Verkündigungsdienst im Ehrenamt
Susanne DürrPfinztal Taufen, predigen oder Paare zu vermählen ohne Theologiestudium und ganz nebenbei? In der evangelischen Kirche gibt es für im Glauben verwurzelte Gemeindemitglieder die Möglichkeit, sich zum Prädikanten ausbilden zu lassen. Gerade wurde Christian Ramin für seine zweite Amtszeit in diesem Ehrenamt ordiniert. Sechs weitere Jahre lang ermächtigt dies den Familienvater aus Berghausen, das Wort Gottes zu verkünden und die Sakramente zu feiern.
Der 36-jährige Erzieher und Vater von fünf Kindern sprudelt vor Begeisterung, wenn er über sein christliches Ehrenamt spricht. Im Glauben der Mutter mit einer Kinderbibel erzogen, engagierte er sich schon früh aktiv im christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) und engagierte sich in der Jugendschar und Jugendarbeit. Im Kirchenbezirk Karlsruhe-Land mit 31 Kirchengemeinden sind 30 Prädikanten und Prädikantinnen aktiv. „Ich werde zu Gottesdiensten von Ettlingen bis Neureut eingeteilt und kann selbst aussuchen, ob der Termin passt“, so Ramin.
Dass es die Möglichkeit gibt, sich selbst mit seinen persönlichen Erfahrungen in den Verkündigungsdienst einzubringen, eröffnete ihm sein Schwiegervater, der Pfarrer ist. Grundvoraussetzung ist, dass der Kirchengemeinderat einer Gemeinde den Anwärter zur Prädikantenausbildung empfiehlt. Die Ausbildung umfasst acht Wochenenden an der Evangelischen Hochschule in Freiburg. Die einzelnen praxisbezogenen und theoretischen Module umfassen Homiletik (Wissenschaft von der Predigt), Liturgie, Sakramente, Ortungen, Bibelkunde und exemplarische Einheiten zur Theologie.
„An einer Sonntagspredigt arbeite ich acht bis zehn Stunden“, erklärt Ramin und betont: „Die besondere Herausforderung ist, die eigene Lebenserfahrung in die Gottesdienstgestaltung miteinzubringen.“ In der Evangelischen Landeskirche Baden gibt es diesen Dienst seit November 1941 als viele Pfarrer zur Wehrmacht einberufen wurden. Im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert befasste sich Martin Luther bereits mit der Rolle von Laien- oder Hilfspredigern.
„Der Glaube allein ist das wahre Priesteramt“, zitiert Ramin Luther. Bisheriges Highlight im Ehrenamt war ein Erntedankgottesdienst in Neureut mit „seinen Kindern“ von der Brunhilde Baur Kindertagesstätte. „Dafür bin ich extra in einen Talar geschlüpft“, so der Erzieher. Die größte Herausforderung sei hingegen die Technik, etwa wenn das Mikrofon an der Kanzel versagt. Regelmäßige Prädikantentreffen zum Austausch, die Möglichkeit zur Fortbildung und ein enger Kontakt zum Mentor, Pfarrer Andreas Reibold, unterstützen das Ehrenamt. Der regelmäßige, sonntägliche Gottesdienst ist für ihn ein Fixpunkt. „Auch im Urlaub gehen wir in den Sonntagsgottesdienst“, erzählt Ramin lächelnd beim Gedanken an die Predigt in Schweizerdeutsch.
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