Wertheimer Zeitung, 02.12.2024

 

Klangvolle Dialoge von Orgel und Trompete

Konzert: Carsten Klomp und Rudolf Mahni begrüßen musikalisch den Advent - Werke aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne

WERTHEIM. Ein abwechslungsreiches Konzert mit Werken aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne erlebten am Samstag die zahlreichen Besucher in der Wertheimer Stiftskirche. Carsten Klomp (Orgel) und Rudolf Mahni (Trompete) beeindruckten durch ihr virtuoses Spiel und ihr einfühlsames Zusammenspiel. Trotz der kalten Temperaturen schufen sie eine ganz besondere Atmosphäre im Kirchenraum.

Zur festlichen Eröffnung des Advents konnte die Kirchengemeinde Wertheim das Duo gewinnen, das seit rund 20 Jahren zusammen musiziert. Für dieses Konzert, das Dekanin Wibke Klomp mit dem Motto »Licht in der Finsternis - Wärme für unsere Seele« einleitete, haben sie ein völlig neues Programm erarbeitet. Carsten Klomp erklärte in seiner kurzen Einführung, dass die Kombination Orgel-Trompete bei Konzertfreunden sehr beliebt sei, was die hohen Besucherzahlen belegten. Dennoch gebe es nur wenige Originalwerke für diese Besetzung. Deshalb habe er bei der Bearbeitung der zumeist für Orgel oder Klavier geschriebenen Musikstücken »ein bisschen was dazugeschrieben«, meinte der Organist.

Nach der Eingangsmelodie, der präzise und beschwingt vom Duo vorgetragenen Toccata D-Dur von Giambattista Martini, waren sich die Zuhörer einig: »Schöner, festlicher und klangvoller hätte das Konzert nicht beginnen können.« Der Pater war als Kapellmeister der Franziskanerkirche in Bologna tätig und zog mit seinen Kompositionen sowie seinem Musiksachverstand die Aufmerksamkeit vieler Komponisten auf sich. Selbst Wolfgang Amadeus Mozart ließ sich von ihm während eines Aufenthalts in Italien im Kontrapunkt unterrichten.

Johann Gottfried Walther gilt unter Fachleuten als einer der größten Meister des Orgelchorals nach Bach. Die beiden Musiker präsentierten meisterhaft sein dreisätziges »Concerto h-moll für Orgel« in einer Bearbeitung von Klomp. Wie ein roter Faden zogen sich drei unterschiedliche Vorspiele zu dem Choral »Nun komm der Helden Heiland« durch das Programm, die in verschiedenen Epochen von Bach, Gottfried August Homilius und Klomp geschrieben wurden. Der heiter-beschwingten »Suite F-Dur« von Leopold Mozart folgten vier einfallsreiche Stücke für die Flötenuhr von Joseph Haydn, die Klomp leichthändig auf der Orgel ohne Zuhilfenahme der Pedale spielte und damit seinem Duopartner eine kleine Verschnaufpause einräumte.

Bei der »Pastorale« des französischen Romantikers Alexandre Guilmant, der »Trumpet Gavotte« des zeitgenössischen Komponisten Christopher Tambling, dem »Evensong« von Easthope Martin und dem »Trumpet Minuet« von Alfred Hollins konnte man die Augen schließen, träumen und dem einfühlsamen Zwiegespräch von Orgel und Trompete lauschen. Dabei entlockte Mahni seiner klassischen Trompete Töne in allen Schattierungen und Timbres, die er mit der zurückhaltenden Orgel verschmelzen ließ. Im Verlaufe des Konzerts zog er das Publikum auch mit der Piccolotrompete und dem Kornett in seinen Bann.

Die drei folgenden Choralvorspiele von Carsten Klomp waren von Jazz und modernen Rhythmen inspiriert. Sie bildeten eine perfekte Überleitung zur »Sortie B-Dur« des französischen Komponisten Louis Lefébure-Wély. Klomp erklärte, dass Lefébure-Wély zu Recht am Ende des Programms stehe. Zu seiner Zeit war er als Organist so berühmt, dass es bei seinen Konzerten regelmäßig zu Prügeleien am Einlass kam. »Das erwarte ich hier spätestens am 2. Weihnachtsfeiertag«, scherzte der Kirchenmusikdirektor. Angesichts des lang anhaltenden Applauses spielte das Duo als Zugabe das französische Weihnachtslied »Offertoire pour Noel« von Lefébure-Wély. Angesichts des überaus gelungenen Konzerts spendeten die Zuhörer am Ausgang fleißig für die Orgelrenovierung.