Badische Zeitung Lörrach, Weil am Rhein, 23.12.2024

 

Kirche ist woanders unterwegs

Auf dem Hauptfriedhof, in einem Zirkuszelt, Wohngebiet und in der Otilienkirche in Tüllingen ist die evangelische Kirche Lörrach an Heiligabend unterwegs. Das Konzept ist aus der Not geboren, aber reizvoll.

Lörrach
Die evangelische Kirchengemeinde Lörrach hat ihr Programm „Kirche unterwegs“ für Heiligabend angepasst. Die Gemeindemitglieder haben für vier ungewöhnliche Veranstaltungsorte besondere Feiern organisiert. Pfarrerin Gudrun Mauvais von der Lörracher Gemeinde Campus Stadtkirche, ihre Praktikantin Carolin Hauber und Bernd Rosin, Leiter des dortigen Leitungsteams, stellten am Donnerstag in Stetten den neu gestalteten Ablauf des im vergangenen Jahr notgedrungen entwickelten, aber reizvollen Konzepts vor. Denn die Stadtkirche wird immer noch saniert und kann wieder nicht genutzt werden.
Bei der ersten Ausgabe vor einem Jahr seien die Planung und Veranstaltungen noch etwas schwierig gewesen, erinnerte Gudrun Mauvais, „nun ist es für uns aber schon gewohnt“. Die Pfarrerin ist trotz der hohen Beanspruchung an Weihnachten gelassener als sonst und führt das auf ihre Praktikantin Carolin Hauber zurück. Nach ihrem Abitur verbringt sie einen Monat mit ihr, um den Beruf kennenzulernen. „Sie ist bei allem dabei“ und sei ihr eine große Hilfe, freute sich Mauvais.
Hauber schrieb mit Bianca Junker und Mauvais das Krippenspiel fürs Zelt der Dieter-Kaltenbach-Stiftung, das mit Gottesdienst- und Zirkuselementen wie Direktor, Clown und Jonglage gestaltet wird. Es soll auch Menschen zum Besuch anregen, „die sonst nicht kommen“, sagte Mauvais. Tobias Melcher (Gitarre) und Andreas Grimm (Posaune) spielen die Musik dazu. Zwölf Kinder und Jugendliche treten im Zelt des Zirkus Kaltebastra auf. Die Sitzbänke für 150 Besucher werden wie in einer Manege rund aufgestellt. Das Trapez wird hochgehängt, „aber sonst passen wir uns dem Ort und den Menschen an“, beschreibt Mauvais, was zu erwarten ist. 2023 hat es dort bei „Kirche unterwegs“ klassische Musik gegeben.
Neu ist auch das Angebot in der Kapelle auf dem Hauptfriedhof mit Gesprächen, Punsch und Plätzchen. Dazu laden Pfarrerin Miranda de Schepper und die Segensstelle Schlüsselmoment des evangelischen Kirchenbezirks Markgräflerland ein. Bei der von Beatrice Kaltenbach-Holzmann im Vorjahr initiierten Andacht auf dem Leuselhardt gibt es diesmal kein Glockenspiel, aber viel Gesang. Die Christmette zog nach Tüllingen, die zum Kooperationsraum der Kirchengemeinde Lörrach gehört, weil die Johanneskirche der Gemeinde nicht zur Verfügung steht.
Das Krippenspiel im Pfarrgarten war vor einem Jahr im Freien aufgeführt worden. Das Deutsche Rote Kreuz half damals mit einem Zelt aus, um bei dem Regen die Technik zu schützen.Peter Gerigk