Südwest Presse Ulm, 24.12.2024

 

Gott finden mit Pop und Whiskey-Tasting

Glauben Immer weniger Menschen lassen sich in den Gottesdiensten sehen. Um das zu ändern, lassen sich Kirchen einiges einfallen.

dpa

Karlsruhe. Missbrauchsskandale, zu wenig Rechte für Frauen, keine Lust, Kirchensteuer zu bezahlen – die Gründe, warum immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren, sind vielfältig. Kirche und Kirchengemeinden stemmen sich mit ungewöhnlichen Aktionen gegen den Trend.

Der erste Taylor-Swift-Gottesdienst mit Songs des Megastars im Mai war schon ein Renner, nun wartet die Heiliggeistkirche in Heidelberg 2025 erneut damit auf. Unter dem Motto „Take me to Church, Taylor!“ startet die Neuauflage am 16. März 2025. Der Gottesdienst werde aber mit anderen Liedern des Popstars und anderen Texten gestaltet, sagt eine Sprecherin der Evangelischen Landeskirche Baden.

Nicht nur Händefalten, sondern Köpfe rhythmisch schütteln – darum geht es 2025 im Mai und Dezember bei zwei katholischen Headbanger-Gottesdiensten zu Metal-Musik in Obergrombach (Kreis Karlsruhe). Für die Erzdiözese Freiburg sei es wichtig, in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft ein möglichst vielfältiges Gottesdienst-Angebot zu haben, betont ein Sprecher.

In Tübingen sei wieder ein Gottesdienst für Schwangere geplant, berichtet ein Sprecher der Evangelischen Landeskirche Württemberg. „Wir ermutigen unsere Gemeinden sehr, neue Wege zu gehen und eigene Konzepte zu entwickeln.“ Längst üblich seien Nachteulen-Gottesdienste wie in Ludwigsburg und Nachtschicht-Gottesdienste wie in Stuttgart.

Christen, bewegt euch – und zwar beim Streetdance-Gottesdienst „God is a dancer“ – heißt es ebenfalls in der Heiliggeistkirche Heidelberg. Das Event soll im Rahmen der Tanzbiennale am 2. Februar in der 600 Jahre alten gotischen Kirche stattfinden. „Es wird direkt in der Kirche getanzt und performt“, sagt Pfarrer Vincenzo Petracca. Tänzerinnen und Tänzer messen sich mit anderen und werden von Profis beurteilt.

In Pforzheim gibt es diverse Angebote der Citykirche: etwa ein Rudelsingen von Friedensliedern in der Schlosskirche am Gründonnerstag (17. April). Oder die Aktion „Mahl ganz anders“ in der Fußgängerzone sowie einen Tiergottesdienst unter dem Titel „Vier Pfoten für ein Halleluja“. Im zweiten Halbjahr 2025 soll ein Bibel- und Whiskey-Tasting den Weg zu Gott ebnen – notfalls in Schlangenlinien.

Nach einem Jahr Pause findet 2025 in einem Stadtteil von Boxberg (Main-Tauber-Kreis) wieder ein Ortsfunk-Gottesdienst statt. Der Gottesdienst wird dabei über Lautsprecher in die Gassen übertragen und die Lieder von einer Klarinettistin begleitet.

Ziemlich trendy: Eine fahrbare Kirche im Stil eines Tiny House macht sich auf den Weg zu den Gläubigen. In Hinterzarten (Breisgau-Hochschwarzwald) gibt es das schon als Schäferwagenkirche. Und in Karlsruhe entsteht eine Tiny-Music-Church, eine Holzkirche auf Rädern.
dpa