Mobbing als unterschätztes Problem
Das Beratungstelefon in Freiburg hat seit 25 Jahren ein offenes Ohr für Menschen, die am Arbeitsplatz schikaniert werden. Mehr als 3000 Anrufer haben seither das Hilfsangebot in Anspruch genommen.Freiburg. „Konflikte gehören zur Arbeitswelt dazu. Es ist aber wichtig, dass wir eine Kultur entwickeln, wie wir damit umgehen“, sagt Katja Stange, die als Bildungsreferentin für die Evangelische Landeskirche in Baden tätig ist. So könne man verhindern, das einzelne Konflikte eskalieren. Auch dürfen Betroffene mit ihren Problemen nicht alleine gelassen werden. Dafür gibt es seit 25 Jahren das Mobbing-Beratungstelefon des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, welches das Servicetelefon von Freiburg aus betreibt.
„Jeweils dienstags und donnerstags ist das Servicetelefon von 17 bis 19 Uhr erreichbar“, erklärt Stange. Neben ihr sind sechs Ehrenamtliche im Team der Telefonberatung tätig. „Sie alle haben eine Beraterausbildung gemacht“, erklärt Stange. Außerdem treffe sich das Team regelmäßig, um sich über die aktuellen Fälle auszutauschen. Die Beratung ist anonym, kostenlos und konfessionsunabhängig.
„Als erstes gilt es, die Situation der Anrufenden zu analysieren und einzuschätzen, ob es sich um Mobbing handelt“, zeigt Stange die Vorgehensweise der Telefonberatung auf. Ziel sei es immer, den Betroffenen Wege aufzuzeigen, wie sie sich selbst helfen können.
Telefonberatung dient als Hilfe zur Selbsthilfe
„Wir versuchen immer, auf das Umfeld der Betroffenen einzugehen und mögliche Lösungswege aufzuzeigen“, sagt die Leiterin der Telefonberatung. Der Ansatz der Telefonberatung sei Hilfe zur Selbsthilfe. „Im Idealfall gehen die Anrufenden mit einem klaren Lösungsweg aus dem Telefonat“, sagt Stange. Manchmal komme es vor, dass jemand nochmals anruft, auch deshalb sei der Austausch im Team wichtig.
Neben der Telefonberatung geht Stange auch in Unternehmen oder hält Vorträge. Sie will andere für das Thema Mobbing und den Umgang damit sensibilisieren und mögliche Lösungswege oder Maßnahmen zur Vorbeugung aufzeigen.
„Die Wahrnehmung spielt dabei eine große Rolle. Nicht jeder nimmt das gleiche als Mobbing wahr“, zeigt Stange auf. „Ich ermutige Jeden dazu, wenn er oder sie eine Situation wahrnimmt, in der jemand ungerecht behandelt oder gemobbt wird, diese auch anzusprechen“, so Stange. So könne man Problemen vorbeugen und Konflikte früh deeskalieren.
Ein weiteres Problem für Betroffene sei, dass Mobbing oftmals anonym geschehe. „Wenn man nicht weiß, wer der Verursacher ist, ist auch ein Ausweg aus der Situation schwieriger“, erklärt Stange.
Der wirtschaftliche Schaden der durch die Folgen von Mobbing entsteht sei enorm. Experten gehen von mehreren Milliarden Euro aus. Mitarbeiter die kündigen oder lange ausfallen sowie unproduktives Arbeiten weil sich Menschen unwohl fühlen, seien Faktoren, die von vielen Unternehmen noch unterschätzt werden. Dort setzt Stange an. „Ich versuche das Thema präsenter zu machen und darüber aufzuklären, wie wichtig Konzepte zum Umgang mit Mobbing sind“, erklärt Stange. Vorgesetzte können aber auch selbst die Initiatoren von Mobbing sein. Das erschwere es für die Betroffenen zusätzlich, so Stange.
Hilfe auch für Angehörige oder Kollegen
Es haben aber auch schon Vorgesetzte, Angehörige oder Betriebsräte beim Beratungstelefon angerufen und nach Rat gefragt, wie sie selbst bei einer Situation helfen können. „Auch für solche Fälle sind wir gerne da“, zeigt Stange auf. Und falls sie selbst nicht zuständig sind oder weiterhelfen können, verweisen sie und ihre Mitarbeiter an andere Beratungsangebote oder Ansprechpartner.