Badische Zeitung Rheinfelden, Wiesental, 30.09.2024

 

Die Hilfsangebote müssen zu den Menschen kommen

Das Familienzentrum Oberes Wiesental in Schönau wurde am Sonntag mit einem Festakt eröffnet. Dort sollen Familien ein breites Unterstützungsangebot erhalten.

Schönau Mit einem Festakt wurde am Sonntag in der Neustadtstraße Schönau das Familienzentrum Oberes Wiesental eröffnet. Dieses wird Familien ein breites Unterstützungsangebot bieten, gut erreichbar im Zentrum von Schönau. Karin Racke, Geschäftsführerin im Diakonischen Werk Lörrach, konnte prominente Gäste an der gut besuchten Veranstaltung begrüßen.
Elke Zimmermann-Fiscella, Dezernatsleiterin für Soziales und Jugend im Landratsamt Lörrach, beleuchtete in ihrer Festrede den mehrjährigen Prozess der Entstehung des Familienzentrums. Die Bürgermeister Peter Palme aus Zell und Peter Schelshorn aus Schönau seien 2019 auf das Landratsamt zugekommen und hätten auf Probleme mit verhaltensauffälligen Jugendlichen und auch Straftaten hingewiesen. Bettina Stützle-Fischer – sie leitet das Team in der Außenstelle Soziale Dienste des Landratsamts in Schopfheim und ist zugleich stellvertretende Dezernatsleiterin – habe den Bedarf einer Sozialraumstrategie festgestellt. Es folgte die Bildung einer großen Steuerungsgruppe. Bürgermeister, Mitarbeiter des Landratsamts, Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft, die kirchlichen Träger Caritas und Diakonie sowie Akteure der Kreisjugendreferate hätten dieser angehört.
Im Fokus habe ein umfassender Blick gestanden, wie Kinder, Familien und junge Menschen im Oberen Wiesental leben. Ergebnis sei das Ziel eines frühzeitigen Erkennens von Problemlagen sowie ein frühzeitiges Eingreifen gewesen, nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen sei und man quasi nur noch mit der Jugendhilfe in Grenzen „reparieren“ könne. Vielmehr sollten mit Hilfe der Sozialstrategie des Landkreises gute Bedingungen für das Aufwachsen gestaltet werden. Eine Sozialraumanalyse habe eine hohe Quote an Bürgergeldempfängern ergeben. In der Kindheit erlebte Armut erhöhe das Risiko, später selbst Hilfen beziehen zu müssen. Kernpunkt der Sozialstrategie sei, dass Angebote zu den Menschen kommen müssten und damit nahe bei diesen seien. Die nun eröffnete zentrale Anlaufstelle mit ihrer träger- und einrichtungsübergreifenden Kooperation sei Hauptergebnis dieser Erkenntnisse.
Landesbischöfin Heike Springhart lobte, hier in Schönau blühe und wachse mitten im Ort, dort wo die Menschen Unterstützung bräuchten, Großartiges. Für gewöhnlich werde das Obere Wiesentals unterschätzt. Dies könne sie als Kind des Oberen Wiesentals sagen. Die Landesbischöfin stammt aus Böllen. Springhart betonte das Miteinander der verschiedenen Einrichtungen, das Voraussetzung für ein Gelingen sei. Irgendwann würden Menschen darauf zurückblicken können, hier als Kind ein sicheres Fundament für das Leben bekommen zu haben.
Schönaus Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Peter Schelshorn stellte noch mehr in Aussicht: Im Rahmen des vom GVV beschlossenen Umbaus der Buchenbrandhalle würden die bisherigen Kindergartengebäude frei. In diese komme dann nicht nur das Familienzentrum mit mehr zur Verfügung stehenden Räumen hinein, sondern auch das Jugendzentrum und das Migrationsbüro. Besonderes Lob fand er für das von ihm so bezeichnete magische Dreieck, bestehend aus Carolin Eichin – im Landratsamt zuständig für Jugendhilfeplanung, Sonja Steiger von der Diakonie und seine Mitarbeiterin Stefanie Föhrenbach. Ohne diese drei Personen gäbe es das heute eröffnete Projekt vermutlich nicht, so Schelshorn.
Für stimmungsvolle Umrahmung sorgte das aus Mario Enderle (Piano) und Nici Urschinger (Gesang) bestehende musikalische Duo Apricitiy.