Den Westfalen zieht es ins Dreiländereck
Jörg Winkelströter hat sich auf die evangelische Pfarrstelle in Grenzach und Wyhlen beworben. Am Sonntag stellte er sich den Gemeindemitgliedern in einem Gottesdienst in der Wyhlener Friedenskirche vor.
GRENZACH-WYHLEN
Jörg Winkelströter könnte neuer Pfarrer für die evangelischen Gemeinden Grenzach und Wyhlen werden. Am Sonntag stellte er sich in einem Gottesdienst in der Wyhlener Friedenskirche vor.
Nachdem die Pfarrstelle bereits seit rund zwei Jahren unbesetzt ist, bewarb sich Winkelströter. In Absprache mit der badischen Landeskirche erfolgte nun der erste Kontakt mit der Gemeinde. Bereits am Samstag hatten die beiden Kirchengemeinderäte ein ausführliches Gespräch zum Kennenlernen mit dem Bewerber. Den Gottesdienst am Sonntag widmete er dem 507. Jahrestag der Reformation.
In seiner Predigt griff er unter anderem das Streben nach Zielen auf. Seien es nun Harmonie, Erfolg, Gerechtigkeit, familiäre Harmonie oder Genesung, alles habe seine Berechtigung. Das Wirken dafür solle aber unbedingt nach den christlichen Glaubensgrundsätzen und Werten erfolgen und dabei den Respekt vor anderen bewahren. Sicherlich bemühten sich dabei viele um Perfektionismus, aber niemand sollte dabei die Augen davor verschließen, auch selbst Fehler zu begehen und Unzulänglichkeiten auszuleben. Diesen realen Alltag im Glauben einzuordnen heiße dann, nach dem Motto „Meine Zeit in deinen Händen“ die Gotteszuwendung zu finden.
In den Dank- und Fürbittgebeten griff Winkelströter sehr lebensnahe Probleme auf. So bat er um verständnisvolles ökumenisches Miteinander und Verständnis für anstehende Veränderungen in Struktur und Gestaltung der Gemeinde. In die Bitte um Gottes Segen schloss er die Opfer der Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen sowie die Opfer der schlimmen Flutkatastrophe in Spanien ein. Der Gottesdienst wurde von der evangelischen Kantorei Grenzach mit einem anspruchsvollen Programm mitgestaltet, zum Abschluss sangen Chor und Gemeinde gemeinsam das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“.
Unmittelbar an den Gottesdienst schloss sich in der gut besetzten Friedenskirche eine Gemeindeversammlung an. Dabei stellte sich Jörg Winkelströter persönlich vor. Der 56-jährige Pfarrer stammt aus Nordrhein-Westfalen und ist dort derzeit Gemeindepfarrer in der Kleinstadt Haltern am See. Nach seiner Kindheit und Jugend in Hagen/Westfalen studierte er in Berlin, Heidelberg und Münster Theologie, absolvierte in Hamm seine Probezeit. Schmunzelnd verwies Winkelströter darauf, dass er damals nicht sofort eine freie Pfarrstelle fand. „Es gab zu viele Absolventen und Bewerber, wir mussten warten oder in andere Arbeitsfelder wechseln. Heute wünschen wir uns die Absolventenzahl von damals zurück“, sagte er. Schließlich war er zwölf Jahre lang Pfarrer in einem Dorf bei Osnabrück, bis er 2012 nach Basel wechselte. Dort hatte die lutherische Gemeinde einen neuen Pfarrer gesucht.
Von der westfälischen Landeskirche erhielt er die Freigabe nur für zwei Wahlperioden zu je fünf Jahren, musste dann zurückkehren nach Nordrhein-Westfalen: Jedoch hatten die Jahre in Basel bei ihm und seiner Familie den Willen wachsen lassen, künftig im Dreiländereck zu leben. Als er später das Gesuch der badischen Landeskirche für die Pfarrstelle in Grenzach-Wyhlen fand, bewarb er sich. Dieses Besetzungsverfahren ist nun mit seiner Vorstellung in eine neue Phase getreten, wie Dekanin Bärbel Schäfer erläuterte. Fest entschieden ist seine Anstellung noch nicht. Nunmehr beraten die beiden Kirchengemeinderäte, das Dekanat und der Oberkirchenrat gemeinsam darüber, ob die Bewerbung angenommen wird. Nach seinen familiären Möglichkeiten könnte Winkelströter im August kommenden Jahres seine Tätigkeit beginnen.
In der Gemeindeversammlung beantwortete er auch einige Fragen, so unter anderem zur künftigen Einbeziehung von Kindern in die Gemeindearbeit. Am Gottesdienst nahm auch der derzeitige Vertretungspfarrer Steffen Mahler teil. Beim abschließenden Apero suchten die Gemeindemitglieder das Gespräch mit Jörg Winkelströter. Aus ersten Reaktionen war zu hören, dass die Gestaltung des Gottesdienstes sehr guten Zuspruch gefunden hat.
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