Als Pfarrer für die Menschen da sein
Evangelische Kirchengemeinde: Dr. Steffen Götze wird am Sonntag offiziell seine neue Stelle antreten und sich der Gemeinde vorstellen
Von Volker WiddratSeit 1. September ist Dr. Steffen Götze als Pfarrer im Probedienst für zunächst zwei Jahre bei der evangelischen Kirchengemeinde Hockenheim eingesetzt. Am Sonntag, 6. Oktober, um 10 Uhr wird er in der Stadtkirche seiner neuen Gemeinde vorgestellt. Der 35-jährige promovierte Theologe gehört in seiner ersten Pfarrstelle zur Dienstgruppe der evangelischen Horan-Gemeinden und ist lokal Hockenheim zugeordnet. Im Pfarramt in der Kirchenstraße 1 hat er auch seinen Dienstsitz.
Steffen Götze wurde in der Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt geboren. Aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf im Süden von Niedersachsen. Nach dem Abitur in Uslar studierte er evangelische Theologie in Göttingen, verbrachte ein Studienjahr in Jerusalem, studierte in Halle (Saale) und in Münster (Westfalen). Dem ersten Theologischen Examen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover folgte nach dem Studienjahr in Jerusalem die Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Theologischen Fakultät der Universität Münster in den Fächern Systematische Theologie und Kirchengeschichte. Er war Wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung für Neuere Geschichte des Christentums und Konfessionskunde.
Seine Dissertation mit dem Titel „Der Mensch? Wo ist er her? Zur Rezeption christlicher Anthropologie in Gotthold Ephraim Lessings Frühwerk“ reichte er im November 2022 an der Theologischen Fakultät der Universität Bern ein. Zuletzt war Götze Lehrvikar in der evangelischen Kirche in Heddesheim. Jetzt hat er die zweite Pfarrstelle in Hockenheim übernommen.
Hockenheim, der passende Ort
Er freut sich sehr über den Dienstort und dass die badische Landeskirche einen Ort für ihn gefunden hat, der gut zu ihm passt. Die Kurpfalz habe er kennen und schätzen gelernt. Er selbst wohnt bereits in der Rennstadt, seine Freundin, die er in Jerusalem kennengelernt hat, studiert und arbeitet in Heidelberg. Er ist schon ganz gespannt auf die Gottesdienste in der Stadtkirche und auf das persönliche Kennenlernen der Menschen in seiner Gemeinde.
In der kleinen Kirchengemeinde in Niedersachsen sei er schon als Jugendlicher in den kirchlichen Dienst eingebunden gewesen, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Pfarrer dort habe mit seiner lebendigen Jugendarbeit einen wesentlichen Anteil daran gehabt. Die in der DDR übliche Jugendweihe sei dort allerdings durch die Konfirmation ersetzt worden. Die mündliche Prüfung im Abitur hat er in katholischer Religion abgelegt. Im letzten Schuljahr habe sich dann herauskristallisiert, dass er es mit einem Studium der Theologie versuchen wolle.
Vom Land Israel begeistert
Steffen Götze hat zwei Jahre in Israel gelebt, studiert und gearbeitet. Er ist fasziniert von dem Land und den Menschen dort, vom religiösen Leben und den Besuchen heiliger Orte. Er ist im Vorstand des Forums „Theologisches Studienjahr Jerusalem“. Der Verein ermöglicht jedes Jahr etwa 20 deutschsprachigen Theologiestudierenden, zwei Semester in der israelischen Hauptstadt zu studieren. Sie bilden in dieser Zeit eine Lebens- und Lerngemeinschaft in einem dortigen Studienhaus. Im April wurde das 50. Jubiläum des Theologischen Studienjahres Jerusalem gefeiert.
Als Vikar in Heddesheim hatte Götze schon alles geplant für eine Israelreise unter dem Motto „Bibel bereisen“. Es gab Informations- und Themenabende und es fanden sich genug Interessenten für die Bildungs- und Pilgerreise ins Heilige Land. Dann kam der 7. Oktober 2023 mit dem Angriff der Hamas auf Israel. Er kann sich durchaus vorstellen, auch für die Horan-Gemeinden einmal solch eine Bildungsreise zu organisieren. Der Konflikt im Nahen Osten tut ihm unendlich weh. Er ist traurig über die aussichtslos erscheinende Situation mit der tödlichen Gewalt und den unzähligen Opfern auf allen Seiten.
Der neue Pfarrer liebt die Literatur, nicht nur die Klassiker der Weltliteratur wie Gotthold Ephraim Lessing. Und er geht leidenschaftlich gerne ins Theater – in Heidelberg, Mannheim oder in Karlsruhe. Es kann aber auch mal eine Theaterreise nach Zürich sein oder nach Hamburg, wo dann fünf Bühnenstücke in drei Tagen auf dem Programm stehen können.
Freude auf nächsten Marathon
Der sportliche 35-Jährige läuft gerne und freut sich schon auf den nächsten Halbmarathon auf dem Hockenheimring. Er reist gerne, am liebsten nach Israel. In seiner Zeit in der Schweiz hatten es ihm aber auch die Berge angetan. Und von Niedersachsen aus war es nicht weit an die Ostsee.
In Hockenheim möchte er „einfach nur als Pfarrer“ für die Gemeinde da sein, mit Gottesdiensten und in der Seelsorge, als geistliche Begleitung und Unterstützung bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Trauerfeiern.
Der Gottesdienst an diesem Sonntag wird von Diakonin Johanna Hassfeld, Pfarrer Michael Dahlinger und Kantor Samuel Cho mitgestaltet. Der neue Pfarrer hält die Predigt. Im Anschluss an den Gottesdienst, zu dem eine Einladung ergeht, besteht die Gelegenheit zum Gespräch mit dem neuen Pfarrer.