Südkurier Überlingen, 27.12.2024

 

Krippenspiel auf moderne Art

Junge Christen organisieren traditionelle Veranstaltung Viele Besucher kommen zu Aufführung ins Gwandhaus Dieses Mal schlüpfen 30 Kinder in 36 Rollen VON LORNA KOMM UEBERLINGEN.REDAKTION@SUEDKURIER.DE

Hagnau/Stetten – Wenn Josef und Maria mit einer Tüte Chips auf dem Sofa vor dem Fernseher chillen, der die Daily-Soap „Bethlehem, Tag und Nacht“ bringt, unterbrochen vom Teleshoppingkanal mit Werbung für Jesuslatschen eines bekannten Sandalenherstellers – dann ist Krippenspielzeit des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Stetten angesagt.

Viele Besucher sind zu dem traditionellen Krippenspiel – Stallweihnacht genannt – in das Hagnauer Gwandhaus gekommen. In dem von Katharina und Christian Engel selbst geschriebenen Stück geht die Sendung weiter, mit der täglichen Ansprache in der Flimmerkiste, aus der das Paar von der Volkszählung erfährt. Und da Marias Hebamme sowieso zu mehr Bewegung geraten hat, machen sich Josef und Maria auf zu ihrer Herbergssuche im fernen Bethlehem. Derweil diskutieren die Hirten über die neu eingeführte Abwrackprämie von fünf Schafen im Tausch gegen einen Esel – wegen der besseren E-selmobilität, während die Marktfrauen über Versorgungsengpässe und die Preise von frischem Obst lamentieren. Es finden sich viele weitere Hinweise und auch versteckte politische Kritik an modernen Zeiten, überwiegend jedoch harmlos verwendete aktuelle scherzhafte Wendungen, wie über den bekannt „lebensbedrohlichen Männerschnupfen.“

Und auch wenn die Kinder sich auf dem Marktplatz in Betlehem mit Zuckerwatte vollstopfen, während orientalisch gewandete Gauklerinnen auf bunten Medizinbällen jonglieren, wird die Geschichte der Heiligen Nacht mit all ihren Botschaften dennoch ernsthaft verbreitet. So fragt ein Hirtenkind den weisen Opa, wie man denn Gottes Wort hören könne. Dieser erklärt: „Geduldig sein und in die Antwort hineinleben.“ Das Fazit zum Abschluss lautet „Gott führt uns auf allen Wegen. Macht den Schritt zur Krippe. Es ist so weit.“

Mit dem gemeinsam von den Akteuren und Zuschauern gesungenen „Oh, du fröhliche“, endet das Krippenspiel unter viel Applaus. Den hat es auch vor Beginn des Stückes schon reichlich gegeben. Zum einen, als jedes Kind sich namentlich und mit dem Rollennamen vorstellt. Zum anderen, als Katharina Engel ihr Team vorstellt und mit ihrem Bruder und Mitautor des Stückes musikalisch mit Gesang und Gitarrenbegleitung den Abend eröffnet. Selber habe sie gar nicht alles gesehen, sagt Engel, denn die Leitung lag bei Regisseurin Rebecca Rist mit Luisa Brink, Leonie Mantz und Lucas Engel.

Katharina Engel holt aber auch all die Jugendlichen auf die Bühne, die ansonsten für die Aufführung tätig waren, etwa bei Technik oder Bühnenaufbau, oder die das ganze Jahr über bei Freizeiten oder Gruppenaktivitäten verantwortlich waren. 23 junge Erwachsene treten vor. „Ich bin sicher, es haben sich nicht alle vor getraut“, sagt Katharina Engel und ergänzt: „Da sage noch mal einer, dass die jungen Menschen heute faul sind. Hier ist der Beweis des Gegenteils“, lobt sie die Mitwirkenden.

Hinter den Kulissen

Wegen Erkrankungen haben dieses Mal 30 Kinder 36 Rollen gespielt, teils in Doppelfunktion. Und 17 Engel unter acht Jahren haben die Darsteller beim Singen von Weihnachtsliedern unterstützt. Die Technik und die Bühnenbilder wurden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verantwortet, teils mit Unterstützung von Eltern. Zahlreiche Spender unterstützten das Krippenspiel auch durch Malerarbeiten oder Kinderkleidung. Oder mit Brötchen und Wein für den anschließenden Hock mit Flohmarkt.