Auch die Orgel muss gereinigt werden
Peter DietrichPfarrer Müller und Kirchengemeinderatsvorsitzender Büchler informieren über Kirchensanierung und das Pfarrhaus
Im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde Bauschlott hat am Sonntagmorgen nach einem gut besuchten Gottesdienst eine ebenfalls gut besuchte Gemeindeversammlung stattgefunden. Für Matthias Büchler, den Vorsitzenden der Gemeindeversammlung, war es die letzte, da er sich nicht mehr zur Wahl stellte. Für ihn rückt Karin Keller-Schwarz nach. Stellvertreter Roland Bauer war bereit, weiterzumachen. Beide Kandidaten erhielten ein einstimmiges Votum.
Informationen gab es vom Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Björn Kraus, und Pfarrer Holger Müller vor allem zur Sanierung der Kirche (wie berichtet) und zur Nutzung des Pfarrhauses. Seit dem Spendenaufruf für die Kirche beim Angerfest im Juli dieses Jahres sind bis Ende August schon fast 24.000 Euro an Einzelspenden eingegangen.
Die Gesamtkosten für die Sanierungsarbeiten belaufen sich auf rund 700.000 Euro, wovon die Kirchengemeinde Bauschlott die Hälfte selbst aufbringen muss. Die restlichen 350.000 Euro werden durch die Badische Landeskirche finanziert. Den Baubeginn genehmigt sie aber erst, wenn sie den Finanzierungsanteil der Kirchengemeinde für gesichert hält. Dazu bedarf es weiterer Zuschüsse aus Drittmitteln, wie zum Beispiel Bauprogramme aus Land und Bund. Um diese aber nicht zu verwirken, dürfen die beantragten Maßnahmen meistens erst begonnen werden, nachdem sie den Zuschlag erhalten haben. In einer ersten Phase soll der Untergrund unter dem Kirchenschiff verstärkt werden, was danach einige Monate ruhen muss, bis im Innern die gerissenen Bögen über der Empore mittels Metallankern zur Stabilisierung verspannt werden können.
Die Kommune hat um die Kirche herum zwei Bäume gefällt, deren Wurzelwerk auch zur Austrocknung des festen Lehmgrundes unter dem Langhaus beigetragen haben könnte. Wie der Geistliche mitteilte, sei beim Bau der Kirche keine Erde aufgefüllt worden, sondern es gebe hier nur gewachsenen Boden.
Die weiteren Kosten schlagen mit rund 100.000 Euro zu Buche, die in den 700.000 Euro enthalten sind: Nach der erforderlichen Einhausung während der Sanierungsarbeiten im Kircheninneren muss die Voit-Orgel von 1882 nach 40 Jahren dringend ausgereinigt und neu gestimmt werden, um sie auch wieder für Konzerte nutzen zu können. Zudem ist eine Sanierung des 1950 erbauten Glockenstuhles im 28 Meter hohen Turm überfällig. Vor allem sind die Klöppel zu erneuern. Um Schäden durch die Schwingungen der Glocken zu vermeiden, sei es besser, die Metallkonstruktion gegen eine neue aus Eichenholz auszutauschen.
Die Erfahrungen von Pfarrer Müller mit Bauangelegenheiten in seinen bisherigen Gemeinden kommen jetzt auch der Kirchengemeinde Bauschlott zugute. Die Kirche soll außer für Gottesdienste künftig auch für Kultur und Bildung genutzt werden, weshalb im Inneren des Gebäudes die Elektrik, Beleuchtung und Beschallung modernisiert werden müssen. Die Erweiterung der Nutzung soll dann wiederum weitere Zuschussanträge ermöglichen.
Eine klimaneutrale Sanierung des Pfarrhauses bis 2045, nach den Vorgaben der Landeskirche sogar schon bis 2040, würde sich auf rund 800.000 Euro belaufen, was für die Kirchengemeinde nicht zu stemmen sei, hieß es. Das Gebäude wurde daher an die Gemeinde Neulingen vermietet, die für rund 50.000 Euro in den zwei Obergeschossen die Bäder und die Küche saniert, gefliest und alle Zimmer frisch gestrichen und mit möbliert hat. Hier soll Wohnraum für Familien entstehen, bis zu 15 Personen könnten im Bauschlotter Pfarrhaus unterkommen. Der Keller und das Dachgeschoss werden weiterhin vom Pfarramt genutzt.
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