Sie helfen den Ärmsten
Diakonie berichtet über Obdachlosigkeit im Ort Betroffene sind meist schwer zu erreichen VON CLAUDIA LADWIG STOCKACH.REDAKTION@SUEDKURIER.DEBodman-Ludwigshafen – Die wirtschaftliche Lage ist seit geraumer Zeit schwierig, doch das Thema Obdachlosigkeit ist schon viel länger in der Mitte der Gesellschaft angekommen. In der letzten Sitzung vor Weihnachten landete das Thema nun auch auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Dabei wurde deutlich: Obdachlosigkeit ist teils offensichtlich, teils unsichtbar, denn nicht jeder Obdachlose lebt auf der Straße. Die Gemeinden sind als Ortspolizeibehörden verpflichtet, diesen Menschen eine Unterkunft bereitzustellen.
In Bodman-Ludwigshafen ist eine Betreuung seitens der Verwaltung nicht möglich, da sie über keine eigenen Sozialarbeiter verfügt. Diese Aufgabe ist beim Landkreis angesiedelt und findet über verschiedene Angebote wie Integrationsmanagement und Sozialberatung statt. Am See-Ende besteht zur Betreuung obdachloser Menschen seit 2018 eine Zusammenarbeit mit der Diakonie. Der Vertrag wurde 2023 bis Ende 2025 verlängert. Pro Jahr entstehen der Gemeinde hierfür Kosten in Höhe von rund 20.600 Euro.
Diakonie-Geschäftsführer Christian Grams und Sylvia Goede, die zuständige Mitarbeiterin, berichteten im Gemeinderat über das vergangene Jahr. Beide bedankten sich für die Weiterführung der Kooperation und das Vertrauen in ihre Arbeit. Es handle sich um eine sehr schwierige Tätigkeit mit einer schwierigen Klientel, die man mit Fingerspitzengefühl angehen müsse. Grams lobte den guten Draht zur Gemeinde. Sylvia Goede betreut aktuell insgesamt fünf Personen in vier Parteien, drei in einem Gebäude der Gemeinde in der Sernatinger Straße in Ludwigshafen, eine in der Kaiserpfalzstraße in Bodman. Zwischen Oktober 2023 und September 2024 gab es einen Wechsel, als eine Frau rausging und zwei neue hinzukamen. Sie erklärte: „Die Klienten bringen viele Probleme mit, unter anderem verschiedene Krankheitsbilder. Sie sind nicht offen und zugänglich. Ich muss immer wieder versuchen, Kontakt aufzunehmen.“ Bei einer Person, die sie von Beginn an begleite, sei es nun gelungen, dass sie eine regelmäßige Beratung annimmt.
Alwin Honstetter (CDU) fragte nach weiteren Zahlen: „Wie viele Obdachlose konnten zurück ins normale Wohnen und Leben?“ In den vergangenen Jahren habe sie immer eine Partei in eine reguläre Wohnung zurückführen können, so Sylvia Goede. Es habe auch Wechsel aufgrund anderer Umstände gegeben, etwa, wenn jemand ins Zentrum für Psychiatrie eingewiesen wurde oder in ein Seniorenheim kam. Im laufenden Jahr sei ihr keine Rückführung gelungen. „Langjährige Klienten wollen gerne in der Region bleiben, am liebsten in Ludwigshafen. Dort sind sie sozial verortet und haben ein Netzwerk. Aber je kleiner der Radius ist, in dem wir suchen, desto schwieriger“, erklärte sie.
Alessandro Ribaudo (CDU) hakte nach: Wenn der Sinn und Zweck die übergangsweise Unterbringung ist, müsse es doch darum gehen, die Menschen möglichst schnell zurückzubringen. „Wir leisten uns 20.600 Euro im Jahr für vier Parteien. Diese Summe finde ich schon extrem.“ Christan Grams nannte vorrangig Personalkosten als Grund. Und Sylvia Goede antwortete, gerade die Fälle, in denen es nicht bei einer Notunterkunft bleibe, seien am schwersten in eine normale Wohnung zu überführen. Sie versuche immer, möglichst früh in Fälle einzusteigen und auch diejenigen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, mitzubetreuen. Es sei sehr zeitintensiv, herauszufinden, welche anderen Optionen es gibt.
Momentan betreue sie jedoch keinen präventiven Fall, sagte sie auf Nachfrage von Erika Zahn (ÖDP). Die erkundigte sich, ob Betroffene von diesem Angebot wüssten. Wenn man etwas in der Richtung höre, könne man die Personen darauf hinweisen, so Goede, die bei Bedarf Unterstützung innerhalb der Diakonie, aber auch durch die Schuldner- und Schwangerschaftsberatung und das soziale Netzwerk des Landkreises erhält.
Details zur Arbeit
Sylvia Goede sagte in der Gemeinderatssitzung, sie habe im Berichtszeitraum 94 Gespräche geführt. Hinzu kamen 88 Telefonate und Mails sowie unzählige Kontakte über verschiedene Nachrichtenkanäle. Mit externen Stellen wie Krankenkassen, dem Jobcenter, gesetzlichen Betreuern oder der Polizei habe sie 135 Mal telefoniert. Außerdem habe sie die Begleitung zum Amtsgericht übernommen und sich darum gekümmert, Lebensmittelgutscheine zu organisieren.
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