Pforzheimer Kurier, 19.12.2024

 

Ein Gotteshaus im Weihnachtstrubel

Nico Roller

Mitten auf dem Mittelaltermarkt gibt es eine kleine Kirche – Pastoren und Ehrenamtliche bieten einen Ort der Einkehr

Pforzheim. An dampfenden Töpfen läuft man vorbei, an knisternden Feuern und rauchenden Schornsteinen, ehe man inmitten von Hütten und Zelten ein Gebäude entdeckt, auf dessen Dach ein großes Kreuz thront. An einer zentralen Stelle des Mittelaltermarkts, zwischen kulinarischen Leckereien und Handwerkskunst, steht eine kleine, aber feine Kirche aus Holz.

Mehrere Gemeinden der Evangelischen Allianz haben sich zusammengetan, um den Menschen in der stressigen Vorweihnachtszeit einen Ort der Ruhe und der Einkehr zu bieten: einen geschützten Rahmen, in dem sie Wertschätzung und Unterstützung erfahren können.

„Man merkt, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe in einer Zeit der Unsicherheit sind“, sagt Bastian Wellhöfer. Der Jugendpastor der früher als Volksmission bekannten Gemeinde Via ist schon an vielen Tagen von morgens bis abends vor Ort gewesen und hat dabei viele intensive Gespräche geführt. Manchmal so viele, dass er die Kirche über Stunden nicht verlassen hat.

Er weiß, dass es oft schon ausreicht, den Menschen zuzuhören, ihnen Aufmerksamkeit und Beachtung zu schenken. „Wenn man dann noch ein gutes Wort oder ein Gebet hat, dann ist tatsächlich schon viel geholfen.“ Schon ein paarmal hat Wellhöfer erlebt, dass Menschen so berührt waren, dass ihnen die Tränen gekommen sind. Für ihn ein schönes Bild, das gut in die Weihnachtszeit und die mit ihr verbundene Botschaft passt.

Der Jugendpastor und seine Kollegen wollen für die Menschen da sein, auch für solche, die Nöte, Sorgen oder Probleme plagen. In der Kirche auf dem Mittelaltermarkt ist die Vielfalt der Themen groß. Sie reicht von Schwierigkeiten im Berufsleben bis zu privaten Konflikten.

„Porta Caeli“, zu Deutsch „Himmelspforte“ steht auf einem großen Schild über dem Eingang. Den liebevoll eingerichteten und dekorierten Innenraum haben engagierte Ehrenamtliche aus den Mitgliedsgemeinden der Evangelischen Allianz gestaltet, inklusive der dort hängenden Bilder. Während er als Ort für Gespräche und Gebete dient, brennt draußen in einer Schale ein Feuer, das zum Aufwärmen einlädt.

Jeden Tag sind neben den Pastoren der Gemeinden auch zahlreiche Ehrenamtliche vor Ort, die sich in ihrer Freizeit engagieren, um anderen Menschen zu helfen. Alle sind dankbar, wenn sie einen positiven Impuls in ihrem Leben setzen können.

Aufdrängen wollen sie sich ausdrücklich nicht, sondern ein Gesprächsangebot machen und sich um jeden Einzelnen kümmern. Was sie erfahren, behandeln sie vertraulich: Niemand muss Angst haben, dass andere davon erfahren. Die Ehrenamtlichen sind tolerant und bereit, die Meinung ihres Gegenübers auch dann zu akzeptieren, wenn sie sie nicht teilen. In den vergangenen Tagen hat Wellhöfer immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Gott den Menschen im Gebet begegnet, dass er ihnen genau das gibt, was sie in diesem Moment brauchen. In der Kirche auf dem Mittelaltermarkt gibt es nette Plaudereien, aber auch Gespräche, die sehr lang dauern und weit in die Tiefe gehen, manchmal bis in kleinste Details der Lebensgeschichte. Sie entstehen oft dann, wenn auf dem Mittelaltermarkt gerade etwas weniger los ist, wenn es im Bereich um die Kirche ein bisschen ruhiger zugeht.

Das Angebot der Evangelischen Allianz ist für alle kostenlos. „Gottes Liebe ist eine sich schenkende Liebe“, sagt Wellhöfer, der sie auch als voraussetzungslos bezeichnet: „Gott erwartet keine Gegenleistung.“ In einer immer rücksichtsloser werdenden Ellenbogengesellschaft empfindet es der Jugendpastor als äußerst wohltuend, voraussetzungslos Liebe zu schenken. Denn für ihn ist genau das die Botschaft von Weihnachten.

Inzwischen sind er und seine Kollegen von der Evangelischen Allianz ein fester Bestandteil des Mittelaltermarkts und der großen Familie, die dort unter den Ausstellern entstanden ist. Sie bringen sich aktiv in die Gemeinschaft ein. Etwa, indem sie an jedem Nachmittag an allen Ständen warmen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen verteilen. Auf dem Mittelaltermarkt fühlen sich Wellhöfer und seine Kollegen sehr wohl. Sie loben die entspannte Atmosphäre und den respektvollen Umgang untereinander. „Hier hilft und unterstützt man sich gegenseitig.“