BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN - Brettener Nachrichten, 30.09.2024

 

Aufklärung soll Tabus brechen

Florian Ertl

Gemeindepsychiatrisches Zentrum informiert in Bretten mit einem Infostand über psychische Erkrankungen

Auf dem Brettener Marktplatz hat sich am Samstag – abseits des Wochenmarkts – alles um ein Thema gedreht, das oft noch mit Stigma behaftet ist: psychische Gesundheit. Vor dem Welttag der seelischen Gesundheit, der am 10. Oktober begangen wird, fand ein Infostand des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Bretten (GPZ) statt. Mit dabei waren die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten und die Tagesstätte „Buena Vista“ des Diakonischen Werks, die nicht nur wertvolle Informationen, sondern auch Kuchen und handgefertigte Produkte aus ihren Werkstätten anboten.

„Ziel dieser jährlichen Aktion ist es, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schärfen und Betroffenen wie auch Angehörigen die Möglichkeit zu bieten, sich in einem offenen Rahmen zu informieren“, erklärte Ergotherapeutin Karin Kalenda von der Diakonie. Manche Passanten zeigten zwar eher verhaltenes Interesse, doch nutzten einige die Gelegenheit, um sich mit Fachleuten und den Vertretern der beteiligten Organisationen auszutauschen.

Der Infostand war eine der vielen Veranstaltungen, die im Zeitraum vom 28. September bis zum 22. Oktober im Rahmen der „Tage der seelischen Gesundheit“ in Bretten stattfinden. Die Aktionen werden vom GPZ, einer Kooperation des Diakonischen Werks im Landkreis Karlsruhe, der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten und des ZFP Calw Klinikum-Nordschwarzwald organisiert. Das Thema „Psychische Erkrankungen“ soll aus der Tabuzone geholt werden. Zu diesem Zweck beteiligen sich auch weitere Institutionen und Vereine an der Aufklärungskampagne. Dazu gehören unter anderem der Verein Seelenstark, der Pflegestützpunkt des Landkreises Karlsruhe, die Stadt Bretten, die EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung), die Nachbarschaftshilfe Bretten und die Suchtberatung der evangelischen Stadtmission Heidelberg.

Letztere Institution und der Verein Seelenstark waren auch auf dem Marktplatz vertreten. „Uns ist vor allem wichtig, Aufmerksamkeit auf die Problematiken zu lenken, die man sonst eher für sich behält“, sagte Gabriele Axter, Sozialarbeiterin und Suchtberaterin für die evangelische Stadtmission Heidelberg. Einige Passanten nutzten die Gelegenheit, sich über Formen psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie zu informieren. Dabei wurden nicht nur theoretische Informationen vermittelt, sondern auch praktische Ratschläge gegeben – von der Frage, wie man mit Erkrankungen umgeht, bis hin zu Tipps, wie Betroffene und Angehörige Hilfe finden können.

Daneben lockte der Infostand mit handgefertigten Produkten, die in den Werkstätten der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten und der Tagesstätte „Buena Vista“ entstanden sind. Die angebotenen Artikel reichten von Deko, über komplexere Holzarbeiten bis hin zu selbstgebackenen Kuchen zum Mitnehmen. „In unseren Werkstätten arbeiten Menschen mit Behinderung praktisch unter Normalbedingungen und werden, angepasst auf ihre Bedürfnisse, eingebunden und betreut“, erklärte Laura Biedermann von der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten. Der Verkauf der Produkte stieß auf größeres Interesse bei den Passanten. Die 60 selbstgebackenen Törtchen und Kuchen waren am Ende des Wochenmarkts ausverkauft.

Das Thema „Psychische Gesundheit“ schien bei gesprächsbereiten Passanten auf dem Marktplatz vor allem Neugier zu wecken. „Im persönlichen Umfeld höre ich immer wieder von Depressionen und Burnout, aber wie man da am besten helfen kann, weiß ich einfach nicht“, sagte ein Rentner, der kurz am Stand verweilte. „Es ist gut, dass hier so offen darüber gesprochen wird.“

Die Organisatoren des GPZ zogen nach über drei Stunden eine positive Bilanz. „Wir freuen uns auf die vielen weiteren Veranstaltungen. Vielleicht ist das Interesse dann noch größer“, sagte Karin Kalenda. Das Programm der „Tage der seelischen Gesundheit“ wird am Dienstag, 1. Oktober, mit einer Lesung beim Diakonischen Werk in der Brettener Hermann-Beuttenmüller-Straße fortgesetzt.