Jedem Kind einen Betreuungsplatz anbieten
Kindertagesstätten: Personalmangel und zu hohe Erwartungen der Eltern bereiten den Fachkräften vor Ort zunehmend Probleme
WERTHEIM. Die gute Nachricht zuerst: Dank der Anstrengungen der kommunalen und freien Träger ist es in den vergangenen Jahren in Wertheim immer gelungen, jedem Kind einen Betreuungsplatz in einem Kindergarten anzubieten. Wie Uwe Schlör-Kempf, für das Ressort Kinder, Jugend, Sport und Vereine bei der Stadt Wertheim verantwortlich, den Stadträten im Ausschuss Verwaltung und Finanzen am Montag erläuterte, sei dies allerdings auch nur dank der Flexibilität der Eltern gelungen, ihr Kind auch einmal in einem anderen Ort in die Kita zu bringen.
Deshalb gebe es in Wertheim auch keine Warteliste auf einen Kindergartenplatz, erläuterte Schlör-Kempf die Kinderstättenbedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2025/2026. Schlör-Kempf kalkuliert mit 1204 Plätzen ab Mitte kommenden Jahres, neun davon in der Tagespflege. Das wären 17 weniger als im laufenden Kindergartenjahr. Derzeit werden 18 Kinder in einem Alter von bis zu sieben Jahren in der Tagespflege betreut.
Nachfrage bleibt wohl hoch
Die Nachfrage nach Ganztagesplätzen für Kinder über drei Jahren wird nach Einschätzung der Stadtverwaltung weiter hoch bleiben. So gibt es im laufenden Kindergartenjahr keine freien Ganztagesplätze mehr für Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt. Im Gegenteil: Die 168 zur Verfügung stehenden Plätze seien mit 18 Kindern überbelegt, erläuterte Schlör-Kempf die Zahlen. »Im weiteren Planungsprozess« müsse deshalb auf den Ausbau von Ganztagesplätzen »ein besonderes Augenmerk gerichtet werden«, meinte er.
Der Ausblick in die Zukunft fiel dann allerdings nicht mehr ganz so positiv aus. Uwe Schlör-Kempf verwies auf »den Strukturwandel bei den kirchlichen Kindergartenträgern«. Angesichts rückläufiger Steuereinnahmen erwarte er »mittelfristig auch Richtungsentscheidungen zur künftigen Trägerschaft und Finanzierung von Kindertageseinrichtungen« durch die Kirchen. Die evangelische Dekanin Wibke Klomp wurde angesichts von elf Kindertagesstätten, die die Kirche in Wertheim betreibe, etwas deutlicher. Angesichts der finanziellen und personellen Herausforderungen, die es in den Einrichtungen gebe, müsse darüber nachgedacht werden, »was sinnvollerweise« noch aufrechterhalten werden könne. Klomp sprach auch davon, dass es einzelne Kindergartengebäude gebe, »die an ihre Grenzen« kämen. »Neubauten können wir uns keine mehr leisten«, sagte sie.
Kurzfristige Kürzungen
Probleme bereitet der Personalmangel den Kindertagesstätten. Bislang sei es den Trägern der Kindertageseinrichtungen in Wertheim allerdings gelungen, die pädagogischen Fachkräfte durch Hauswirtschafts- und Vertretungskräften so zu unterstützen, dass Ausfallzeiten und damit »pauschale Reduzierungen der Öffnungszeiten weitestgehend« verhindert werden konnten, so Schlör-Kempf. Trotzdem werde es auch in Wertheim nicht ausbleiben, »dass Gruppen kurzfristig aufgrund von Personalmangel geschlossen und Betreuungszeiten gekürzt werden müssen«.
Zugleich schilderte Uwe Schlör-Kempf die unterschiedlichsten Herausforderungen, die im Kita-Alltag von den Fachkräften gemeistert werden müssten. Und oft zu hohen Belastungssituationen führten. Schlör-Kempf nannte die »unterschiedlichen Kulturen« in den Einrichtungen, die verschiedenen Erziehungsstile, Sprachbarrieren und fehlender Respekt bei Kindern und Eltern gegenüber dem Personal. Zugleich hätten Eltern hohe Erwartungen an die pädagogische Arbeit in den Kindertagesstätten. Neben der altersgerechten Förderung anhand individueller Bedürfnisse ihrer Kinder erwarteten sie den »Ausgleich von Defiziten und die Vermittlung lebenspraktischer Techniken«.
Trotz aller Probleme verwies Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez darauf, dass sich die Kitabetreuung in Wertheim »noch auf einem sehr guten Level« befinde. Mit Blick auf den Haushalt 2025 geht die Stadt davon aus, dass sich der Zuschussbedarf der Stadt im Vergleich zu diesem Jahr um etwas mehr als 700.000 Euro auf dann rund acht Millionen Euro erhöhen werde. Bei Gesamtkosten von rund 14,1 Millionen Euro für alle 23 Kindertagesstätten auf der Gemarkung Wertheim verwies der OB zugleich darauf, dass die Zuschüsse vom Land und vom Bund seit drei Jahren mit rund 3,9 Millionen Euro nahezu unverändert geblieben seien.
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