Badische Zeitung Elztal, 26.09.2024

 

Sieben Räume für 27 Pfarrgemeinden

Bis zur Kirchenwahl 2025 soll die neue Rechtsform für den evangelischen Kirchenbezirk Emmendingen gefunden sein. Das ist nur ein Baustein des Strukturwandels. Dekan Schulze sagt, was ihm dabei wichtig ist.

Kreis EmmendingenMitten im Strukturwandel befindet sich der evangelische Kirchenbezirk Emmendingen - und langsam werden die neuen Formen auch sichtbar (siehe BZ vom 10. März 2023). In den Dienstgruppen der sieben Kooperationsräume erstellen die Pfarrerinnen und Pfarrer derzeit ihre Dienstpläne. „Wir werden da jetzt zwar anders sortiert sein, aber unser Ziel bleibt, sonntags mindestens einen Gottesdienst in jedem Kooperationsraum abzuhalten“, nennt Dekan Rüdiger Schulze den kleinsten gemeinsamen Nenner. Natürlich kann es vorkommen, dass der traditionelle Gottesdienstbesucher am Sonntagmorgen mal vor den verschlossenen Türen seiner Kirche steht. „Ist das der Fall, sollte dort in der Woche drauf wieder ein Gottesdienst abgehalten werden“, so Schulze weiter. Er nennt als Beispiel Bleichtal, wo die Gemeinden bereits seit vielen Jahren kooperieren, aus seiner Sicht ein bewährtes Modell. Auch Keno Heyenga, Pfarrer in Weisweil und für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk Emmendingen zuständig, sieht die Akzeptanz in der Gemeinde: „Viele verstehen, dass sich etwas verändern muss und tragen die Entscheidung mit. Darüber hinaus bieten wir ja neben dem traditionellen Sonntagmorgengottesdienst auch neue Formate an, die gerne von den Gemeindemitgliedern genutzt werden. Und an ihnen sind die älteren Menschen genauso interessiert und freuen sich, das ein oder andere neue Gesicht in ihrer Kirche zu sehen.“ Nicht zuletzt sei da Corona so etwas wie der Innovationsbeschleuniger gewesen. „Gerade im Bereich soziale Medien erreichen wir mit kürzeren Formaten junge Gemeindemitglieder, einfach weil sie die Medien nutzen, aber auch Ältere, die aus verschiedenen Gründen den Weg zur Kirche nicht auf sich nehmen können“, sieht Heyenga auch da eine gesunde Mischung im Publikum.
25 Pfarr- und 2,5 Diakonstellen verteilen sich derzeit auf die 27 Pfarr- und Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Emmendingen. Darüber hinaus wird mit Pfarrerin Irene Leicht die Seelsorge im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen (ZfP) fortgesetzt. Sie löst Pfarrer Volker Lang ab, der dort 13 Jahre tätig war und im August in den Ruhestand verabschiedet wurde. Auch in der BDH-Klinik Elzach ist die evangelische Kirche mit einem Diakon vertreten. „Eine 0,65-Prozent-Stelle, die wir vor wenigen Jahren eingeführt haben. Auch sie wird bleiben“, sagt der Dekan. Rüdiger Schulze freut sich besonders darüber, dass nach einem Jahr Vakanz mit Katrin Hagen eine neue Bezirksjugendreferentin am 1. September ihre Arbeit aufgenommen hat: „Eine Stelle, die ohne Kürzung auf zehn Jahre festgeschrieben ist. Das ist nach langen Verhandlungen so auch Konsens mit der Landeskirche.“
Nach wie vor arbeiten sich die Gemeinden an der zukünftigen Rechtsform ab. Die Zeichen stehen auf Fusion, wenn auch in verschiedenen Abstufungen, etwa mit eigenständigen Orts- oder Thementeams. „Wichtig sind uns hier die individuellen Themen vor Ort“, verdeutlicht Schulze, dass der Inhalt immer über der Form steht: „Zum einen sollten die Alleinstellungsmerkmale der Orte erhalten bleiben und man muss wissen, wer vor Ort der Ansprechpartner ist. Von daher sind die doch relativ kleinen Kooperationsräume gut, weil es dadurch auch übersichtlich bleibt.“ Dekan Schulze denkt da nicht zuletzt an die anstehende Kirchenwahl 2025, bei der bestenfalls in die neue Rechtsform reingewählt wird. Im Kleinen fusionieren am 1. Januar 2026 die vier Elztäler Kirchengemeinden zu einer. „Und werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach evangelische Kirchengemeinde Zweitälerland nennen“, verrät der Dekan.
Und, auch das steht fest, wird es weitere Personalkürzungen geben: Bis 2032 fallen weitere drei Pfarrstellen weg, bis 2036 nochmals vier. In der Praxis sieht das so aus, dass ausgeschriebene Stellen befristet werden, Stellen aufgrund von Ruheständen nicht wieder besetzt werden. So auch, wenn sich Pfarrer umorientieren und die Gemeinde verlassen. Stellen werden abgebaut, die Aufgaben laufen weiter: Sitzungen, Verwaltung, kasuale Amtshandlungen, Konfirmandenunterricht – auch das muss mit weniger Personal in den Gemeinden weiterlaufen. Abfedern wird dies ab dem 1. Oktober ein Pfarrer im ständigen Vertretungsdienst. „Raimund Fiehn aus Lahr wird zu uns als Springer-Pfarrer kommen. Er wird beispielsweise in Köndringen und Mundingen die Gottesdienste und Gremienarbeit übernehmen, in Riegel, Endingen den Konfirmandenunterricht und in Emmendingen bei Beerdigungen unterstützen“, nennt Schulze einige Bereiche. Die Nachfolge von Irene Leicht in der evangelischen Stadtkirche tritt nach einem Jahr Vakanz am 1. September 2025 Pfarrer Gero Albert aus Eberbach an.Ulrike Sträter