Badische Zeitung Bad Säckingen, 24.09.2024

 

Pfarrer-Ehepaar hinterlässt sehr große Fußstapfen

Ursula und Martin Schmitthenner wurden in einem feierlichen Abschiedsgottesdienst in der evangelischen Stadtkirche verabschiedet. Das Pfarrer-Ehepaar zieht es nach Breisach.

SCHOPFHEIM Ein größerer Beweis der Beliebtheit des Pfarrer-Ehepaares Martin und Ursula Schmitthenner wäre wohl nicht möglich gewesen: Zum feierlichen Abschiedsgottesdienst strömten die Freunde, Weggefährten der politischen Gemeinde, Kollegen der katholischen Seelsorgeeinheiten und viele Gläubige der Kirchengemeinde in die evangelische Stadtkirche. Die Kirche erwies sich mit ihrem Fassungsvermögen genau richtig, kaum eine Bank blieb unbesetzt.
Pfarrer Martin Schmitthenner und seine Frau Ursula, die als Diakonin tätig war, sind seit zehn Jahren in Schopfheim tätig. Nun scheidet Martin Schmitthenner aus dem aktiven Kirchendienst aus, er bleibt trotzdem ordinierter Pfarrer mit allen Befugnissen. Diakonin Ursula Schmitthenner war auch in der kirchlichen Frauen- und Seniorenarbeit sowie für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirchengemeinde zuständig. Sie war Initiatorin des höchst erfolgreichen „Wärmenden Mittagessens“ und der Veranstaltungen von „Women’s Night“. Martin Schmitthenner feiert am Dienstag seinen 66. Geburtstag , Ehefrau Uschi, 64 Jahre alt, hat noch ein Sabbatjahr zu absolvieren. Viel Gelegenheit zum Feiern wird es zum Geburtstagsfest wohl nicht geben: Am Tag nach dem Abschiedsgottesdienst erfolgt der Umzug in eine neue, altersgerechte Wohnung in Breisach. Die Kisten sind gepackt und die Umzugsfahrzeuge sind bestellt.
Im Gottesdienst kam durch die Kirchenältesten deutlich zum Ausdruck, wie sehr man das Ausscheiden der Eheleute bedauert – und dass sehr große Fußstapfen hinterlassen wurden. Martin und Uschi Schmitthenner vermittelten in einer kurzen Sprechmotette ebenfalls ihre Beweggründe zum Abschiednehmen, ihren ganz natürlichen Zweifel an der Veränderung, aber auch die Zuversicht und Freude für die Zukunft. Martin Schmitthenner sagte: „Ich werde die Menschen vermissen, die Fragen an mich gerichtet haben, ich werde vieles vermissen, auch die Gemeindefeste.“ Dennoch freut er sich nach einem erfüllten Berufsleben auf Zeit für Hobbys, ebenfalls vergrößert sich derzeit die Familie. Er sagte: „Alles hat seine Zeit, jeder Abschied und jeder Neuanfang. Manchmal war ich am Rand meiner Kräfte – und manchmal auch unterfordert.“ Auch Ursula Schmitthenner reflektierte das Loslassen.
Martin Schmitthenner, als musikalischer Pfarrer manchmal mit seinem Akkordeon im Gottesdienst zugange, erwähnte das Gleichnis des Stückes von Udo Jürgens „Mit 66 Jahren“. Er sagte: „Das Leben ist nicht erst mit 66 Jahren formbar.“ Es würde aus geraden Wegen, Feldwegen, kurzen oder langen Wegen, Sackgassen, ausgetretenen Pfaden, gemütlichen Sitzbänken, aber auch gefährlichen Kreuzungen bestehen.
Dekanin Bärbel Schäfer händigte Martin Schmitthenner die Entlassurkunde aus. Sie sagte: „Ihr habt die Gemeinde als Tandem aufgebaut und gestaltet.“ Und weiter meinte sie: „Euer theologischer Leitstrahl war der Friede Gottes.“ Das Ehepaar habe in der Gemeinde Aktivitäten von großer Leuchtkraft wie „ein Feuerwerk“ entfacht. Die Dekanin schmunzelte: „Wir kannten Martin auch mit seinem Akkordeon bei vielen Gottesdiensten. Gerne hätte ich einmal auf seinem Akkordeon gespielt.“ Dieses sei jedoch jetzt in Umzugskartons verpackt.
Dank und Anerkennung kam auch von Karin Racke vom Diakonischen Werk im Landkreis Lörrach für Bezirksdiakoniepfarrer Schmitthenner. Er erhielt als Anerkennung das Goldene Kronenkreuz der Landeskirche Baden. Von der Theologin Beate Schmidtgen von der Evangelischen Erwachsenenbildung im Oberkirchenrat wurde Diakonin Ursula Schmitthenner mit der Goldenen Ehrennadel der Landeskirche ausgezeichnet.
Die Segnung der Eheleute erfolgte durch Dekanin Schäfer. Im Halbkreis hatte hierzu der Ältestenrat des zukünftigen Kooperationsraumes von Schopfheim, Fahrnau und Gersbach Aufstellung genommen. Der Kooperationsraum startet offiziell zum neuen Jahr.