Im Zeichen des Weihnachtssterns
Kultur: Sonja Miranda-Martinez, Bianca Schütz und Carsten Klomp begeistern in der Wertheimer Stiftskirche
WERTHEIM. Weihnachtliche Musik aus drei Jahrhunderten hat es am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Wertheimer Stiftskirche gegeben. Für die Sopranistin Sonja Miranda-Martinez und die Altistin Bianca Schütz ging es, begleitet vom Bezirkskantor Carsten Klomp, dabei chronologisch durch drei Jahrhunderte.
Der rote Faden war Johann Sebastian Bach. Seine Musik schien selbst auf - und später als Zitat bei dem zeitgenössischen US-Kompositeur Jay Althouse. Für Bach-Freunde lugte er auch zwischendurch immer mal direkt und indirekt hervor - auch an unerwarteter Stelle. So gehörte Heinrich von Herzogenberg (1843 bis 1900) in die Musikauswahl. Herzogenberg hatte immer darauf geachtet, den großen, aber verblassten Evangelischen auf den Schirm seiner Zeitgenossen zurückzubringen.
Mit einer kleinen Predigt
Komplimente gilt es nicht nur der überlegten Musikauswahl zu machen, sondern auch den Sängerinnen sowie dem Organisten und Pianisten Carsten Klomp, der es bestens verstand, den Damen immer wieder Raum zum Glänzen zu lassen. Die Hausherrin, Dekanin Wibke Klomp, flocht eine kleine Predigt ein. Sie lud dazu ein, es mit Vergebung zu versuchen. Halt und Zuversicht könnten dabei nicht schaden, sagte sie.
Zu begrüßen galt es eine Kirche voller Menschen, »die sich hier und da etwas schwertun mit dem Halleluja und dem Frieden«, so hatte Wibke Klomp es gesagt. Einer, der das Gute hübsch in Klang fassen konnte, war der erste und älteste der ausgewählten Komponisten, der 1637 jung verstorbene Heinrich Grimm. Der Auszug aus seinem Weihnachtskonzert war eine schöne Bühne, um Sopran und Alt sowie die Orgel vorzustellen.
Die Schalmei spitzt heraus
Klassisch weihnachtlich auch der kurz nach Grimms Tod geborene Johann Wolfgang Frank. Das Hauptding für Bach-Freunde war sicher die kleine F-Dur-Pastorale, in der Bach musikalisch die Hirten ins Zentrum der volkstümlichen Weihnacht stellt - ein Orgelstück. In der Aria hörte man die Hirten Flöte spielen, die Gigue hatte Carsten Klomp so registriert, dass die klagende, heute total unmoderne Schalmei herausspitzte. Das war versierte Profiarbeit, das Stück hatte der emeritierte Musikprofessor Klomp keinesfalls zufällig gewählt.
Zeitsprung Richtung Gegenwart
Danach folgte der Zeitsprung: Josef Rheinberger, Herzogenberg, dann Max Reger und dessen »Weihnachtsrenner« von Mariä Wiegenlied, der ganz nebenbei viel berechtigten Beifall für Miranda-Martinez und Schütz evoziert hat.
Mit dem Bachzitat des Amerikaners Jay Althouse war man dann mitsamt Ave-Maria-Anklängen im Hier und Jetzt angekommen. Es folgten im Anschluss noch weitere Zeitgenossen wie der postmoderne Engländer John Rutter, Bob Chilcott und arrangiertes Volkstümliches aus Frankreich und England.
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