Badische Zeitung Lörrach, Weil am Rhein, 13.11.2024

 

Sprayen als Signal für eine starke Demokratie

Das Gemeindehaus an der Christuskirche in Lörrach wurde am Montag mit Graffiti bemalt, ganz legal. Das war eine Aktion des evangelischen Kirchenbezirks Markgräflerland und Diakonischen Werks zum sozialpolitischen Martinstag.

LÖRRACH
Die weiße Wand des Gemeindehauses wurde am Montagabend immer bunter. Es roch nach Sprühfarbe, Menschen in weißen Kitteln sprühten Schriftzüge, Ornamente und Tiere an die Wand. Annähernd 15 junge Leute, vorwiegend aus der kirchlichen Jugend der Christuskirche, und einige Ältere besprayten sie. Bärbel Schäfer, Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Markgräflerland, und Karin Racke, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kreis Lörrach, sprühten eifrig mit.


Der 11. November ist der Gedenktag des Heiligen Martin, und seit einigen Jahren veranstalten der evangelische Kirchenbezirk Markgräflerland und das Diakonische Werk einen sozialpolitischen Martinstag. Schließlich teilte Martin seinen Mantel mit einem Bettler, trat ein für Nächstenliebe, Teilen, Ausgleich, Respekt und ein Miteinander. „Es ist uns wichtig, an diesem Tag ein Signal zu setzen für eine starke Demokratie“, stellte Karin Racke fest. „Graffiti zu sprayen ist mal was ganz Neues.“


Anlass für diese Aktion ist, dass es zwei Tage vorher, am 9. November, genau 35 Jahre her war, dass sich in Berlin die Mauer und damit auch die Tür für die deutsche Vereinigung öffnete. Vorausgegangen waren die Montagsdemonstrationen in der DDR, bei denen Menschen für Demokratie und Menschenrechte eintraten und eine friedliche Revolution bewirkten. Weil die Berliner Mauer voll von Graffiti war, jedenfalls auf westlicher Seite, nahm man das zum Anlass für diese Aktion.


Als Anleiterin wirkte Bianca Leicher von Kisel, einem Projekt der Drogen- und Jugendberatungsstelle Lörrach für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Sie hat einen „leichten kunsttherapeutischen Hintergrund“, wie sie sagte, und solche Aktionen schon gemacht. „Sprayen ist relativ einfach“, sagte sie und erklärte den richtigen Umgang mit der Farbdose, dass man besser Kittel und Handschuhe anzieht, wenn man nicht selbst farbig werden will, und dass das Ganze sehr viel Spaß macht. Den hatten die Teilnehmenden offensichtlich.


Nun ist das Gemeindehaus zur Nansenstraße hin bunt. Allzu lange währt die Freude aber nicht, deshalb war die Aktion auch möglich. Im Januar soll das Gemeindehaus abgebrochen werden.