Warum diese Orgel so fasziniert
Reines Bach-Programm in der Christuskirche Bald wird das Instrument grundlegend restauriert VON ROSWITHA FREYRheinfelden – Die große Orgelrevision in der Christuskirche rückt näher. Im Januar starten die umfangreichen Arbeiten, um die Rensch-Orgel von 1980 klanglich und technisch fit für die Zukunft zu machen. Bevor das Instrument einer Generalüberholung unterzogen wird, erklang es noch einmal beim letzten Orgelrecital in der Reihe der Marktmusiken in dieser Saison. Willi Tittel aus Lörrach gestaltete ein reines Bach-Programm. Zwar gibt es noch zwei weitere Marktmusiken im Dezember. Diese sind aber der Kammermusik und dem Chorsingen gewidmet – die Orgel spielt keine große Rolle mehr.
Bei der gut besuchten Bach-Matinee von Willi Tittel stand sie noch einmal im Zentrum. Und wie könnte man die Orgel besser feiern als mit dem größten aller Orgelkomponisten, Johann Sebastian Bach? Auf der Rensch-Orgel lässt sich die Musik des unerreichten Barockmeisters adäquat realisieren, das machte der erfahrene Organist deutlich. Als „Rahmenwerke“ spielte Tittel die Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542. Die Fantasie ist sehr aufgewühlt und dramatisch – ein Symbol für die heute wieder unruhigen Zeiten. Dagegen wirkt die Fuge am Schluss entspannter, wobei auch Freudigkeit darin zum Ausdruck kommt. Eingebettet in diese virtuos dargebotenen Sätze erklangen drei Choräle, die in Bachs christliche Welt hineinführten. Sehr eindrücklich wirkte „O Lamm Gottes unschuldig“ in drei Versen. In diesen erklingt der Choral in verschiedenen Stimmen und das Thema wandert auch mal ins Pedal. Ergreifend gespielt war auch „Vor deinen Thron tret ich“, das letzte Werk Bachs.
So hatte Willi Tittel in dieses Halbstundenkonzert spieltechnisch sehr viel hineingepackt von Bachs tiefgründiger Orgelsprache, seiner unerreichten Qualität, seiner Tiefe – den virtuosen, dynamischen Bach ebenso wie den besinnlichen, ruhigeren, leiseren. Und es zeigte sich, dass Bachs Musik die Menschen so erreicht wie kaum eine andere.
Es ist, wie Kirchenmusikdirektor Rainer Marbach verrät, aber nicht das letzte Orgelkonzert vor der Orgelrevision. Das eigentliche große „Abschiedskonzert“ gibt die Rheinfelder Konzertorganistin Irmtraud Tarr am 19. Januar, bevor am 20. Januar die geplanten Arbeiten an der Rensch-Orgel beginnen.
Das fast 45 Jahre alte Instrument wird grundlegend gereinigt und repariert. Verschleißteile werden ersetzt und es werden klangliche und technische Verbesserungen vorgenommen. Wie Marbach erklärt, werden Mitarbeiter der Orgelbaufirma Mühleisen aus Leonberg die Renovierungsarbeiten in der Christuskirche durchführen. Einige Teile, so Marbach, wurden in der Firma vorproduziert – etwa das Schwellwerkgehäuse, das zur Erweiterung des bisherigen Schwellwerks dient. Ansonsten wird die Orgelempore komplett geräumt, damit dort die Werkstatt der Orgelbauer eingerichtet werden kann. Beim Reinigen der Pfeifen können neben den Fachkräften auch Freiwillige mit anpacken, so Marbach. Wer dabei helfen will, könne sich bei der Kirchengemeinde melden.
Dass eine moderne elektronische Setzeranlage eingebaut werden kann, die das Registrieren enorm erleichtert, ist der großzügigen Spende von Irmtraud Tarr und der Tarr-Stiftung zu verdanken. Die gesamten Kosten für die Generalüberholung und die technischen und klanglichen Optimierungen belaufen sich auf rund 250.000 Euro. Getragen wird die Summe zum Teil durch einen Zuschuss der Landeskirche und durch Rücklagen der Kirchengemeinde, die für diesen Zweck über zehn Jahre gebildet wurden.
Um den Haushalt der Kirchengemeinde nicht zu sehr zu belasten, sollen so viele Spenden wie möglich gesammelt werden. Was die Spendenbereitschaft betreffe, „stehen wir ganz gut da“, sagt Marbach. Noch fehle aber eine Summe im fünfstelligen Bereich für den Einbau eines Fagott-16-Fuß-Registers. Die „Pfeifen-Patenschaften“, mit denen Orgelfreunde die Orgelrevision unterstützen können, seien eher langsam angelaufen, berichtet Marbach. Erst rund 15 Patenschaften seien bis heute vermittelt worden. „Da ist noch Luft nach oben“, meint der Kantor. Sehr dankbar ist Marbach für die „selbstlose Benefizaktion“, die der Schweizer Organist Johannes Fankhauser zugunsten der Orgelrevision durchgeführt hat. Bis November gestaltete Fankhauser mehr als zehn Improvisations-Matineen. Der Erlös kommt der Orgelrenovation zugute. Marbach hat bisher zehn CDs von dieser „Impro zur Marktzeit“ produziert. Es seien immer mehr Zuhörer zu den Improvisations-Konzerten gekommen, erzählt Marbach. Auch die anderen Konzerte der Marktmusiken seien sehr gut besucht, hätten im Schnitt mindestens 40 Besucher.
Orgellose Zeit
Ab 20. Januar wird die Rensch-Orgel mehrere Monate nicht spielbar sein, voraussichtlich bis Mitte 2025. In dieser Zeit kann auf den Blüthner-Flügel, ein Orgelpositiv – also eine kleine, transportierbare Orgel – oder ein Harmonium ausgewichen werden, als reines Übe-Instrument auch auf eine Digitalorgel. „Es gibt genügend Alternativen“, sagt Kirchenmusikdirektor Rainer Marbach über die orgellose Zeit.
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