Badische Zeitung Rheinfelden, Wiesental, 01.10.2024

 

Willi Raiber setzt farbige Akzente in Christuskirche

Als Schenkung hängen nun zehn Bilder des Malers Willi Raiber in der Christuskirche. Zur Übergabe der Werke führte der Künstler ein Gespräch mit Pfarrer Joachim Kruse.

RHEINFELDEN Farbige Akzente in der Christuskirche setzen die zehn Bilder von Willi Raiber, die der Maler der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinfelden geschenkt hat. Bei der Übergabe der Werke erläuterte der Künstler aus Degerfelden am Samstag im Gespräch mit Pfarrer Joachim Kruse den zahlreichen Besuchern, wie die Arbeiten entstanden sind. Vor mehr als 20 Jahren hatte der damalige Pfarrer Sommer bei einem Bibel-Projekt Raiber und andere Künstler zusammengebracht, die sich mit Motiven der Kirche beschäftigten. Die Kirche, so Raiber im Gespräch, habe auf ihn „sehr streng“ gewirkt: „Alles war ziemlich grau.“ Daher wollte er die figürlichen Gestaltungen der Kirchenfenster von Rudolf Yelin aus dem Jahr 1937 in seinen Bildern anders darstellen, ungegenständlich, „durch die Kraft der Farbe“. „Ich will, dass es Freude macht“, sagte er.

Auf Fragen von Pfarrer Kruse ging Willi Raiber auf die einzelnen Bilder ein, etwa das Taufbild, das in zwei Blautönen gehalten ist, ein Blau, aus dem ein Weiß entstehe. „Das ist das Leben, das nach oben geht, in den Alltag“, erläuterte Raiber die Symbolik. Die meisten Bilder seien unterteilt in zwei Hälften. Im Bild von der Versuchung Jesu fahre das Rot wie eine „Messerklinge“ in das tiefe Blau. Bunt und quirlig komme das Bild der Kindersegnung daher. Es wirke so, verglich es der Maler, als würde eine Drohne von oben auf einen Schulplatz schauen, dorthin, wo viele Kinder unterwegs seien.
„Einfacher kann man das nicht mehr darstellen“, sagte Raiber zum stark reduzierten Stil.
Zum Inhalt brauche es auch die Technik und Form, die dem entspreche, meinte Pfarrer Kruse. Raiber erklärte seine Arbeitsweise anhand des Bildes „Gott ist Liebe“. „Wie soll ich das darstellen? Gegenständlich geht das gar nicht.“ Also habe er es über die Farbe versucht. Aus dem Grau komme Gelb auf die Fläche, darauf kühles Magenta und kräftiges Rot, damit die Wärme durchkomme. Diese vielen Schichten in Acryl mit Spachteltechnik aufzutragen mit lasierenden Farben, so dass immer Spuren der Farbe auf dem Untergrund bleiben, sei aufwändig und brauche viel Kraft. Deshalb könne er das jetzt nicht mehr machen, sagte Raiber. „Je weniger auf dem Bild drauf ist, desto mehr Arbeit macht es.“

Streng grafisch sei das Bild vom Abendmahl mit einem Tisch und Strichcodes mit der Zahl sieben in der Mitte. „Das ist Jesus“, erklärte Raiber die Zahlensymbolik. „Jesus Christus sitzt immer in der Mitte, bei Leonardo genauso wie bei mir.“ Die Unglückszahl 13, die für Judas stehe, falle in der Reihe heraus.

Ein anderes Bild verglich Raiber mit dem Himmel an einem frühen Morgen in klarem Türkis, mit einer Wolke oder Flugzeugstreifen, die von der ersten Sonne angestrahlt würden. Im Bild von der Bergpredigt stehe das leuchtende Gelb für Jesus, Gelb wie die Sonne, die Hoffnung. Die Menschen um Jesus herum seien in unterschiedlichen Farben gehalten, „eine Welt in Farbigkeit“.
Pfarrer Kruse stellte in den Raum, dass die Kirchenfenster von Rudolf Yelin in dunkler NS-Zeit geschaffen wurden und dass der Künstler auch Widerworte gefunden habe. „Menschen unserer Zeit“ habe Yelin darstellen wollen, damit habe er „Menschen der damaligen Gegenwart“ gemeint, „die mit falscher Rede verführt werden“, wie es Pfarrer Kruse deutete. Willi Raiber erinnerte sich, dass in seiner Kindheit in den 1950er Jahren im Religionsbuch „Schild des Glaubens“ ähnliche Bilder enthalten waren.

Bei seinen Farbbildern sei der Betrachter „nicht festgelegt wie in den gegenständlichen Bildern“, meinte Raiber, sondern könne sich eigene Gedanken machen. Pfarrer Kruse fand es „sehr anregend“, wie die Geschichte der Fensterbilder durch die Raiber-Bilder in ihrer Farbigkeit und Tiefe ergänzt werde. Die Bilder werden einige Zeit in der Christuskirche hängen und die Besucher zu Assoziationen anregen.

Die Schenkung „berührt uns als Kirchengemeinde“, bedankte sich Pfarrer Kruse herzlich bei Raiber, der sagte, dass es für ihn in der Kirche wie ein „Heimkommen“ sei: „Die Bilder gehören hierher.“