Südkurier Stockach, 28.09.2024

 

Ehrentitel für Thomas Rink

Kantor wird zum Kirchenmusikdirektor ernannt Große Freude über Würdigung seines Einsatzes VON HARTMUT FERENSCHILD UEBERLINGEN.REDAKTION@SUDKURIER.DE

Überlingen/Stockach – „Und? Was bringt dieser Titel fürs Portemonnaie?“ Diese Frage sei ihm, nachdem die Auszeichnung in der Gemeinde bekannt wurde, öfters gestellt worden. Anfang September, beim Festgottesdienst zum Abschlusskonzert seines dritten Barockmusik- und Orgelfestivals in der Auferstehungskirche, gab Thomas Rink die launige Antwort: „Nichts“. Um sogleich hinzuzufügen, dass er sich doch außerordentlich freue, seine langjährige, oft auch reichlich Energie fordernde Arbeit als Kantor im Kirchenbezirk Überlingen-Stockach durch den Ehrentitel „Kirchenmusikdirektor“, kurz „KaEmDe“, gewürdigt zu sehen.

Zuvor hatte ihm Marc Witzenbacher, Prälat für den Kirchenkreis Südbaden und Vertreter der Landesbischöfin, die Ernennungsurkunde überreicht, für seine „herausragenden Leistungen“, wie es dort heißt. In seiner Laudatio verwies Witzenbacher auf die Diaspora-Lage, also die minderheitliche Situation der evangelischen Kirche in einem sehr überwiegend römisch-katholisch geprägten Umfeld.

Auch daran gemessen habe Rink in den vergangenen Jahren in seinem Bezirk Erstaunliches geleistet: etwa die größeren, gut etablierten Konzertreihen mit Passionen und Oratorien zu den großen Feiertagen, die Pflege vielfältiger Musikensembles und -chöre im Bezirk, die regelmäßige, verlässliche Bereicherung gottesdienstlicher Veranstaltungen, die musikalische Arbeit mit Kindern und nicht zuletzt „der von ihm maßgeblich mitverantwortete Orgelbau als bemerkenswerter Beitrag zum kulturellen Reichtum der Stadt und Region“; dies alles gepaart mit großem künstlerisch-pädagogischem Vermögen, Organisationskraft und „einer guten Portion Hartnäckigkeit“. Dekanin Regine Klusmann unterlegte ihre Glückwünsche mit einem prall gefüllten Präsentkorb. In seiner Dankesreplik ernannte Rink viele weitere „KaEmDes“, also die zahlreichen Unterstützer und Wohltäter im Bezirk, auf deren Schultern er manche Aufgabe abladen könne.

Was solches Engagement zuwege bringen kann, davon ließen sich die Besucher im voll besetzten Kirchenschiff beim Festgottesdienst gerne überzeugen. In dessen tönendem Zentrum stand Johann Sebastian Bachs 1724 komponierte Kantate „Sie werden Euch in den Bann tun“. Thematisch nimmt sie auf die frühe Christenverfolgung Bezug, und Prälat Witzenbacher entnahm dem Text Stichworte für seine Festpredigt. Musikalisch bot KMD Rink fast alles auf, was seine Kantorei zu bieten hat. Da war das Heinrich-Schütz-Consort, besetzt mit seit Jahren treuen Streich-, Blas- und Tasten-Instrumentalisten aus der Region. Und da war der Festivalchor, in dem sich Sänger aus diversen Ensembles von Thomas Rink, aber auch Neulinge aus dem Umland, zusammengefunden hatten.

Als typisch für die Strategie des Kantors war einerseits die historisch informierte Aufführungspraxis mit alten Instrumenten zu erleben, andererseits der Umstand, dass die von Bach vorgesehenen Solopartien der Kantate fast komplett von fortgeschrittenen Laiensängern des Heinrich-Schütz-Vokalensembles kompetent übernommen werden konnten.

Dies alles, wie Thomas Rink im Gespräch betonte, unter dem Motto: „Überschaubarer finanzieller Aufwand, überzeugendes Ergebnis“.

Zur Person

Thomas Rink wurde 1965 im Kanton Bern geboren. Ein musikalisches Elternhaus weckte früh eine Leidenschaft für die Musik, speziell für die Orgel. Nach der Matura im Kanton Glarus belegte er in Winterthur den Studiengang Pädagogischer Master im Hauptfach Orgel und Klavier und erwarb das Lehrdiplom für Orgelspiel. In Zürich schloss sich ein Aufbaustudium in Kirchenchorleitung an. Nach einigen Musikerstellen in der Nordschweiz konnte er sich 2010 unter 17 Bewerbern um das Amt des Bezirkskantors in Überlingen behaupten. Rink wohnt mit seiner Frau Doris in Herdwangen-Schönach; das Paar hat drei erwachsene Kinder.

Ein Schwerpunkt: In Überlingen erkannte Rink viel Aufbaupotenzial und legte seinen Schwerpunkt auf die Pflege der Barockmusik, in Abgrenzung zur in der Region bereits gut besetzten Szene der klassischen, größeren Oratorien-Ensembles.