rnz.de (Rhein-Neckar-Zeitung), 12.10.2024

 

Kirchliche Sozialstation Sinsheim feiert 50. Jubiläum

Bei der großen Feier wurden die Mitarbeiter als "das Herzstück" der Einrichtung besonders gewürdigt. Berthold Jürriens

Sinsheim  "Es ist das Wirken einer Gemeinschaft, das uns vollständig macht, nicht die Leistung einzelner" – ein Zitat von Michaela Becker, der Geschäftsführenden Vorständin, das als Einleitung der 60-seitigen Jubiläumsschrift zu lesen ist. Die "wertvolle Gemeinschaft", die nicht nur aus Mitarbeitern besteht, sondern auch Klienten, Freunde, Partner und Kommunen einschließe, stand in Reden und Grußworten im Mittelpunkt.

Diese veranschaulichten die "50 Jahre gelebter Nächstenliebe", von der Dekanin Christiane Glöckner-Lang sprach. Deutlich wurde in den Reden: Hilfebedürftigen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr beizustehen, ist für die Sozialstation nicht nur beruflicher Auftrag, sondern echtes Anliegen, täglich mit Leidenschaft ausgeführt.

Der Mensch steht immer im Mittelpunkt. Sowohl denjenigen, die die Arbeit mit Herz und Zuneigung leisten, als auch denjenigen, die von ihnen versorgt werden, galt der Dank Beckers. Rund 400 Gäste begrüßte Moderatorin Nico Lange zu dieser "besonderen Party" zu der ein Trio unter der Leitung von Musikschulleiter Jaap van Wely den musikalischen Rahmen mit Klavier, Violine und Cello bildete.

Pfarrer und Aufsichtsratsvorsitzender Michael Schumacher freute sich beim Blick auf die Gäste über alte Wegbegleiter, die das Erreichen der "Mitte des Lebens" der Sozialstation nun mitfeiern würden. "Man muss auch Danke sagen für die damalige Weitsicht."

Eine gute Wahl hatten die Organisatoren mit Dr. Traugott Schächtele, evangelischer Theologe und ehemaliger Prälat für den Kirchenkreis Nordbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden, getroffen. Der Honorarprofessor der Evangelischen Hochschule Freiburg stellte die Frage, "was sind uns heute noch Werte wert" und attestierte der Sozialstation, mit ihrer Arbeit ein öffentliches Bekenntnis eines christlichen Menschenbilds abzulegen.

"Dieses soziale Engagement ist Ausdruck eines mit Werten implizierten Handelns." Die Pflegearbeit sei kein "nice to have", sondern gehöre zu den "Grundwerten unseres Selbstverständnisses" und sei somit ein "must be", ein "Kennzeichen des Menschlichen", sodass man von einem öffentlichen "Gedächtnis der Barmherzigkeit" sprechen könne.

Beatrix Vogt-Wuchta, Vorständin des Diakonischen Werks Baden – von Moderatorin Lange als "Anwältin der Pfleger vor Ort" angekündigt – würdigte "die herausragende Arbeit" und den "Einsatz und die Hingabe", die hier im Mittelpunkt stehen. "Werte werden in dieser wertvollen Arbeit von ihnen seit 50 Jahren umgesetzt, um in Würde altern zu können." Vogt-Wuchta lobte die Offenheit und Kommunikation mit den Verantwortlichen der Kirchlichen Sozialstation.

Sie erinnerte an den Spatenstich für die Tagespflege Pfarrgarten in Waldangelloch, die mit 18 Plätzen die soziale Betreuung in der Region verbessern wird und an die Projekte Telepflege-Digitalisierung und "X-Spekt Pflege", an deren Umsetzung die Sinsheimer Sozialstation beteiligt ist, um mit verschiedenen Beteiligten neue Lösungen zur Zukunft der Pflege zu entwickeln. "Sie, Frau Becker, sind dabei eine Innovationstreiberin", sagte Vogt-Wuchta. Die Projekte und die Förderung durchs Land erwähnte auch Helen Holzhüter vom Sozialministerium, die die Langzeitpflege als soziale Verantwortung betrachtet.

Dass Pflege mehr als ein Beruf ist, wurde in einem Kurzfilm deutlich, in dem das "Herzstück" der Sozialstation, die Mitarbeiter, zu Wort kamen und auch Klienten die positive Zusammenarbeit lobten. Becker betonte, wie wichtig "das Drumherum" sei, was auch die Treue der Mitarbeiter belege. "Es ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von allen", sagte Becker.

Oberbürgermeister Marco Siesing ist dankbar für die Arbeit und überbrachte ein Geschenk der Stadt. Landtagsabgeordneter Jan-Peter Röderer dankte dafür, "dass die Menschen hier im Zentrum stehen".

Auch Ehrungen fehlten nicht: Hier wurden beispielsweise Elvira Lang für 28 Jahre und Sabine Backfisch für 35 Jahre Arbeit bei der Sozialstation ausgezeichnet. Beide harmonierten gemeinsam jahrzehntelang in der Pflegedienstleitung. Anschließend gab es Blumen aus den Händen der 20 Auszubildenden für alle Mitarbeiter, die länger als 20 Jahre beschäftigt sind. Der Blick auf die volle Bühne zeigte die große Treue der Pflegekräfte.