschiedene Dinge berücksichtigt werden. „Verteilung von Landeskirchen, von Nord und Süd, Ost und West“, nennt Hahn als Beispiele. Doch sie sagt auch: „Es hing auch ganz fest mit der Person zusammen.“ Es, damit ist die ursprüngliche Planung der drei Fernsehgottesdienste aus Karlsruhe gemeint. Denn während der Corona-Zeit, als alle Gottesdienste aus der Nähe von Mainz gesendet wurden, habe man gesehen, dass dies den Menschen ein Gefühl von Heimat gebe. „Da schaltet man dann auch lieber ein“, so Hahn weiter. Im Nachgang hat die Senderbeauftragte mit ihrem Team nach Pfarrpersonen gesucht, die drei bis vier Gottesdienste stemmen können. Und ist auf Kratzert gestoßen. „Sie war medienaffin, kann gut predigen und hat was zu sagen – und das in einer kleinen Gemeinde“, erinnert sich Hahn. Das kann auch Thomas Schalla, Dekan der evangelischen Kirche in Karlsruhe, nur bestätigen. „Anne Helene Kratzert ist schon eine besondere Erscheinung“, sagt er. Aber als Hahn dann informiert wurde, dass Kratzert Palmbach verlässt, wurde im Hintergrund ein Ersatz für die geplanten Karlsruher Gottesdienste arrangiert. „Es braucht auch Kameratraining und Übung“, so Hahn. Deshalb sei es nicht einfach möglich, einen anderen Pfarrer oder eine andere Pfarrerin aus Karlsruhe „als Ersatz“ zu nehmen.
Sie geht nicht davon aus, dass in näherer Zukunft ein ZDF-Fernsehgottesdienst aus Karlsruhe gesendet wird. „Als ich noch Pfarrerin war, hieß es, einen Fernsehgottesdienst gibt es alle zehn Jahre.“ In vier Jahren als Sendebeauftragte war Karlsruhe schon dreimal Gastgeber. Gleichzeitig sagt sie aber auch: „Karlsruhe hat bestimmt noch Pfarrpersonen, die fernsehtauglich sind.“ So sieht es auch Dekan Schalla. „Wir haben genug Kolleginnen und Kollegen hier in Karlsruhe, die publikumswirksam einen Fernsehgottesdienst halten können.“ Ein Verschwinden, wenn auch nur für einige Jahre, von der TV-Landschaft fände der Dekan schade, vor allem auch wegen der „großartigen ökumenischen Erfahrung“ in der Stadt. „Das würde auch dem Fernsehen guttun“, ist er überzeugt.
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