Offenburger Tageblatt Offenburg, 10.12.2024

 

„Wir sind dankbar, dass es Sie gibt“

Dekan Frank Wellhöner wurde am Sonntag von Landesbeschöfin Heike Springhart in den Ruhestand verabschiedet. Viele Wegbegleiter würdigten sein Wirken. VON BARBARA PUPPE

Offenburg. „Vielen Dank, Frank!“ Dekan Frank Wellhöner wurde im Gottesdienst am zweiten Advent in der evangelischen Stadtkirche durch Landesbischöfin Heike Springhart in den Ruhestand verabschiedet. 21 Jahre lang war Wellhöner Dekan in der Ortenau. Für den feierlichen Rahmen sorgten der Posaunenchor unter Leitung von Christof Wettach und Traugott Fünfgeld an Orgel und Klavier. Wellhöner stellte in seiner Predigt die Hoffnung in den Fokus. Die Adventszeit sei die Erwartung anderer, besserer Zeiten. Gott selbst mache sich auf den Weg mit den Menschen. Glaube sei ein verheißungsvolles Angebot in der Ohnmacht, Hoffnung zu finden. Diese Hoffnung könne Energie freisetzen.

18 Jahre lang habe Wellhöner sich mit seiner Frau das Dekansamt geteilt, als erstes Paar im Jobsharing im Dekanat, betonte Landesbischöfin Spring-hart in ihrer Laudatio. Pionier sein, ungewöhnliche Wege und über Grenzen zu gehen, das sei Wellhöner wichtig gewesen. Er habe sich für die Städtepartnerschaften engagiert und gern über den Tellerrand hinausgeblickt. Mit klarem Kopf und erhobenen Hauptes weiterzugehen, darum sei es ihm immer gegangen.

„Sie haben mit Leidenschaft dazu beigetragen, dass Kirche als ernst zu nehmende Größe wahrgenommen wird – von allen, die mit ihr zu tun haben, in der Stadt, im Landkreis und über die Grenzen hinaus“, würdigte Springhart. Wellhöner habe die Öffentlichkeit geliebt und immer gern die Gemeinden besucht. In der Leitung des Kirchenbezirks habe er in den mehr als 20 Jahren viele Veränderungsprozesse erlebt, manchmal auch erlitten. „Sie waren auf 41 Konferenzen der Dekane und Schuldekane und haben die Neustrukturierung des Kirchenbezirks Ortenau mitgestaltet“, listete sie auf.

Beim Blick zurück stünden ihm die Höhepunkte vor Augen, vielleicht hätten aber auch Menschen ihre Enttäuschung zum Ausdruck gebracht, die vom Dekan die Erlösung aus einer schwierigen Situation erhofft haben. „Nie und nimmer kann ein Dekan alle Erwartungen erfüllen, noch nicht einmal so ein lange erfahrener wie Sie“, stellte sie klar. Die Erlösung und das Heil der Welt seien von keinem Menschen zu erwarten, denn man sei in weiten Horizonten unterwegs. Die Bischöfin entpflichtete den Dekan und wünschte ihm Gottes Segen für die Zukunft.

Zuversicht und Empathie

Auch bei den Grußworten wurden die menschlichen und fachlichen Qualitäten Wellhöners betont. Justizministerin Marion Gentges dankte ihm für alles, was er geleistet habe und wie er es geleistet habe. Er sei vielseitig, gebildet, ausgleichend und vermittelnd, gerade das, was man jetzt brauche, weil es Platz lasse für Menschlichkeit und Gemeinschaft. „Wir sind dankbar, dass es Sie gibt.“ Landrat a.D. Frank Scherer betonte die große gemeinsame Schnittmenge im Bereich der sozialen Dienste in der Verantwortung von Kirche und sozialen Institutionen. „Wir kennen ihn als Mann mit viel Zuversicht und Empathie – ein Mann, der Menschen liebt“. Er habe sich für die Gesellschaft eingesetzt und viele Projekte angestoßen.

„Sie waren ein Brückenbauer“, bescheinigte OB Marco Steffens. „Sie haben viele Spuren hinterlassen und waren ein wichtiger Partner, auch engagiert im Bereich des Diakonischen Werkes als Aufsichtsrat.“ Gefragt nach einer Kandidatur für den Kreistag habe Wellhöner spontan zugesagt. Der katholische Amtsbruder Dekan Matthias Bürkle bezeichnete Wellhöner als eine Art „Klassensprecher“ auch bei den Kirchenleitungen. Man vertrete in der Gesellschaft das biblische Menschenbild als Lebenshilfe, Aufgabe der Dekane sei es auch, Veränderungen zu erklären und für Umsetzung zu sorgen – oftmals ein Spagat. In der Stadt sei immer klar gewesen, dass beide Kirchen an einem Strang ziehen.

Rainer Becker, Geschäftsführender Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau, würdigte das Dekaneehepaar als Vorbild für die Zusammenarbeit der Dekane. Gremienarbeit habe Wellhöner als Gestaltungsaufgabe betrachtet. „Wir werden immer weniger Dekane – das muss aufhören“, mahnte er in Richtung der Landesbischöfin. Er dankte Wellhöner, dass er auch im Ruhestand für Aufgaben der Kirche zur Verfügung stehe. Viele verbänden mit Kirche den Namen Frank.